Kachelmann-Prozess: Das Rätsel um die blauen Flecken

Ein Gutachter des angeklagten Moderators glaubt, dass sich das mutmaßliche Opfer die Hämatome selbst beigebracht hat – und dafür vorher „übte“. Jetzt hält ihn der Staatsanwalt für befangen
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Eine Gerichtszeichnung zeigt Jörg Kachelmann und einen seiner Anwälte
dpa Eine Gerichtszeichnung zeigt Jörg Kachelmann und einen seiner Anwälte

Ein Gutachter des angeklagten Moderators glaubt, dass sich das mutmaßliche Opfer die Hämatome selbst beigebracht hat – und dafür vorher „übte“. Jetzt hält ihn der Staatsanwalt für befangen

MANNHEIM An beiden Oberschenkeln hatte die blonde Radio-Moderatorin blaue Flecken – für die Staatsanwaltschaft ein Indiz dafür, dass Jörg Kachelmann die 37-Jährige im Februar vergewaltigt hat. Doch der 52 Jahre alte Wetterexperte kehrte jetzt im Prozess in Mannheim den Spieß um: Die Frau habe sich die Hämatome selbst beigebracht, um die Tat vorzutäuschen, so der Gutachter der Verteidigung, Bernd Brinkmann.

Und nicht nur das: Der Mediziner will sogar nachweisen, dass die langjährige Geliebte des Schweizers lange vor der Tat Selbststudien gemacht habe, um herauszufinden, wie die Hämatome entstehen.

Er nimmt in seinem Gutachten Bezug auf frühere Bilder auf dem Computer des mutmaßlichen Opfers. Dort sind ältere Blutergüsse zu sehen. Brinkmann: „Sie wollte wissen, ob bei entsprechenden Einwirkungen Hämatome entstehen. Es handelt sich um zielgerichtete Selbstverletzungen etwa ein Jahr vor der angeblichen Tat.“ Auch könne, so der Gutachter, Kachelmann die Frau nicht vergewaltigt und sie gleichzeitig mit einem Küchenmesser am Hals verletzt haben.

Für Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge ist das starker Tobak. Brinkmann habe auf ein Szenario hingearbeitet, „das der Vorstellung seines Auftraggebers entspricht“. Deswegen bezweifelt der Jurist dessen Unvoreingenommenheit und stellte einen Befangenheitsantrag. Über den will das Gericht aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde gestern die 70- jährige Mutter des mutmaßlichen Opfers gehört. Sie hatte nach einer kurzen Angabe zu ihrer Person gesagt: „Ich bin sehr angespannt“, bevor Medienvertreter und Zuschauer den Saal verlassen mussten.

Zuvor standen zwei Angestellte des Hotels im Zeugenstand, in dem Kachelmann am frühen Morgen des 9. Februar eingecheckt hatte, nachdem er der Anklage zufolge wenige Stunden zuvor seine Freundin vergewaltigt hatte. „Er kam ziemlich spät“, erinnerte sich eine 36-jährige Hotelfachfrau. Und: „Er war freundlich.“ Für sie sei das ein ganz normales Einchecken gewesen. Verletzungen habe sie an ihm nicht bemerkt.

Nach der Aussage einer anderen Angestellten war Kachelmann von 3.30 Uhr bis 10.30 Uhr eingecheckt. Der Moderator war danach nach Kanada geflogen; er wurde erst nach seiner Rückkehr im März am Flughafen Frankfurt verhaftet.    Im Laufe des Prozesses sollen zunächst weitere Ex-Freundinnen gehört werden, erst danach das 37-jährige mutmaßliche Vergewaltigungsopfer. mh

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