Justiz ermittelt - Übergriffe auf 250 Frauen bei Bewerbung

Mit harntreibenden Mitteln und versteckten Fotos: Ein französischer Kulturbeamter soll Frauen bei Bewerbungsgesprächen gezielt gedemütigt haben. Erst nach Jahren flog sein Tun auf.
von  dpa
Die französische Justiz ermittelt gegen einen ehemaligen Kulturbeamten wegen sexueller Übergriffe und Eingriffen in die Intimsphäre bei 250 Frauen. (Symbolbild)
Die französische Justiz ermittelt gegen einen ehemaligen Kulturbeamten wegen sexueller Übergriffe und Eingriffen in die Intimsphäre bei 250 Frauen. (Symbolbild) © Rachel Boßmeyer/dpa

Die Pariser Justiz ermittelt wegen sexueller Übergriffe auf rund 250 Frauen unter Einsatz von Medikamenten sowie wegen Verletzung der Privatsphäre gegen einen ehemaligen Beamten des Kulturministeriums. Betroffene Frauen, die noch keine Aussage gemacht hätten, könnten sich bei den Fahndern melden und als Nebenklägerin auftreten, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. 

Der Beamte soll Frauen bei Bewerbungsgesprächen mit einem Kaffee oder Tee harntreibende Mittel verabreicht haben, so dass diese oft notgedrungen vor seinen Augen urinieren mussten oder sich sogar in die Kleidung machten. Teils soll er auch Fotos von den Frauen gemacht haben. 

Zu den Übergriffen soll es zwischen 2009 und 2018 in Paris und Straßburg gekommen sein, wo der Beamte im Ministerium und dann in einer regionalen Kulturbehörde arbeitete.

Übergriffe auf Frauen in Computer-Datei aufgelistet

Die Schilderungen etlicher von dem Beamten gedemütigter Frauen haben in Frankreich für große Entrüstung gesorgt. Die perfide Masche des Mannes flog erst auf, als er 2018 bei einer Dienstbesprechung in Straßburg dabei ertappt wurde, wie er unter dem Tisch heimlich die Beine der Unterpräfektin fotografierte. 

Fahnder, die nach einer Anzeige seinen Computer unter die Lupe nahmen, stießen dort auf zahlreiche Fotos von Frauenbeinen und eine Datei, in der er über die Übergriffe auf Frauen bei Bewerbungsgesprächen akribisch Buch geführt hat.

Die Frauen waren dort mit Namen und Datum des Gesprächs aufgeführt, minuziös vermerkt war die Uhrzeit, zu der er das Medikament ins Getränk mischte sowie die Konsequenzen für die Frauen. Oft soll der Beamte die Frauen ermuntert haben, das Bewerbungsgespräch draußen während eines Spaziergangs zu führen, um sie abseits einer Toilette in eine noch unangenehmere Notlage zu bringen.

Opfer musste auf offener Straße urinieren

Eine Betroffene schilderte dem Sender BFMTV, dass der Beamte ihr bis in die Toilette gefolgt sei, um zu hören, wie sie uriniert. Eine andere berichtete von ihrem Gespräch in Straßburg, wo sie notgedrungen auf offener Straße habe urinieren müssen und der Beamte seinen Mantel vor sie gehalten habe. Die erhoffte Stelle, auf die sie sich beworben hatten, erhielten die Frauen meist nicht.

Empörung gibt es bei den Betroffenen unterdessen, weil die Ermittlungen gegen den längst suspendierten Beamten seit Jahren laufen, ohne dass es bisher zu Gerichtsverfahren gekommen ist. Schlimmer noch: Dem Mann soll es gelungen sein, während des laufenden Ermittlungsverfahrens unter falschem Namen an einer Hochschule in der Normandie zu unterrichten, wie die Zeitung "Ouest France" berichtete. 

Wie die Staatsanwaltschaft nun ankündigte, sollen die Ermittlungen in diesem Jahr abgeschlossen werden. Danach kann der Mann angeklagt werden.

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