Internet vs. Doktor - "Dr. Google" nervt die Ärzte

Immer mehr Patienten fragen erst das Internet und dann den Doktor. Diese Entwicklung sehen die meisten Mediziner als problematisch an.
| Verena Lehner
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Nicht immer kommt es bei den Medizinern gut an, wenn sich Patienten vorab im Internet informieren.
dpa Nicht immer kommt es bei den Medizinern gut an, wenn sich Patienten vorab im Internet informieren.

Seit Tagen plagt einen ein seltsames Stechen auf der linken Seite des Bauches. Doch bevor man den Gang zum Arzt wagt, wird erst einmal nachgeschaut, was Dr. Google dazu sagt. „Stechen auf der linken Bauchseite“ ergibt beispielsweise 126 000 Ergebnisse – in nur 0,75 Sekunden. Genau so schaut die Erstdiagnose bei den meisten deutschen Patienten aus – das hat der aktuelle Gesundheitsmonitor von GEK und Bertelsmann unter mehr als 800 Medizinern ergeben. Eine Entwicklung, die ein Großteil (73 Prozent) der Ärzte als eher problematisch bewertet.

Die Entwicklung der Selbstrecherche: An der aktuellen Erhebung haben insgesamt 804 ambulant tätige Ärzte aus den verschiedensten Fachrichtungen teilgenommen. Fast alle (98 Prozent) geben bei der Online-Befragung an, dass die Zahl der Patienten, die sich über medizinische oder gesundheitliche Fragen im Internet informieren, in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist.

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Ein Drittel der Befragten wird demnach an einem normalen Arbeitstag von mehr als 30 Prozent der Patienten mit Informationen konfrontiert, die diese aus dem Internet hätten. Das trifft sowohl für Hausärzte als auch Fachärzte zu. Aus den Gesprächen mit den Ärzten ergibt sich, dass sich die meisten Patienten im Internet über die Symptome einer Krankheit, über mögliche Therapien und Krankenkassenleistungen informieren.

"Dr.Google" schwächt das Vertrauen zum eigenen Arzt

Was Ärzte von der Selbstrecherche halten: Nur knapp die Hälfte der Ärzte (47 Prozent) sieht in den selbstinformierten Patienten eine Chance. 45 Prozent sind der Ansicht, dass die Recherche im Internet nur dazu beiträgt, dass bei Patienten Erwartungen und Ansprüche geweckt werden, die den Ärzten die Arbeit umso schwerer mache, 30 Prozent meinen, dass „Dr. Google“ die meisten Patienten nur verwirre und das Vertrauen zum eigenen Arzt nachhaltig schwäche.

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Zehn Prozent ärgern sich sogar darüber, wenn der Patient mit einer Frage nicht zuerst zu ihnen kommt und sieben Prozent haben das Gefühl, dass ihnen der Patient nicht vertraut. Nur etwa elf Prozent der befragten Ärzte stellen sich laut der aktuellen Studie die Frage, ob es vielleicht an ihnen gelegen hat, dass der Patient sich erst im Internet schlaugemacht hat, anstatt gleich zu ihm zu kommen.

Wie sich Ärzte im Internet auskennen: Wie die Erhebung zeigt, kennen fast alle Befragten Internetseiten, die Gesundheitsinformationen anbieten. Allerdings legt die Umfrage die Vermutung nahe, dass nur wenige Mediziner einschätzen können, welche Portale seriös sind. So kennen nur 20 Prozent der Ärzte die Online-Beratungsstelle des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Seite patienten-information.de beispielsweise – ein renommiertes Portal des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin, die Medizinisches laienverständlich aufbereitet – hält nur ein Drittel der Ärzte für vertrauenswürdig.

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