"Wo ich im Sommer nicht mehr willkommen bin": Südtirol plant drastische Maßnahme gegen Massentourismus

Kommt es zur Premiere am Grödner Joch? Dort soll die Durchfahrt nur noch wenigen Personengruppen möglich sein.
Martina Scheffler
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Die kurvenreiche Straße vam Grödner Joch: Die Nutzung soll deutlich eingeschränkt werden.
Die kurvenreiche Straße vam Grödner Joch: Die Nutzung soll deutlich eingeschränkt werden. © imago/imageBROKER/Unai Huizi

Im Kampf gegen den motorisierten Massentourismus will Südtirol weiter zu harten Mitteln greifen. Besonders angespannt ist die Lage unter anderem im Grödnertal. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob die Passstraße über das Grödner Joch wie geplant ab September für zwei Monate probeweise für den Individualverkehr gesperrt wird.

Eine Durchfahrt soll dann nur noch Anwohnern oder Personen möglich sein, die beispielsweise berufliche Gründe anführen können. Der motorisierte Verkehr für alle anderen, also Pkw, Lkw und Motorräder, soll, wenn der Probelauf erfolgreich ist, im Sommerhalbjahr von Mitte Mai bis Mitte Oktober verboten werden.

Entscheidung in der zweiten Juliwoche

Eine eigens dafür einberufene Arbeitsgruppe um Landeshauptmann Arno Kompatscher und die Landesräte Daniel Alfreider (Mobilität) und Peter Brunner (Naturschutz) soll in der zweiten Juliwoche die Entscheidung treffen, berichtet das Online-Portal stol.it.

Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol.
Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol. © Sven Hoppe/dpa

Demnach sind die Vorbereitungen für den Probelauf ab September "sehr weit fortgeschritten". Entgegen früheren Planungen soll dann die Durchfahrt durch die "außerstädtische, verkehrsberuhigte Zone" neben Einwohnern von fünf Gadertaler und drei Grödner Gemeinden auch noch jenen möglich sein, die in einer zum Unesco-Gebiet in Südtirol gehörenden Gemeinde wohnen.

Das Portal listet diese Gemeinden auf, unter den sich einige Tourismus-Hotspots befinden: Kastelruth, Völs, Tiers, Aldein, Deutschnofen, Welschnofen, Villnöß, Toblach, Sexten, Prags und Olang.

Blick auf Kastelruth in den Dolomiten. Einwohnern soll die Durchfahrt am Grödner Joch weiter möglich sein.
Blick auf Kastelruth in den Dolomiten. Einwohnern soll die Durchfahrt am Grödner Joch weiter möglich sein. © imago/Zoonar.com/Robert Jank

Wie stol.it weiter schreibt, dürfen die Anwohner dieser Gemeinden das Joch passieren, nicht aber entlang der Passstraße parken: Dafür ist eine Online-Reservierung nötig. Insgesamt 120 Parkplätze werden dafür zur Verfügung gestellt.

Für diese gelte eine Mindestparkzeit von drei Stunden. Auf diese Weise solle der Verkehr am Joch auf nur noch 500 Fahrzeuge tagsüber reduziert werden, was einen Rückgang um 90 Prozent bedeuten würde – allerdings zuzüglich der Anwohner ohne Parkrecht und der Zulieferer.

Ein Bus alle 15 Minuten?

Der Bustakt auf der Strecke soll im Gegenzug erhöht werden. 2027 sei womöglich ein 15-Minuten-Takt machbar, schreibt stol.it. Ob Urlaubsgäste in den Unesco-Gebieten ebenfalls eine Passiererlaubnis erhalten sollen, muss dem Portal zufolge noch entschieden werden. Sollte die verkehrsfreie Zone am Grödner Joch kommen, wäre dies laut stol.it die erste auf italienischem Staatsgebiet.

Wie der ADAC schreibt, sind es nicht die einzigen Maßnahmen, die in Südtirol heuer zur Besucherlenkung ergriffen werden. So soll etwa für die Bergbahn an der Seceda bei Sankt Ulrich eine Besucherobergrenze von 3000 bis 4000 Besuchern und ein Zeitfenster-Buchungssystem eingeführt werden: "Wer keinen Slot mehr bekommt, muss auf einen anderen Tag ausweichen."

Die Bergbahn bei Sankt Ulrich an der Seceda soll eine Besucherobergrenze erhalten.
Die Bergbahn bei Sankt Ulrich an der Seceda soll eine Besucherobergrenze erhalten. © imago/Zoonar.com/Nataliya Nazarova

Und was sagen Urlauber und Anwohner zu den Plänen der Politik? Auf der Facebook-Seite der Südtiroler Tageszeitung "Dolomiten" hat sich eine rege Debatte entwickelt: "Wo ich im Sommer nicht mehr willkommen bin, gehe ich auch im Winter nicht zum Skifahren", schreibt eine Nutzerin. "Tun Sie das", reagiert ein anderer, "wir ersticken hier grad im Verkehr."

Tenor insgesamt: Südtirol handele widersprüchlich, indem einerseits immer mehr Angebote für Touristen gemacht würden, der Massentourismus aber abgelehnt werde.

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  • Boandl_kramer vor 10 Minuten / Bewertung:

    Einfach da nicht mehr hinfahren und dort kein Geld mehr hinbringen und ausgeben. Das Ökonomische regelt dann den Rest. Die Welt ist auch woanders schön.

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  • GrauWolf vor 33 Minuten / Bewertung:

    Insgesamt eine ziemlich verlogene Angelegenheit. Das touristische Angebot wird ständig erweitert und die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr machen hier einen erheblichen Anteil des BSP aus und schaffen viele Arbeitsplätze. Vom Apfel- und Weinanbau kann Südtirol nicht überleben. Andererseits sind diese Kunden nun plötzlich nicht mehr willkommen. Das kommt einem
    vor wie wenn man zu einer Party geladen wird - und dann steht da: Wegen
    Überfüllung geschlossen.
    Da fehlt es ganz offensichtlich an vernünftigen Konzepten zur Steuerung des Tourismus.
    Ich fahre da nicht mehr hin. Auch das Verhalten der Österreicher ist ähnlich schäbig.

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  • FRUSTI13 vor 6 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von GrauWolf

    Je mehr dort nicht mehr hinfahren um so besser! Dann wäre es dort nämlich wieder schön, und wir fahren wieder hin, was wir schon seit fast 10 Jahren nicht mehr gemacht haben, genau deshalb, weil immer mehr Menschen über Menschen dort hinkamen!

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