Hotel nur für Frauen auf Mallorca: Was ist der Grund?

Die Unterkunft in Porto Cristo auf Mallorca ist nur auf weibliche Erwachsene ausgerichtet. Warum es das angeblich braucht, was Gäste erwartet und ob es Frauenhotels auch in Bayern gibt.
| AZ/rom
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So schaut die Bar der Unterkunft in Porto Cristo aus. Das Hotel hat noch nicht eröffnet.
Somhotels.es So schaut die Bar der Unterkunft in Porto Cristo aus. Das Hotel hat noch nicht eröffnet.

Hotels nur für Familien, Hotels nur für Erwachsene und jetzt ein Hotel nur für Frauen. Auf Mallorca soll im April 2019 genau ein solches eröffnen. Die Herberge der Hotelkette Som mit insgesamt 39 Zimmern soll im Küstenort Porto Cristo aufmachen, das liegt rund 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Palma.

Chef erklärt Grund für Frauenhotel

Warum diese besondere Spezialisierung? "Es geht uns nicht darum, uns in irgendeiner Form für Frauenrechte oder den Feminismus einzusetzen, sondern darum, eine steigende Nachfrage zu befriedigen", sagt Som-Chef Joan Enric Capellá der "Mallorca Zeitung".

Immer mehr Frauen verreisten allein oder in rein weiblichen Gruppen, sagt Capellá. Und manchmal wollten diese Frauen unter sich bleiben. "Wir Männer merken das manchmal vielleicht gar nicht, aber wenn eine Frau einen Raum betritt, richten viele Männer ihren Blick auf sie. Ein Großteil der Frauen empfindet das als Angriff", sagt Capellá.

Auch kein männliches Hotel-Personal

Man wolle daher für das "Som Dona" auch rein weibliches Personal einstellen. Das Haus ist laut Homepage nur für Frauen ab 18 Jahren buchbar – also gleichzeitig ein Adult-Only-Hotel.

Wollen Frauen unter sich bleiben?

Auf der Homepage der Hotelkette wird das neue Projekt so angepriesen: "Ein innovativer Rückzugsort für Frauen, die ihre gewöhnliche Routine und den Alltagsstress hinter sich lassen möchten und auf der Suche nach einer personalisierten Betreuung sind, die vollkommen mit ihren Bedürfnissen übereinstimmt."

Die weiteren Ausführungen klingen abgesehen von einem "Schmuck- und Schminkfach, besonderen Annehmlichkeiten wie XL-Handtücher, Haartrockner und Glätteisen" eher nach einem recht normalen Hotel: Wellnessbereich, Pool, kostenloses Wlan, komfortable Zimmer, Lounge-Bar. Die Macher versprechen den weiblichen Gästen auch noch eine "Healthy Kitchen" und eine "feminine, moderne, funktionale und facettenreiche" Einrichtung. Die Räume sind in weiß gehalten – mit pink-rosa Farbtupfern in Form von Decken oder Hockern. Auf weiteren Bildern auf der Homepage sind Frauen zu sehen, die Obstsalat essen, Gesichtsmasken tragen und Selfies mit Freundinnen schießen. Nachdem sie Yoga gemacht haben.

Ursprünglich war Hotel für lesbische Frauen

Die ursprüngliche Idee war übrigens etwas anders: Anfangs hatte Som ein Hotel ausschließlich für lesbische Frauen geplant. Die Gründerin des lesbischen Ella-Festivals auf Mallorca, Kristin Hansen, habe aber davon abgeraten, so der Som-Präsident.

Bleibt die Frage: Wird es bald auch ein Männer-Hotel auf Mallorca geben? "Wenn es eines Tages diesen Trend geben sollte, kann ich mir das auch vorstellen", so Capellá. "Derzeit gibt es ihn aber nicht."

Gibt's Frauenhotels auch in Bayern?

Ein Hotel nur für Frauen oder nur für Männer – gibt es das auch in Bayern? Frank-Ulrich John, Geschäftsführer und Pressesprecher vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Bayern hat sich für die AZ in den sieben Regierungsbezirken umgehorcht.

Sein Ergebnis: Nein, im Freistaat gibt es keine solchen Unterkünfte. Er glaubt auch nicht, dass das hierzulande zum Trend werden könnte. "Bayern steht vor allem für zwei Zielgruppen: Einerseits Geschäftsreisende und andererseits Urlaubsgäste, vor allem Familien und solche, die Erholung suchen." Auf diese beiden Gruppen passe die Selektion nach Geschlechtern nicht wirklich.

Vielleicht probiere der ein oder andere Hotelier das Konzept nach dem Vorbild auf Mallorca nun ja aus, aber flächendeckend glaubt John nicht daran. Übrigens möchte John auch die Idee der Hotels für Erwachsene in Bayern "nicht als Trend" bezeichnen. Auch diese Form der Selektion werde nur vereinzelt betrieben. „Und zwar so vereinzelt, dass es immer eine Pressemitteilung wert war."

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Das ist doch keine Lösung!

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