Homm bekommt mütterlichen Beistand

Der ehemalige Hedgefonds-Manager Florian Homm ist schwer krank. Seine Mutter wehrt sich jetzt gegen eine Auslieferung ihres Sohnes in die USA.  
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Der ehemalige Hedgefonds-Manager Florian Homm ist schwer krank. Seine Mutter wehrt sich jetzt gegen eine Auslieferung ihres Sohnes in die USA.

München -  Ein Wirtschaftskrimi mit spannender Fluchtgeschichte und gepaart mit persönlichen Schicksalsschlägen. In der Hauptrolle: der deutsche Finanz-Jongleur Florian Homm.

Der ehemalige Hedgefonds-Manager und mutmaßliche Millionen-Betrüger leidet an Multipler Sklerose. Trotz seiner Erkrankung soll der in Italien Inhaftierte jetzt in die USA ausgewiesen werden. Dort erwartet ihn ein Prozess wegen Betrugs in Millionenhöhe, es droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 225 Jahren.

Vor diesem Schicksal will ihn seine Mutter nun beschützen. Es ist der Appell einer krebskranken 81-jährigen Frau, die sich um ihren kranken Sohn sorgt. „Sie alle wissen, dass eine Auslieferung in die USA in seinem jetzigen Zustand sein Todesurteil bedeutet. Gott möge Ihnen verzeihen, ich kann es nicht“, schreibt Maria-Barbara Homm an das Gefängnis, an das Gericht und die deutsche Botschaft in Rom.

Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Haftbedingungen in Pisa. Man habe ihrem Sohn wichtige Medikamente und Gehstützen verweigert. Er wiege bei einer Körpergröße von zwei Metern nur noch 70 Kilo. Das „Handelsblatt“ zitiert weiter aus dem Brief, dass Homm sich ein Zimmer im Gefängniskrankenhaus mit „drei Schwerkranken (HIV, Hepatitis, AIDS)“ teilen müsse, „obwohl große Hitzewelle und alles voller Mücken war.“

Homm  gehörte zu den reichsten Deutschen

Gegelte Haare, die Zigarre im Mund: Homm galt als der Inbegriff des Kapitalismus. Der heute 54-Jährige, dessen Großonkel Versandhaus-Gründer Josef Neckermann war, machte in der US-amerikanischen Finanzwirtschaft Millionen. Er gehörte zu den reichsten Deutschen, Firmensitz auf den Cayman-Inseln inklusive.

In Deutschland wurde Homm vor allem aus einem Grund bekannt: Mit einer Millionensumme rettete er 2004 Borussia Dortmund vor dem Ruin. Doch sein Vermögen vermehrte sich nicht auf legale Weise. Unlautere Wertpapier-Geschäfte sollen seinen Geldbeutel gefüllt haben. 2007 dann tauchte Homm mit einer Millionensumme unter.

Investoren sollen wegen Homms Betrügereien 200 Millionen Dollar verloren haben, die US-Börsenaufsicht verlangt von ihm rund 56 Millionen Dollar wegen Betruges. Auf ihn sollen 1,5 Millionen Euro Kopfgeld ausgesetzt worden sein. Nach ihm wurde in Venezuela gesucht, wo er angeschossen wurde, auch in Liberia verfolgte man seine Spur.

Geläuterter Homm bekommt Unterstützung

Aus seinem Versteck veröffentliche Homm ein Buch: Er habe sich geändert, Sätze wie „Ich war ein erbarmungsloser, gebildeter, wenn auch ein wenig psychopathischer Finanzinvestor der Oberschicht“, sollten ein neues Bild vom Finanzhai zeigen. 2013 tauchte er von seiner Krankheit gezeichnet und angeblich geläutert wieder in Deutschland auf. Sogar die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht setzt sich jetzt für den ehemaligen Vorzeige-Kapitalisten ein. Doch die Unterstützung nützt ihm nichts: Im März 2013 wird Homm während eines Galeriebesuches in Florenz festgenommen. Über fünf Jahre Flucht waren plötzlich vorbei.

 

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