H&M und C&A sollen Gefangene für sich nähen lassen

Kleidung der Mode-Riesen H&M und C&A wird zu Billigpreisen verkauft. Das freut zwar den Verbraucher, jedoch wurde nun bekannt, dass wohl auch Gefangene in China für die Modeketten nähen - und nur einen Hungerlohn bekommen.
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Scheinbar produzieren Gefängnisinsassen in China Klamotten für die Modeketten H&M und C&A.
Hauke-Christian Dittrich/dpa Scheinbar produzieren Gefängnisinsassen in China Klamotten für die Modeketten H&M und C&A.

Shanghai - Modehäuser wie H&M und C&A können ihre Produkte unschlagbar günstig verkaufen. Dass dies zu Lasten der Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Produktionsarbeiter geschieht, ist mittlerweile auch kein Geheimnis mehr. Nun enthüllt der britische Privatdetektiv Peter Humphrey jedoch einen neuen Skandal. In einem Artikel der Financial Times gibt Humphrey Einblicke in seine zweijährige Haft im chinesischen Qingpu-Gefängnis in der Nähe von Shanghai.

Der Privatdetektiv und seine Ehefrau wurden im Jahr 2013 wegen Ermittlungen für den Pharmakonzern GlaxoSmithKline in China festgenommen. Doch auch im Gefängnis blieb Humphrey aufmerksam und enthüllte so möglicherweise eine andere Geschichte. "Das Gefängnis war wie ein Geschäft, in dem Produktionsarbeiten für Unternehmen verrichtet wurden", erklärt er. Wie QUARTZ MEDIA berichtet, sind zwei der Unternehmen, die die Dienste der Gefängnisarbeiter scheinbar in Anspruch nehmen, die Mode-Riesen H&M und C&A. 

Gefängnisarbeit ist grundsätzlich nicht illegal

Obwohl Gefängnisarbeit grundsätzlich nicht illegal ist, verzichten viele internationale Marken in ihren Produktionsketten darauf. Denn Gefängnisarbeit kann der Zwangsarbeit teilweise sehr ähnlich sein. Zwar veröffentlichte die International Labour Organization (ILO) eindeutige Richtlinien, was erlaubt ist, und was nicht. Jedoch ist es für Unternehmen oft schwer, zu überprüfen, ob die Standards bei weit entfernten Zulieferfirmen tatsächlich eingehalten werden. 

Deshalb müssen Zulieferer der Bekleidungskette H&M eine Erklärung unterschreiben, die Zwangs- und auch Gefängnisarbeit untersagt. Auch bei den Zulieferfirmen von C&A ist Gefängnisarbeit eigentlich verboten. In einer Stellungnahme ließ ein Sprecher des Unternehmens verlauten, dass die Zulieferer in China jedes Jahr kontrolliert würden. Den Einsatz von Gefängnisarbeitern will bei der Überprüfung der Produktionen niemand bemerkt haben. 

Auch ein Sprecher von H&M sagte, dass es seines Wissens nach keinen Verstoß gegen die Regelung zur Gefängnisarbeit gegeben habe. Nichtsdestotrotz würden die Verantwortlichen bei H&M die veröffentlichen Informationen sehr ernst nehmen. Wie der Sprecher einräumt, habe es zumindest Gerüchte über Gefängnisarbeit in chinesischen Produktionsfirmen wohl doch gegeben. Das Unternehmen wies seine Zulieferer deshalb bereits darauf hin, dass Gefängnisarbeit nicht verhandelbar sei. 

Nur 15 Euro Monatslohn

Privatdetektiv Humphrey betont jedoch ebenfalls, dass die Modeketten selbst möglicherweise nichts von der Gefängnisarbeit wussten. Da Firmen oft Subkontrakte mit anderen Firmen schließen, die wiederum Aufträge an andere Fabriken weiterleiten, ist es für internationale Unternehmen letztlich schwer, Missstände und Vertragsverletzungen aufzudecken. 

Humphrey bestätigt außerdem, dass die Gefangenen nicht den Eindruck machten, zur Arbeit gezwungen zu werden. Er gibt an, dass ausländische Insassen für ihre Arbeit bezahlt wurden, jedoch nur mit umgerechnet etwa 15 Euro monatlich. Ob chinesische Gefängnisarbeiter ebenfalls bezahlt wurden, ist zudem nicht bekannt. "Sie marschierten bereits vorm Frühstück wie Soldaten zur Arbeit und kehrten erst spätabends wieder zurück. Die ausländischen Gefängnisinsassen in meinem Zellblock waren Afrikaner und Asiaten, die kein Geld von ihrer Familie bekamen und somit keine andere Möglichkeit hatten, Hygieneartikel und Snacks zu kaufen", erzählt Hymphrey. "So viel zur sozialen Verantwortung von Unternehmen", kritisiert er die Konzerne. 

Lesen Sie auch: Studie der Hans-Böckler-Stiftung - Arm trotz Arbeit

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