Hinterbliebe klagen an: „Aus der Presse erfahren“

Nach der Ortung von Wrack-Teilen der abgestürzten Air-France-Maschine ist bei den Hinterbliebenen die Empörung groß – Angehörige erfuhren aus der Presse vom Fund.
| dapd/Doris Mosandl
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Nach der Ortung von Wrack-Teilen der abgestürzten Air-France-Maschine ist bei den Hinterbliebenen die Empörung groß – Angehörige erfuhren aus der Presse vom Fund.

München/Vaterstetten - Die Gefühle schwankten zwischen Schock, Empörung und Erleichterung. „Zwei Jahre haben wir praktisch nichts gehört, und plötzlich erreicht uns so eine Nachricht. Ich musste mich erst einmal setzen“, erzählt Bernd Gans, Vater einer 31-jährigen Deutschen, die bei dem Absturz des Air-France-Fluges 447 im Juni 2009 ums Leben gekommen war.

Knapp zwei Jahre nach dem Unglück hat eine Suchexpedition nun Leichen und Wrackteile im Atlantik geortet. „Leider haben wir von dem Fund nur aus der Presse erfahren“, kritisiert Gans, der die Interessen der Hinterbliebenen der deutschen Opfer vertritt. Der 70-Jährige aus Vaterstetten bei München erhebt schwere Vorwürfe gegen die französische Regierung, aber auch gegen die deutsche Behörden. Die Vorgehensweise, die Angehörigen der Opfer nicht persönlich über die Ortung der Leichen zu informieren, sei „absolut pietätlos“.

Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. „Wir mussten aus dem Radio davon erfahren, das finde ich sehr traurig“, sagt Carmen B. aus der Nähe von Stuttgart, die bei dem Flugzeugunglück ihren 53 Jahre alten Bruder und dessen 51-jährige Frau verloren hat. Dabei gab es laut Gans erst im Februar dieses Jahres in Paris ein Gespräch zwischen dem zuständigen Staatssekretär im französischen Verkehrsministerium, Thierry Mariani, und den Vertretern der Hinterbliebenenverbände aus Deutschland, Brasilien, Italien und Frankreich. Dort sei vereinbart worden, dass zuerst die Angehörigen über neue Erkenntnisse informiert würden.

Der französischen Verkehrsministerin Nathalie Kosciusko-Morizet wirft er vor, sich mit den Ergebnissen der Suchaktion vor der Presse „gebrüstet“, eine „PR-Veranstaltung für ihr Ministerium daraus gemacht“ zu haben. „Das ist ein unglaublicher Affront.“

Auch von der deutschen Regierung fühlen sich die Angehörigen im Stich gelassen. Das Bundesverkehrsministerium bemühe sich nicht um die Aufklärung des Unglücks und verweise lediglich auf die Zuständigkeit der Behörden in Paris. „Das ist zu wenig“, beklagt der Hinterbliebenen-Sprecher. Und Carmen B. betont: „Dabei müsste es doch auch von deutscher Seite aus ein öffentliches Interesse an der Aufklärung geben.“ Immerhin seien auch 28 Deutsche unter den Opfern gewesen.

Ein Sprecher des Verkehrsministeriums verweist auf Anfrage auf die Rechtslage, wonach die Untersuchung des Unglücks ausschließlich in der Zuständigkeit Frankreichs liege. Dennoch sei den Zuständigen im Verkehrsministerium „das menschliche und persönliche Leid, das mit dem Absturz verbunden ist, sehr wohl bewusst“.

Bei den Angehörigen wächst indes aber auch die Hoffnung, dass die nun im Atlantik entdeckten Leichen geborgen und identifiziert werden können. „Wir hoffen, dass wir unsere Lieben heimholen können“, sagt Gans. Auch die Familie von Carmen B. wünscht sich, die Leiche der Schwägerin neben dem Bruder, dessen Leichnam kurz nach dem Absturz geborgen werden konnte, bestatten zu können. „Man hat dann einfach einen Ort, an dem man trauern kann“, sagt sie.

 

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