Hat die älteste Frau der Welt geschummelt?

Die Französin Jeanne Calment ist angeblich 122 Jahre alt geworden. Doch Forscher bezweifeln das und haben eine kuriose Theorie.
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1995: Jeanne Calment gilt bis heute als der älteste Mensch der Welt. Ihren Rekord hat bisher keiner schlagen können.
1995: Jeanne Calment gilt bis heute als der älteste Mensch der Welt. Ihren Rekord hat bisher keiner schlagen können. © dpa/Georges Gobet

Mit dem Alter schummeln – ja, mei, das macht man halt manchmal. In jungen Jahren will man unbedingt volljährig sein, hilft vielleicht mit ein bisserl Make-up und Lippenstift nach. Dann will man ewig 29 bleiben und lässt den ein oder anderen Geburtstag unter den Tisch fallen (und die ersten grauen Haare zupft man noch aus). Auch in späteren Jahren kann man sich immer noch wie frische 50 fühlen – da hat niemand was dagegen.

Alter der ältesten Frau der Welt gar nicht bei 122?

Kritisch wird es allerdings, wenn man für sein hohes Alter gefeiert, geehrt und sogar ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wird – obwohl Betrug dahinter steckt. Das könnte bei der ältesten Frau und gleichzeitig auch dem ältesten Menschen der Welt der Fall gewesen sein. Die Französin Jeanne Calment (geboren am 21. Februar 1875) soll 122 Jahre und 164 Tage alt geworden sein. Ihr Standard-Spruch: "Gott muss mich vergessen haben."

Doch jetzt glauben Wissenschaftler: Nicht sie ist 1997 in diesem hohen Alter gestorben, sondern ihre Tochter Yvonne. Und die war nicht 122, sondern "nur" 99. Wie die "Welt" berichtet, liegt der Verdacht nahe, dass sich die einzige Tochter Yvonne schon 1934 die Identität ihrer Mutter geschnappt hat. Die könnte laut den zwei russischen Forschern Nikolai Sak und Waleri Nowoselow an Rippenfellentzündung gestorben sein. Warum aber der Identitätstausch? Womöglich, um die Erbschaftssteuer zu umgehen.

Hat Tochter die Identität ihrer Mutter geschnappt?

Die Russen durchforschten die Geschichte der augenscheinlich nie alternden Jeanne Calment, die bis heute den vermeintlichen Altersrekord hält, und sie sind überzeugt, dass die Tote von 1997 nicht Jeanne sein kann. Zum Beispiel spricht dagegen, dass in ihrem Personalausweis aus den 30er Jahren eine andere Augenfarbe festgehalten ist, als auf späteren Aufnahmen zu sehen war.

Die Forscher wollen die wahre Grenze des Alterns aufzeigen

Nowoselow ist Arzt und sagt: "Der Zustand ihrer Muskeln stimmte nicht mit dem von gleichaltrigen Senioren überein. Sie konnte ohne Hilfe aufrecht sitzen und zeigte keinerlei Anzeichen von Demenz." Einer der Experten, der den Guinness-Rekord damals überprüfte, Jean-Marie Robine, zweifelt nicht an Jeanne Calments wahrem Alter. Aus seiner Sicht waren die geprüften Dokumente zutreffend.

Auch der frühere Bürgermeister von Calments Heimatstadt Arles, Michel Vauzelle, hält die neue Theorie für lächerlich und unmöglich. Einzige Chance, die Wahrheit wohl doch noch herauszufinden, wäre, die Leiche exhumieren und untersuchen zu lassen. Denn eine Autopsie wurde nie vorgenommen.

Bleibt die Frage: Was treibt die Wissenschaftler überhaupt an? Nowoselow sagt: "Für uns Altersforscher ist Jeanne Calment ein Symbol. Ihr Name taucht in allen Studien auf", zitiert ihn die "Welt". Sie wollten aber die wahren Grenzen des Alterns aufzeigen.

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