Haiti: Mit Voodoo gegen die Cholera

In Haiti werden mindestens zwölf Menschen mit Macheten und Steinen getötet – sie sollen mit Magie und Hexerei die Seuche ins Land gebracht haben. Behörden sind weitgehend machtlos.
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PORT-AU-PRINCE - In Haiti werden mindestens zwölf Menschen mit Macheten und Steinen getötet – sie sollen mit Magie und Hexerei die Seuche ins Land gebracht haben. Behörden sind weitgehend machtlos.

Erdbeben, Überschwemmungen, Cholera-Epidemie – als hätte Haiti in diesem Jahr nicht schon genug Katastrophen zu überstehen gehabt. Jetzt kämpft es auch noch gegen tödlichen Aberglauben: Mindestens zwölf Menschen sind getötet worden – sie sollen durch Hexerei die Cholera in den Karibik-Staat gebracht haben.

Mit Macheten bewaffnete Gruppen haben in zwei ländlichen Regionen ein Dutzend Menschen gelyncht und getötet. Die Mörder werfen ihren Opfern vor, mit Hilfe von schwarzer Magie andere Menschen mit der tödlichen Durchfallerkrankung infiziert zu haben.

Zentrum der schrecklichen Lynch-Attacke war vor allem das Departement Grand’Anse wo die angeblichen Hexer mit Macheten und Steinen getötet und die Leichen auf offener Straße verbrannt wurden. Haitianische Medien sprachen sogar von 14 Opfern.

Der erste Fall einer Cholera-Infektion im ländlichen Teil des Landes war vor weniger als sechs Wochen bekannt geworden. Seitdem sind in Haiti mehr als 1900 Menschen an der Krankheit gestorben, mehr als 84000 weitere sind infiziert.

Unter der Bevölkerung herrscht noch immer viel Unkenntnis über die genauen Ursachen der Cholera.

Vergangene Woche waren in der abgelegenen Region Grand’Anse im Südwesten des Landes Gerüchte aufgetaucht, wonach Menschen, die Voodoo praktizieren, ein magisches Puder erzeugt hätten, mit dem die Krankheit verbreitet werden könne. „Nachforschungen sind schwierig, da die Bevölkerung jede Zusammenarbeit mit der Justiz verweigert, da sie wirklich überzeugt ist, dass Hexer sich die Cholera-Epidemie zu nutze machen, um zu töten“, sagte ein Justizbeamter.

Den Opfern sei der Vorwurf gemacht worden, die Seuche in einen Landesteil gebracht zu haben, der bisher kaum von der Cholera betroffen war.

Die Regierung in der Hauptstadt Port-au-Prince reagierte auf die Morde in den ländlichen Gebieten und erklärte, man könne sich vor Cholera nur schützen, indem man auf eine gute Hygiene achte. „Es gibt weder eine Cholera-Kraft noch einen Cholera-Zombie, noch einen Cholera-Geist“, heißt es in einer Erklärung der Regierung.

Voodoo-Priester seien nicht dazu imstande, die Cholera-Krankheit zu behandeln, heißt es weiter. In Haiti gibt es viele Voodoo-Anhänger.

Unterdessen wurde bekannt, dass das Ergebnis der umstrittenen Wahl in Haiti am 7. Dezember bekannt gegeben werden soll. mh

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