Gynäkologe klärt auf: Lässt sich der weibliche Zyklus optimieren?

Selbstoptimierung ist ein großes Thema auf Social Media und macht auch vor dem weiblichen Zyklus nicht halt. Doch ist das wirklich ein geeignetes Optimierungstool? Gynäkologe Dr. med. Konstantin Wagner klärt auf.
von  (sv/spot)
Ein zyklusorientierter Alltag kann Vorteile haben, aber keine Wunder bewirken.
Ein zyklusorientierter Alltag kann Vorteile haben, aber keine Wunder bewirken. © istock/Svitlana Denysiuk / iStock via Getty Images

Produktiver und leistungsfähiger sein und dabei gesund und stressfrei durch den Tag kommen. Selbstoptimierung ist ein anhaltender Trend auf Social Media und macht auch vor dem weiblichen Zyklus nicht Halt. Den Alltag an die unterschiedlichen Zyklusphasen anzupassen, soll viele Vorteile bringen. Manche sprechen gar von einer regelrechten "Superkraft". Doch was steckt wirklich dahinter? Gynäkologe Dr. med. Konstantin Wagner warnt vor starren Regeln und einer zu hohen Erwartungshaltung.

"Der Zyklus ist ein hochkomplexer biologischer Prozess"

Generell freut sich Dr. Wagner, der selbst mit seinen Kanälen "gynäko.logisch" auf Instagram und YouTube aktiv ist, dass inzwischen sehr viel offener über den weiblichen Zyklus gesprochen wird. Mit dem Begriff "Superkraft" tue er sich aber schwer. "Der Zyklus ist zunächst einmal ein hochkomplexer biologischer Prozess und keine Leistungsoptimierungsstrategie", erklärt der Gynäkologe im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Er weist darauf hin, dass Frauen ihre Zyklusphasen ganz unterschiedlich empfinden können. "Deshalb sollten wir aufpassen, Frauen nicht den Eindruck zu vermitteln, sie müssten ihren Zyklus nur richtig nutzen, dann würde alles perfekt funktionieren", so Wagner weiter.

Den gängigen Vergleich mit den vier Jahreszeiten findet Wagner aber zumindest hilfreich. "Viele Frauen können sich dadurch besser vorstellen, dass sich Energie, Stimmung oder Schlaf im Verlauf des Zyklus verändern können", erklärt er. Problematisch sei aber, "wenn daraus starre Erwartungen entstehen". Denn: "Nicht jede Frau erlebt ihren Zyklus gleich", stellt er klar. Nicht für jede sei die Periode der "innere Winter". Für manche könne es sich auch nach Frühsommer anfühlen, wieder andere bemerkten überhaupt keine Veränderung.

Viel wichtiger ist für Wagner der Blick auf den eigenen Körper, um diesen besser kennenzulernen. "Nicht, um noch produktiver zu werden, sondern um freundlicher mit sich selbst umzugehen", so der Facharzt.

Gutes Körpergespür ist wichtiger als Selbstoptimierung

"Ich glaube, wir sollten aufpassen, aus jeder guten Idee gleich eine neue Regel zu machen", findet Wagner. So gebe es zwar Hinweise darauf, dass sich Belastbarkeit, Energie und Regeneration im Zyklus verändern können, und manche Frauen profitierten auch davon, etwa ihr Trainingsprogramm danach auszurichten. "Aber es muss eben auch alltagstauglich bleiben. Und unser Leben ist manchmal nicht alltagstauglich. Ein gutes Körpergespür ist hier viel wichtiger", betont er. So müsse niemand ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich erschöpft fühlt und das Training deshalb lockerer ausfällt - trotz vermeintlich "perfekter" Zyklusphase.

Mit seinem neuen Buch "Dein Körper spricht hormonisch", das am 18. August im GU Verlag erschienen ist, möchte Wagner Frauen einen Ratgeber an die Hand geben, der ihnen hilft, Zyklus und Hormonsystem und damit auch ihren Körper besser kennenzulernen und zu verstehen.

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