Gynäkologe erklärt: Warum die Hormonbalance so wichtig ist

Wie bleiben Hormone in Balance? Und woran erkennt man, dass sie in Schieflage geraten sind? Gynäkologe Dr. Konstantin Wagner erklärt im Interview, welchen Einfluss sie auf zahlreiche Körperfunktionen haben und was das System stabil hält.
(sv/spot) |
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Hormone haben Einfluss auf viele Körperfunktionen und Organe.
Hormone haben Einfluss auf viele Körperfunktionen und Organe. © istock/José Araújo / iStock via Getty Images

Hormone haben weit mehr Einfluss als nur auf den weiblichen Zyklus. Sie können sich auf fast jedes Organ auswirken. "Deshalb können hormonelle Veränderungen ganz unterschiedlich aussehen", erklärt Dr. med. Konstantin Wagner im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Neben seinem Praxisbetrieb ist der Gynäkologe auch auf Instagram und YouTube unter dem Namen "gynäko.logisch" aktiv und erfolgreicher Bestsellerautor. In seinem neuen Buch "Dein Körper spricht hormonisch", das am 18. August im GU-Verlag erscheint, widmet er sich dem Hormonsystem.

Im Interview zeigt er typische Anzeichen für hormonelle Schieflagen auf und wie Frauen ihre Hormone im Gleichgewicht halten können. "Unser Körper möchte vor allem eines: Gleichmäßigkeit", so der Frauenarzt.

In Ihrem Buch "Dein Körper spricht hormonisch" sprechen Sie unter anderem über Hormonbalance im Alltag. Was ist darunter genau zu verstehen?

Dr. Konstantin Wagner: "Hormonbalance" ist eigentlich kein medizinischer Fachbegriff, sondern beschreibt für mich etwas ganz Einfaches: dass unser Hormonsystem stabil arbeiten kann. Dafür braucht es Ressourcen. Hormonbalance bedeutet für mich vielmehr, dem Körper möglichst gute Bedingungen zu geben. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, ein stabiler Blutzucker, möglichst wenig chronischer Stress und eine gute Nährstoffversorgung sind die Grundlagen dafür. Hormone verändern sich im Laufe des Tages, im Laufe der Jahre und natürlich während des Zyklus. Unser Körper reguliert erstaunlich viel selbst, wenn wir ihm die richtigen Mittel anbieten.

Gibt es typische Anzeichen dafür, dass die Hormone in "Schieflage" geraten sind?

Dr. Wagner: Das Schwierige ist, dass Hormone nahezu jedes Organ beeinflussen. Deshalb können hormonelle Veränderungen ganz unterschiedlich aussehen. Typische Hinweise können Erschöpfung, Brain Fog, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Haarausfall, oder auch bekannte Klassiker wie Zyklusveränderungen, Hitzewallungen oder Schlafstörungen sein. Gleichzeitig gilt aber: Nicht hinter jeder Veränderung steckt automatisch ein hormonelles Problem. Genau deshalb ist eine gute Diagnostik so wichtig. Mein Appell lautet deshalb immer: Beschwerden ernst nehmen, aber nicht vorschnell alles auf die Hormone schieben.

Was sind die größten Fehler, wodurch die Hormone aus dem Gleichgewicht kommen können?

Dr. Wagner: Ich mag den Begriff "Fehler" eigentlich nicht, weil viele Frauen ohnehin schon das Gefühl haben, sie müssten alles perfekt machen. Wenn ich eines herauspicken müsste, sind es die Snacks oder krasse Diäten. Beides crasht das System auf lange Sicht. Stark schwankende Blutzuckerwerte, Insulinresistenz, aber auch dauerhaft zu wenig Energiezufuhr oder exzessiver Sport ohne ausreichende Regeneration werden das hormonelle System beeinflussen. Unser Körper möchte vor allem eines: Gleichmäßigkeit. Wenn er dauerhaft das Gefühl hat, im Ausnahmezustand zu sein, verändert sich auch die Hormonregulation.

Welche Stellschrauben gibt es, an denen Frauen drehen können, um ihre Hormone in Balance zu bringen oder zu halten?

Dr. Wagner: Ich würde gar nicht bei den Hormonen anfangen, sondern bei den Grundlagen. Es wiederholt sich immer und immer wieder. Warum? Weil es erwiesen ist. Eine eiweiß- und ballaststoffreiche Ernährung, ein möglichst stabiler Blutzucker, ausreichend Tageslicht, genug Schlaf. Regelmäßige Bewegung, Krafttraining, soziale Beziehungen, Stressmanagement. Und vor allem Veränderungen und Beschwerden ernst nehmen und nicht jahrelang hinnehmen. So "einfach" ist die Formel.

Wir suchen oft nach der einen Wunderlösung. Dem Nahrungsergänzungsmittel, dem Tool, der einen Diätform. Ganzheitliche Medizin funktioniert mit vielen kleinen guten Entscheidungen. Genau das möchte ich den Menschen mit meinem Buch mitgeben. Der eigene Körper arbeitet nicht gegen uns. Er versucht jeden Tag, für uns zu arbeiten, wenn wir ihm die Chance dazu geben.

Welchen Einfluss können Hormone auf die mentale Gesundheit haben?

Dr. Wagner: Einen unfassbar großen. Unser Gehirn gehört zu den hormonempfindlichsten Organen überhaupt. Östrogene beeinflussen beispielsweise die Bildung von Serotonin und Dopamin oder Melatonin. Progesteron wirkt auf das Gehirn beruhigend und sorgt für Entspannung. Deshalb können hormonelle Veränderungen starke Auswirkungen auf Stimmung, Ängstlichkeit, Konzentration oder Schlaf haben. Mir ist aber wichtig zu betonen: Nicht jede Depression ist hormonell bedingt und nicht jedes hormonelle Problem erklärt psychische Beschwerden vollständig. Körper und Psyche arbeiten immer zusammen. Genau deshalb sollten wir beides gemeinsam betrachten.

Die Methode Seed Cycling hat zuletzt auch in den sozialen Medien Aufmerksamkeit erregt. Damit soll durch das Einnehmen von Kürbiskernen, Leinsamen, Sesam und Sonnenblumenkernen in den verschiedenen Zyklusphasen das Hormonsystem reguliert werden. Halten Sie diesen Trend für empfehlenswert?

Dr. Wagner: Ich finde die Idee sympathisch, weil sie Menschen dazu motiviert, sich mit Ernährung auseinanderzusetzen. Wissenschaftlich belegt ist allerdings bisher nicht, dass Seed Cycling den Hormonhaushalt gezielt regulieren kann. Was wir dagegen sehr gut wissen: Leinsamen liefern Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren und Lignane. Auch Kürbis, Sesam und Sonnenblumenkerne enthalten viele wertvolle Nährstoffe.

Wie wichtig ist es also für Frauen, den eigenen Zyklus zu tracken und was sollte dabei wie dokumentiert werden?

Dr. Wagner: Ich bin ein großer Fan davon. Nicht, weil jede Frau ihren Zyklus bis ins kleinste Detail analysieren muss, sondern weil Zusammenhänge oft erst sichtbar werden, wenn man sie dokumentiert. Viele Frauen stellen irgendwann fest: "Meine Migräne kommt immer kurz vor der Periode." Oder: "In dieser Woche schlafe ich deutlich schlechter." Solche Muster gehen im stressigen Alltag oft unter. Ob mit App oder Tagebuch getrackt wird, ist letztlich Geschmackssache. Wichtig finde ich, neben den Klassikern wie dem ersten Tag der Menstruation auch Stimmung, Schlaf, Energie, Schmerzen, Blutungsstärke oder Kopfschmerzen festzuhalten. Das hilft nicht nur den Frauen selbst, sondern oft auch uns Ärztinnen und Ärzten bei der Diagnostik.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@spot-on-news.de

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