Grau, gefährlich, geheimnisvoll: Nebel in Deutschland

Immer wenn Nebel die Sicht schluckt, kann es gefährlich werden. Das Wetterphänomen sorgte bereits für erschütternde Unfälle, aber auch für Redewendungen und eine düstere Geschichte.
dpa |
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Nebelschwaden ziehen bei Sonnenaufgang um den Brocken. (Archivbild)
Nebelschwaden ziehen bei Sonnenaufgang um den Brocken. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpa
Berlin

Der Morgen beginnt grau, die Felder sind feucht, und die Straßenlaterne verschwimmt im Dunst. Wer derzeit zur Arbeit fährt, kennt das: Nebel sorgt dafür, dass die Sicht dahin ist. Dabei ist das Wetterphänomen weit mehr als eine trübe Herbststimmung. Er hat Menschen in Gefahr gebracht und Sprachbilder geprägt, die bis heute Alltag sind.

DEFINITION - Nebel ist kondensierter Wasserdampf. Die in der Luft schwebenden winzigen Wassertröpfchen behindern die Sicht. Wenn man in Bodennähe weniger als einen Kilometer weit sehen kann, wird von Nebel gesprochen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kann sich Nebel bilden, wenn die Luft abkühlt, der Wasserdampf durch Verdunstung zunimmt oder sich feuchtwarme und kalte Luft mischen.

HOTSPOT - Einer der nebelreichsten Orte in Deutschland ist nach Angaben des DWD der Gipfel des Brockens im Harz. Der Rekord der maximalen Anzahl der Tage mit Nebel in einem Jahr liegt bei 330 Tagen aus dem Jahr 1958.

UNVERGESSENER UNFALL - Massenkarambolage im dichten Nebel: Im Oktober 1990 bildet sich auf der A9 in Oberfranken, in der Münchberger Senke, plötzlich eine dichte Nebelwand. In der Folge sind rund 100 Autos in Unfälle verwickelt. Zur Katastrophe wird das Ganze, als ein fast 40 Tonnen schwerer Milchlaster mit viel zu hoher Geschwindigkeit in die Unfallstelle rast und die Fahrzeuge wie ein Schneepflug zusammenschiebt. Zehn Menschen sterben, 122 werden verletzt, 38 davon schwer. Weil der Nebel keine Hubschrauber zulässt, müssen die Verletzten mit Krankenwagen oder sogar in Arztpraxen versorgt werden. Die Senke wird später entschärft.

LUFTFAHRT - Bei dichtem Nebel helfen Funksignale vom Boden den Piloten, den Weg zur Landebahn zu finden. So können sie auch bei miserabler Sicht landen. Ob sie das dürfen, hängt davon ab, wie weit sie sehen können. Jeder Flughafen hat für Anflüge eigene Mindestwerte, die in den Anflugkarten stehen. Reicht die Sicht nicht aus, können die Piloten eine Weile in der Luft kreisen, bis sich der Nebel lichtet. Der Treibstoff reicht aber nur begrenzt. Dann wird auf einen Ausweichflughafen umgeleitet oder der Flug am Boden verschoben.

REDEWENDUNGEN - Das Wort Nebel ist sehr alt: Es lässt sich bis ins Althochdeutsche des 8. Jahrhunderts zurückverfolgen und ist mit dem lateinischen Begriff "nebula" (Dunst, Nebel, Wolke) verwandt. Wer im Nebel stochert, sucht ohne klare Informationen nach einer Lösung und rät mehr, als er weiß, wie es im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache steht. Wer Nebelkerzen wirft, verschleiert mit Ablenkungsmanövern, worum es eigentlich geht. Und wenn eine Sache im Nebel liegt, ist sie noch ungeklärt.

GESCHICHTE - "Nacht und Nebel" kennt fast jeder, oft als Redewendung für etwas Heimliches. Hinter dem Begriff steckt jedoch ein Befehl aus der NS-Zeit. Am 7. Dezember 1941 erließ Hitler einen geheimen Erlass, der Straftaten gegen das Reich oder die Besatzungsmacht in den besetzten Gebieten verfolgen sollte. Wenn ein Verdächtiger nicht rasch vor einem Sondergericht verurteilt werden konnte, brachte man ihn heimlich nach Deutschland. Meist wurde er in ein Konzentrationslager eingewiesen, und die Familie blieb über das Schicksal im Unklaren.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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