Gewalttat an 18-Jährigem Mädchen

Seit Tagen erzürnt eine brutale Straftat die Ukraine. Ein 18-jähriges Mädchen wurde von drei jungen Männern vergewaltigt, gewürgt und angezündet.
| dapd
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Seit Tagen erzürnt eine brutale Straftat die Ukraine. Ein 18-jähriges Mädchen wurde von drei jungen Männern vergewaltigt, gewürgt und angezündet.

Kiew - Das Opfer überlebte wie durch ein Wunder schwer verletzt. Die Polizei verhörte die Verdächtigen und ließ sie wieder laufen. In kürzester Zeit verbreiteten sich die schockierenden Bilder des Opfers im Internet und in sozialen Netzwerken, seitdem geht ein Aufschrei der Empörung durch das Land. Das Mädchen war am 10. März nach der Tat nur durch Zufall gefunden worden: Ein Bewohner der südukrainischen Stadt Nikolaijew hörte ein Wimmern von einer Baustelle.

Als wenig später die Polizei eintraf, bot sich den Beamten ein schreckliches Bild. In einer Grube lag der verbrannte Körper einer jungen Frau, sie war in eine Plastikfolie eingewickelt und angezündet worden. Doch sie lebte.

Die 18-Jährige hatte sich am Vorabend mit einem Freund getroffen, zwei junge Männer waren ebenfalls zu Besuch. Alle drei werden jetzt der Vergewaltigung und versuchten Mordes beschuldigt. Die Bilder des schwer verletzten Mädchens kennt in der Ukraine mittlerweile jeder.

Seit Tagen berichten die Abendnachrichten über immer neue, schockierende Details. Im Internet und in Zeitungen sind Bilder der Verletzten zu sehen: Ein Arm ist hochgebunden, beide Füße und eine Hand wurden der jungen Frau bereits amputiert.

Die Haut soll zu 55 Prozent verbrannt sein, die Nieren arbeiten nur noch sehr eingeschränkt. Erst Freitag wurde die junge Frau in eine Spezialklinik nach Donezk geflogen.

Vernehmung im Internet zu sehen

Zwei der mutmaßlichen Täter, 21 und 23 Jahre alt, stammen aus einflussreichen Familien mit hervorragenden Kontakten zur Regierungspartei.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft von Nikolaijew sagte Anfang der Woche, die Beamten hätten nicht genug Beweise, um die beiden Männer in Haft zu behalten. Sie wurden als Zeugen eingestuft, der dritte Mann, ein Fliesenleger, sei ein Verdächtiger. Die Mutter des Opfers erhielt eine Vorladung der Behörden.

Man habe versucht, sie einzuschüchtern und erklärt, ihre Tochter habe die Vergewaltigung provoziert, weil sie sich alleine mit drei Männern in der Wohnung aufgehalten habe, erzählte die Frau den Medien. Auf Youtube tauchte ein Video von der Vernehmung eines der Verdächtigen auf. Er beschrieb mit unbewegter Miene grausige Details der Tat. Der Film wurde innerhalb eines Tages mehr als 100.000 Mal ansehen.

Präsident schreitet ein Danach brach ein Sturm der Entrüstung los.

Vor allem über soziale Netzwerke und Blogs verbreiten sich immer neue Nachrichten. Ende der Woche erreichte die Welle der Empörung auch die große Politik in Kiew. Präsident Viktor Janukowitsch ordnete persönlich an, dass das Opfer in ein geeignetes Krankenhaus verlegt werde und die Verdächtigen wieder in Haft genommen werden. Am Donnerstag und Freitag protestierten tausende Menschen in Nikolaijew, Odessa und Simferopol.

Die Menschen sind wütend, weil nicht zum ersten Mal Kinder aus einflussreichen Familien Straftaten begehen, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Im vergangenen Sommer sorgte der Fall von Roman Landik landesweit für Aufregung. Der Sohn eines Abgeordneten der Regierungspartei hatte seine Freundin in einem Lokal brutal zusammengeschlagen und sie dabei schwer verletzt. Die Tat wurde von einer Videokamera aufgezeichnet und wanderte schnell ins Internet.

Landik befindet sich jedoch wieder auf freiem Fuß. Der Sohn eines Politikers aus Odessa hatte bei einem schweren Autounfall einen Mann getötet und zehn weitere Menschen schwer verletzt, auch er wurde nie vor Gericht gestellt. Erst vor wenigen Tagen schoss der Sohn eines Staatsanwaltes zwei Männer an, weil sie ihn an der Weiterfahrt hinderten.

Während der Schütze weiter frei ist, wird gegen die Opfer ermittelt.

Für Justiz sind manche Familien tabu

Anwältin Valentina Telitschenko sagte der „Kiew Post“, die Polizei und die Justiz wollten sich einflussreichen Persönlichkeiten nicht in den Weg stellen, aus Angst selber Nachteile zu erleiden. „Ab einer gewissen Grenze sind Personen und deren Familienmitglieder automatisch tabu“, erklärte Telitschenko.

Im Netz schreibt ein Blogger: „Es ist ein Armutszeugnis für unsere Behörden, dass sich erst der Präsident persönlich einschalten muss, damit Opfern geholfen wird und Bürger zu ihrem Recht kommen.“ Ob es für das 18-jährige Vergewaltigungsopfer nicht bereits zu spät ist, werden die nächsten Tage zeigen. Am Freitag wurde sie in eine Spezialklinik nach Donezk verlegt. Die Ukraine sucht derzeit weltweit nach Ärzten, die die schweren Verletzungen behandeln können.

Auch wenn die 18-Jährige überlebt, wird sie ihr Leben lang gezeichnet sein. „Meine Tochter ist erst 18. Ihr Leben hatte noch nicht mal richtig angefangen und schon ist alles verloren“, sagte ihre Mutter in einem Interview.

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