Gewalt: Drei Kinder müssen jede Woche sterben

Immer mehr Kinder werden verletzt, getötet oder Opfer sexuellen Missbrauchs. Das zeigen aktuelle Zahlen der Kriminalstatistik. Welche Rolle das Internet dabei spielt, was getan werden soll.
| Bernhard Junginger
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4.237 Kinder wurden 2016 misshandelt. (Symbolbild)
Britta Pedersen/dpa 4.237 Kinder wurden 2016 misshandelt. (Symbolbild)

Pro Woche sterben in Deutschland nach Expertenangaben drei Kinder an den Folgen von Gewalt – in der Regel im häuslichen Umfeld. Erschreckende Zahlen! Im vergangenen Jahr seien 133 Kinder unter 14 Jahren Opfer von Tötungsdelikten geworden: Mord, Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge. Das sind drei getötete Kinder mehr als im Vorjahr und sogar 25 mehr als 2014.

Laut Rainer Becker, Vorsitzendem der Deutschen Kinderhilfe, waren 100 der getöteten Kinder sogar jünger als sechs Jahre. Hinzu kommen fast 80 versuchte Tötungsdelikte. In vielen Fällen kommen die Täter aus dem engeren Umfeld. Besonders gefährdet sind Kinder, wenn sich ihre Eltern trennen, Liebe in Hass umschlägt und um die Kinder gestritten wird. 4.237 Kinder wurden 2016 misshandelt, erlitten teils schwerste Verletzungen – das sind fast 290 Fälle mehr als im Vorjahr.

Bis zu eine Millionen Opfer sexueller Gewalt

14.296 Kinder wurden Opfer sexueller Gewalt – fast 370 mehr als im Vorjahr. Experten rechnen mit einer deutlich höheren Dunkelziffer. Mit Verweis auf wissenschaftliche Studien spricht Julia von Weiler vom Verein "Innocence in Danger" von bis zu einer Million Kinder, die von sexueller Gewalt betroffen sind: "Anders ausgedrückt wären das zwei in jedem deutschen Klassenzimmer." Durch die digitalen Medien habe sexuelle Gewalt zudem eine ganz neue Dimension gewonnen. Soziale Netzwerke oder Online-Spiele böten den Tätern "ideale Möglichkeiten mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten", um sie zu missbrauchen. Über digitale Kanäle, oftmals als Gleichaltrige getarnt, sammeln die Täter umfangreiche Informationen über Kinder.

Fotos, die Kinder etwa nackt zeigen, und von diesen selbst oder unvorsichtigen Eltern in sozialen Netzwerken geteilt werden, landen laut Julia von Weiler zunehmend in den Sammlungen von Pädophilen. Dass im weltweiten Datennetz ein massenhafter Austausch von kinderpornografischen Darstellungen stattfindet, hat zuletzt der Schlag gegen die Betreiber der Plattform gezeigt.

Täter geschützt im Darknet

Obwohl der im Darknet, einem versteckten Bereich des Internets verborgene Umschlagplatz für Kinderpornos erst ein halbes Jahr bestand, hatte er weltweit bereits fast 90.000 Mitglieder. Die Bilder und Videos, die dort kursierten, zeigen laut Staatsanwaltschaft schwersten sexuellen Missbrauch und Gewalthandlungen, unter den Opfern sind auch "sehr, sehr kleine und junge Kinder". Die Verfolgung der Täter werde immer schwieriger, da sie in geheimen Bereichen des Internets arbeiten und ihre Spuren mit höchstem Aufwand zu verwischen versuchen.

Rainer Becker fordert daher eine konsequentere Strafverfolgung von gegen Kinder gerichteten Delikten. "Es kann nicht sein, dass für Einbruch eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft gilt, bei Kindesmissbrauch aber nur ein halbes Jahr. In Deutschland wird Eigentum besser geschützt, als die körperliche und seelische Unversehrtheit von Kindern."

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