Geschmackloser Vergleich? Zoff um Südtirol-Posting

Es sei "ein anderes Land" und echte Alpenstimmung gebe es nur in Tirol, witzelte das Innsbrucker Unternehmen Tirol Werbung. Das kam gar nicht gut an.
von  Martina Scheffler
Ist das schon Südtirol oder doch noch Tirol? Angebliche Unterschiede zwischen den Regionen in einem inzwischen gelöschten Instagram-Post sorgen für Wirbel auf beiden Seiten der Grenze. Hier die Aussichtsplattform an der Timmelsjoch-Hochalpenstrasse zwischen Österreich und Italien.
Ist das schon Südtirol oder doch noch Tirol? Angebliche Unterschiede zwischen den Regionen in einem inzwischen gelöschten Instagram-Post sorgen für Wirbel auf beiden Seiten der Grenze. Hier die Aussichtsplattform an der Timmelsjoch-Hochalpenstrasse zwischen Österreich und Italien. © IMAGO/UWE KRAFT

Die Geschichte Tirols ist kompliziert. Alles fing natürlich mit den Römern an, mit Drusus und Tiberius. Zu den zwei Jahrtausenden, die darauf folgten, kann man kurz zusammenfassend sagen: Es war sehr wechselhaft.

Napoleon teilte das Land bereits zwischen Bayern, Italien und Frankreich auf - man erinnere sich an den Freiheitskämpfer Andreas Hofer, der fast auf den Tag genau vor 216 Jahren erschossen wurde (20. Februar). Nach dem Ersten Weltkrieg kam dann die Trennung in einen nördlichen, zu Österreich gehörenden Teil und ein Südtirol, das fortan zu Italien gehörte.

Porträt von Andreas Hofer (1767-1810).
Porträt von Andreas Hofer (1767-1810). © IMAGO

Vielleicht muss man das alles ein bisschen im Hinterkopf behalten, wenn man die Erregung betrachtet, die Instagram-Posts der in Innsbruck ansässigen Tirol Werbung ausgelöst haben. Die "Nordtiroler Tourismusorganisation", wie das Südtiroler Portal stol.it betont, habe "einen kuriosen Vergleich mit Südtirol" gezogen, "der von vielen als geschmacklos empfunden wird".

Österreich gleich Kaiserschmarrn

Ein Screenshot der mittlerweile gelöschten Kampagne zeigt die Aussage: Tirol sei nicht gleich Südtirol. Man liebe Südtirol, heißt es dort auf Englisch, es sei aber ein anderes Land. Und wer da noch mit der Stirn runzelt und sich fragt, wie groß die Unterschiede wohl sein mögen, wird von der Werbung auf den rechten Pfad geführt. Tirol sei: Österreich, klassische Alpenstimmung, Kaiserschmarrn und Knödel, Skifahren, Radfahren und Wandern. Südtirol dagegen sei Italien, italienisches Flair, Pizza und Wein sowie ein Dialekt, der unmöglich zu verstehen sei.

Pizza und ein Glas Rotwein – steht das sinnbildlich für Südtirol?
Pizza und ein Glas Rotwein – steht das sinnbildlich für Südtirol? © Screenshot

Da trieft es nun, das Klischee, und sorgt für Unfrieden zwischen den beiden Nachbarn mit der wechselvollen gemeinsamen Geschichte. Im Gespräch mit ORF Tirol erklärte sich der Marketingleiter von Tirol Werbung: "Wir folgen da einem derzeit aktuellen Trend auf Instagram. Unter dem Hashtag 'vorgestellt' oder 'vorstellen' stellen sich eben Destinationen, Regionen in ganz Europa vor, zeigen: Was sind ihre Eigenheiten? Aber auch, was sind im Vergleich zu anderen Destinationen und Urlaubsregionen ihre Vorzüge? Und das auf humoristische Weise mit Augenzwinkern.“

"Besondere Beziehung"

Dass das im Fall des Tirol-Südtirol-Vergleichs nicht so ganz geklappt hat, räumt Patricio Hetfleisch im Interview mit dem Sender ein: Es sei der "besonderen Beziehung zwischen Südtirol und Tirol" nicht gerecht geworden. Dass Südtirol mit Italien gleichgesetzt werde, sei historisch wie kulturell nicht korrekt.

Meran in Südtirol – gleichzusetzen mit Italien?
Meran in Südtirol – gleichzusetzen mit Italien? © IMAGO/Bernd Feil /M.i.S.

Hetfleisch gibt an, es habe keinen politischen Druck gegeben, den Post zu löschen. Dennoch gibt es Reaktionen aus der Politik. Südtirols Landesrat für Tourismus, Luis Walcher, meldete sich zu Wort: "Das hätten die Tiroler Touristiker, ehrlich gesagt, nicht nötig“, zitiert stol.it den SVP-Politiker.

Wie der Sender ORF berichtet, äußerte sich auch der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle kritisch: "Dieses Sujet der Tirol Werbung entspricht nicht dem Euregio-Gedanken, nicht der Zielsetzung der Tiroler Euregio-Präsidentschaft und nicht meinem persönlichen Zugang." Gelassen bleibt dagegen die Südtiroler Marketingagentur IDM (Innovators Developers Marketers) mit Sitz in Bozen. Man habe das Posting registriert, teilt die IDM der AZ mit. "Die Tirol Werbung hat es mittlerweile gelöscht. Weiter möchten wir uns nicht äußern."

Ist nicht begeistert: der Südtiroler Landesrat Luis Walcher.
Ist nicht begeistert: der Südtiroler Landesrat Luis Walcher. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder

Auf der Facebook-Seite der "Tiroler Tageszeitung" sorgte der Instagram-Beitrag dennoch für Aufruhr. "Ist mir vollkommen unverständlich, dass man so Werbung macht, keine Sensibilität, kein Gespür für die Menschen, wie ein Elefant im Porzellanladen", schreibt eine Nutzerin. "Das ist eine unerträgliche Zündlerei", kritisiert ein anderer. Auf Italienisch stellt dann einer die Frage aller Fragen: "Aber warum müsst ihr euch gegenseitig bekämpfen, wenn ihr doch in Frieden leben könnt?"

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