Fünf Tote nach Messerattacke in Pariser Polizeibehörde

Sirenengeheul in der Pariser Innenstadt, Straßen sind abgesperrt. Im Hauptquartier der Polizei im Herzen der französischen Hauptstadt ereignet sich ein beispielloses Drama mit fünf Toten.
| dpa
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Ein Mädchen steht vor einem bewaffneten Soldat in einer versperrten Straße nahe der Pariser Polizeipräfektur.
Jair Cabrera Torres/dpa 2 Ein Mädchen steht vor einem bewaffneten Soldat in einer versperrten Straße nahe der Pariser Polizeipräfektur.
Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur: Ein Rettungswagen fährt durch eine gesperrte Straße.
Jair Cabrera Torres/dpa 2 Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur: Ein Rettungswagen fährt durch eine gesperrte Straße.

Paris - Bei einer Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur sind zusammen fünf Menschen getötet worden - vier Mitarbeiter und der Angreifer. Der mutmaßliche Täter war 45 Jahre alt und arbeitete seit 2003 als Angestellter im Polizeihauptquartier, sagte der französische Innenminister Christophe Castaner am Donnerstag in der Nähe des Tatorts im Herzen von Paris.

Der Tatverdächtige sei vorher nie negativ aufgefallen. Das Motiv des Angreifers blieb zunächst unklar. Medien berichteten, wahrscheinlicher Hintergrund der Tat sei ein interner Konflikt innerhalb der Polizeibehörde. Ein terroristischer Hintergrund könne aber nicht ausgeschlossen werden.

Paris: Hintergründe der Messerattacke unklar

Der Angriff im Polizeihauptquartier sei in dieser Form beispiellos. Die Pariser Staatsanwaltschaft habe eine Untersuchung wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitet, sagte Chefermittler Rémy Heitz. Er stehe im ständigen Kontakt mit der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft. Der Angreifer tötete eine Frau und drei Männer.

Drei Opfer waren Polizeibeamte, eine Person arbeitete in der Verwaltung. Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert, die Angst vor Attentaten ist hoch. Staatschef Emmanuel Macron besuchte den Tatort. Er habe den Mitarbeitern der Polizei seine Unterstützung und Solidarität bekundet, hieß es aus Élyséekreisen.

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Paris: Mutmaßlicher Täter benutzt Keramikmesser

Der 41-Jährige wurde von Castaner und dem französischen Innenstaatssekretär Laurent Nuñez begleitet. Castaner verschob laut Nachrichtenagentur AFP seine geplante Dienstreise nach Griechenland und in die Türkei. Die Tat ereignete sich laut Castaner zwischen 12.30 und 13 Uhr in der Polizeipräfektur. Er sprach von einem "mörderischen Lauf".

Der mutmaßliche Täter habe ein Keramikmesser benutzt, berichtete BFMTV. Er sei nach dem Angriff im Hof des riesigen Gebäudes erschossen worden. Laut Medien war der 45-Jährige in der als sensibel geltenden Abteilung "Direction de renseignement" der Polizeibehörde eingesetzt - in dieser Abteilung geht es unter anderem um den Kampf gegen Terrorbedrohungen.

Ein Mädchen steht vor einem bewaffneten Soldat in einer versperrten Straße nahe der Pariser Polizeipräfektur.
Ein Mädchen steht vor einem bewaffneten Soldat in einer versperrten Straße nahe der Pariser Polizeipräfektur. © Jair Cabrera Torres/dpa

Paris: Frau des Verdächtigen in Polizeigewahrsam

Der Augenzeuge Émery Siamandi erzählte BFMTV, er habe Schüsse gehört. "Ich habe gedacht, dass sich ein Polizist umgebracht hat." Dann habe er bemerkt, dass auf den Angreifer geschossen wurde - der Polizist, der sich mit der Dienstwaffe gewehrt habe, habe geweint.

Der Wohnsitz des mutmaßlichen Täters wurde durchsucht, sagte Chefermittler Heitz. Wie Justizkreise ergänzten, wurde die Frau des Verdächtigen in Polizeigewahrsam genommen. Der Bereich um die Präfektur in der Nähe der Kathedrale Notre-Dame wurde weiträumig abgesperrt. Autos und Fußgänger durften einige große Seine-Brücken in die Richtung der Seine-Insel Île de la Cité nicht mehr passieren.

Attacke in Paris: Macron am Tatort

Die Absperrungen wurden dann am späten Nachmittag wieder aufgehoben, viele Menschen liefen dann über die Brücken, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Touristen wunderten sich über die Absperrungen in der Innenstadt. Die Bluttat löste bei den Sicherheitskräften Trauer und Bestürzung aus: "Das ist das schlimmste Szenario, das passieren konnte", sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft UNSA, Philipe Capon.

Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur: Ein Rettungswagen fährt durch eine gesperrte Straße.
Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur: Ein Rettungswagen fährt durch eine gesperrte Straße. © Jair Cabrera Torres/dpa

"Das ist ein Schock, ein Drama", resümierte der Generalsekretär der Gewerkschaft VIGI Police, Alexandre Langlois, laut BFMTV. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo via Twitter mit, es handele sich um eine "fürchterliche Attacke". Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte den Tatort: Er habe den Mitarbeitern der Polizeistation seine Unterstützung und Solidarität bekundet, hieß es aus Élyséekreisen.

Erst am Mittwoch hatten Tausende Polizisten in Paris für bessere Arbeitsbedingungen protestiert. Mehrere Gewerkschaften hatten zu dem "Marsch der Wut" im Osten der Hauptstadt aufgerufen. Nach Angaben der Organisatoren, der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police, waren in Paris rund 27.000 Polizisten auf die Straßen gegangen. Wie der Radionachrichtensender Franceinfo berichtete, gab es in der Polizei seit Jahresbeginn rund 50 Suizide.

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