«First Cat» und ein Hund namens «Veto»

Eine der wichtigsten Personalien der nächsten US-Regierung ist die Frage nach dem Haustier im Weißen Haus. Das hat Tradition: Viele Präsidenten holten sich einen besten Freund an ihre Seite - durchaus mit Blick auf die Wähler.
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Socks war "Erster Kater" des Landes unter Clinton
AP Socks war "Erster Kater" des Landes unter Clinton

Eine der wichtigsten Personalien der nächsten US-Regierung ist die Frage nach dem Haustier im Weißen Haus. Das hat Tradition: Viele Präsidenten holten sich einen besten Freund an ihre Seite - durchaus mit Blick auf die Wähler.

Im Weißen Haus haben Hunde als Haustiere Tradition, und auch der künftige Präsident Barack Obama will da keine Ausnahme machen. Im Wahlkampf versprach er seinen beiden Töchtern ein Tier, egal, wie die Abstimmung ausgehen würde. Sofort nach dem Wahlsieg am Dienstag stellte er klar, dass er sein Versprechen halten würde: «Ich liebe euch beide so sehr, und ihr habt euch das neue Hündchen verdient, das mit uns ins Weiße Haus zieht», sagte er in seiner Siegesrede in Chicago.

Seither rätselt die Nation nicht nur, welche Persönlichkeiten Obama wohl in sein Kabinett berufen wird, sondern auch über den künftigen «Ersten Hund» des Landes. Wird ein Labrador über den Rasen des Weißen Hauses jagen? Oder doch eher ein Schoßhündchen? Ein Hund aus dem Tierheim oder ein reinrassiger vom Züchter? In einer Umfrage eines großen Hundevereins unter 42.000 Menschen ging der Pudel als Sieger hervor. Zum Abschluss seiner ersten Pressekonferenz gab Obama einen Zwischenbericht. Die Anschaffung des Haustiers sei «ein wichtiges Thema», sagte der designierte US-Präsident.

Bushs Hund hat eine eigene Website

Bei der Auswahl seien zwei Kriterien wichtig, die nicht leicht vereinbar seien: Zum einen soll es sich um eine hypoallergene Rasse handeln, da Malia allergisch sei. Zum anderen wolle die Familie gerne einen Hund aus einem Tierheim zu sich nehmen. Derzeit wohnen die beiden Scotchterrier «Barney» und «Miss Beazley» sowie der Kater «Willie» gemeinsam mit der Familie von Präsident George W. Bush an der Adresse in 1600 Pennsylvania Avenue. «Barney», der am Dienstag einen Reporter beim Versuch eines «Interviews» in den Finger biss, hat auf der Website des Weißen Hauses sogar seine eigene Seite und tritt regelmäßig in einem Weihnachtsvideo der Bushs auf. Doch auch frühere Präsidenten suchten die Gesellschaft von Hunden. «Wenn du einen Freund in Washington willst, hol dir einen Hund», sagte schon Harry Truman. George Washington bekam seinen Hund «Vulcan» vom Marquis de Lafayette geschenkt, einem Helden des Revolutionskriegs. James Garfield nannte seinen Hund als indirekte Warnung an den Kongress «Veto». Abraham Lincolns geliebter Hund «Fido» fiel der Messerattacke eines Betrunkenen zum Opfer.

McCain hätte Fische mitgebracht

Die Kennedys hatten «Marcaroni», das Pony. Bei den Clintons lebten der Labrador «Buddy» und die Katze «Socks». Bill Clinton erzählte Reportern einmal, dass «Buddy» ihm Gesellschaft leiste, wenn seine Frau Hillary nicht zu Hause sei. «Er schläft bei mir. Er ist mein wahrer Freund. Wir haben eine großartige Zeit.» Hätte Senator John McCain am Dienstag die Wahl gewonnen, wären vermutlich mehr als 20 Tiere mit ins Weiße Haus eingezogen, die meisten davon Fische. Die Tiere der Präsidenten erhalten von der Öffentlichkeit jede Menge Aufmerksamkeit. Der Spaniel des ersten Präsidenten George Bush, «Millie», hatte einen eigenen Bestseller. Von «Millies Buch, wie es Barbara Bush diktiert wurde» wurden mehr Exemplare verkauft als von Bushs eigenen Memoiren. Franklin Roosevelts Scotchterrier «Fala» erhielt mehr Post als viele Präsidenten. Eine Statue «Falas» ist Teil des Roosevelt-Denkmals in Washington.

Tierfreunde gelten als herzliche Menschen

Seit Präsident Herbert Hoover (1929-1933) «gab es im Weißen Haus Hunde, die Fotomodelle waren», sagt William Bushong, Geschichtswissenschaftler der Historischen Vereinigung des Weißen Hauses und Kurator von deren Ausstellung über Haustiere in der Präsidentenresidenz. Haustiere vervollständigten das Bild, das man sich vom Leben eines Präsidenten mache, sagt Bushong. Zudem gelten Tierfreunde allgemein als herzliche Menschen, und davon könnten Politiker profitieren. Hoovers Hund «King Tut» war beispielsweise auf Wahlkampffotos seines Herrchens zu sehen und verbesserte so dessen Image in der Öffentlichkeit. Richard Nixons Hund «Checkers» wird sogar zugeschrieben, dass er die politische Karriere seines Herrchens rettete. 1952 musste sich Nixon als Kandidat für die Vizepräsidentschaft gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, er verfüge über einen Schmiergeldfonds. In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Rede räumte Nixon ein, er habe tatsächlich ein Geschenk angenommen - seinen Hund. «Die Kinder lieben den Hund, und wir werden ihn behalten!» rief Nixon in einem emotionalen Ausbruch, der bis heute als die «Checkers-Rede» bekannt ist. (Ann Sanner, AP)

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