Festsitzender Wal: Heute startet Rettungsaktion mit Baggern

Es könnte der letzte Versuch sein, den vor Timmendorfer Strand auf Grund liegenden Buckelwal zu befreien: Nachdem am Mittwochabend ein großer Schaufelbagger eingetroffen war, soll dieser zusammen mit einem zweiten Bagger, der noch am Abend ankommen sollte, ins Wasser gelassen werde. Die Rettung des Wals beginne dann voraussichtlich gegen 8.00 Uhr.
Mit den Baggern soll eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden, sagte Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. So müsse sich das Tier nicht drehen, um wegkommen zu können, erklärte Carsten Mannheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd.
Besonders herausfordernd seien bei der Rettungsaktion Wind und Strömung, sagte Löhndorf. Bei dem Fahrzeug, was heute geliefert wurde, handle es sich um einen schwimmfähigen Schaufelbagger. Er könne wie ein Amphibienfahrzeug auf dem Land und im Wasser eingesetzt werden. Zusätzlich werden Pontons zur Stabilisierung eingesetzt.
Anders als in den Tagen zuvor war am Mittwoch kein regelmäßiges Brummen des Wals mehr zu hören - allein schon wegen des stürmischen Wetters. Experten hatten auch von Hautveränderungen im Zuge der Strandung gesprochen. Nach Einschätzung von Experten des Deutschen Meeresmuseums sind die Überlebenschancen gering: "Der Gesundheitszustand des Wals ist besorgniserregend, sowohl seine Haut als auch den Allgemeinzustand betreffend", hieß es am Dienstag schon.
Größer als zunächst angenommen
Messungen haben ergeben, dass der vor dem Ortsteil Niendorf liegende Buckelwal größer ist als zunächst angenommen: Er sei wohl zwischen 12 und 15 Meter lang und wiege geschätzt rund 15 Tonnen, sagte Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Bei einem so massiven Tier ist es umso schwieriger, es wieder in tieferes Wasser zu bringen. Anders als in der Nordsee gibt es in der Ostsee auch keine deutliche Tide, die den Wal wieder in tieferes Wasser spülen könnte.
Nicht der erste Rettungsversuch
Der Buckelwal war Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. "Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist", erklärte ITAW-Walexpertin Stephanie Groß. Zuvor waren bereits andere Versuche fehlgeschlagen. Zwar gelang es, den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne zu drehen, frei kam er aber nicht.
Auch Versuche, mit Polizeibooten Wellen zu machen, damit sich der Wal freischwimmen kann, brachten nichts. Um den Wal nicht weiter zu stressen, waren die Versuche dann zunächst abgebrochen worden. Doch auch die Hoffnung, dass sich das Tier mit dem Hochwasser in der Nacht zu Dienstag freischwimmen kann, erfüllte sich nicht.
Vögel lassen sich auf Wal nieder
Etwa hundert Meter vor der Seebrücke, neben der der Wal gestrandet ist, stehen Absperrungen und Polizei. Auf der Ostsee zeigen sich am Mittwoch weiße Schaumkronen. Es ist stürmisch, eiskalt und regnerisch - vermutlich deshalb sind nur wenige Schaulustige hinter den Absperrungen zu sehen.
Etwa jede Minute ist zu sehen, wie der Wal atmet und eine kleine Fontaine von seinem Kopf in die Höhe spritzt. Sein Rücken ragt aus dem Wasser, hin und wieder lassen sich Seevögel nieder, die dem Wal etwas vom Rücken picken.
Buckelwale können nach Expertenangaben bis zu etwa 30 Tonnen Gewicht erreichen und haben eine Lebenserwartung von bis zu 90 Jahren. Kennzeichnend für die Art sind die langen, Flipper genannten Brustflossen, die ein Drittel der Körperlänge erreichen.