Experten verkosten blind: Der große Glühwein-Test

Wer es sich gern daheim mit einer Tasse gemütlich macht, sollte sich die Ergebnisse von „Öko Test“ anschauen. Welches Getränk 48 Stück Würfelzucker enthält und welcher nach faulen Eiern riecht.
| Rosemarie Vielreicher
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Von Hui bis Pfui: Das Verbraucher-Magazin „Öko Test“ hat im September 20 Glühweine getestet.
dpa/az Von Hui bis Pfui: Das Verbraucher-Magazin „Öko Test“ hat im September 20 Glühweine getestet.

Wer es sich gern daheim mit einer Tasse gemütlich macht, sollte sich die Ergebnisse von „Öko Test“ anschauen. Welches Getränk 48 Stück Würfelzucker enthält und welcher nach faulen Eiern riecht.

Viele schlürfen derzeit ihren ersten Glühwein in diesem Winter. Der Duft nach Zimt, Nelken und Gewürzen macht sofort Weihnachtsstimmung. Einige Produkte machen aber auch richtig schlechte Laune – zumindest wenn man die Ergebnisse des Magazins „Öko Test“ betrachtet. Die Experten haben 20 Produkte von Ketten wie Lidl und Netto, aber auch von hochwertigen Weinkellereien auf Geschmack und Inhalt getestet. Das Fazit: Nur knapp die Hälfte der Glühweine ist richtig empfehlenswert. Ein teures Bio-Produkt fällt sogar ganz durch im Test. Was die besten Glühweine sind, wovon Sie besser die Finger lassen sollten und was die Experten in den getesteten Produkten gefunden haben:

 

DIE TEST-SIEGER

 

Zwei Glühwein-Produkte haben die Tester vollkommen überzeugt, sie haben ein „sehr gut“ erhalten. Das sind der „Heil Glühwein“ und „Rapp’s Glühwein“. Beide sind preislich im Mittelfeld (1,83 beziehungsweise 1,99 Euro) – heißt also: Guter Glühwein muss gar nicht teuer sein.

Beide sind laut „Öko Test“ sehr gut, was die Inhaltsstoffe betrifft. Geprüft wurden unter anderem die Gehalte von Alkohol, Zucker, die Gewürze, aber auch, ob Pestizide und das Schimmelpilzgift Ochratoxin A drinstecken.

Auch der Geschmack stimmt bei diesen beiden: Sie schmecken „alkoholisch, weinig, aromatisch nach Gewürznelke und Zimt“, so die Experten.

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Weitere sieben Produkte haben ein „gut“ im Test bekommen (siehe Tabelle). Bei ihnen haperte es zum Beispiel daran, dass das Getränk im Abgang „holzig“ schmeckt (Bauer Glühwein), sie den umstrittenen Inhaltsstoff Sorbinsäure enthalten (Anselmann Deutscher Glühwein) oder weil sie wenig aromatisch nach Gewürznelke schmecken (Wolfsglut Winzerglühwein Rot). Aber eben alles gut insgesamt.

 

DER GROSSE VERLIERER

 

Es gibt aber gleich mehrere Produkte, die wohl die Weihnachtsstimmung vermiesen dürften: „Enttäuschend auf der ganzen Linie ist das Abschneiden des Bio-Glühweins von Fruchtsafthersteller Voelkel“, heißt es in dem Test.

Der ist bio, am teuersten von allen und bekommt aber ein „ungenügend“. Die Experten sagen sogar: Das Produkt dürfte eigentlich gar nicht verkauft werden, denn der Gehalt von Kupfer ist über dem Grenzwert. Das ist aber noch nicht alles: Er schmeckt nicht wirklich nach typischem Glühwein und der Zimt hat einen komischen Beigeschmack. Note 6. Was der Hersteller dazu sagt? Die Antwort fällt recht knapp aus: Ein spanischer Glühwein sei von Natur aus herber und daher gar nicht mit einem deutschen vergleichbar.

Drei weitere Produkte bekamen ein „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Angst vor einem vernichtenden Urteil hatte offenbar auch der Hersteller Kunzmann Weinkellerei. Er drohte „Öko Test“ mit gerichtlichen Schritten, falls das Ergebnis veröffentlicht wird. Deswegen werden die Ergebnisse des 20. Glühweins erst noch und ausschließlich im Internet bekanntgegeben.

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DIE GLÜHWEIN-MÄNGEL:

 

Die Experten von „Öko-Test“ haben so einiges an den getesteten Glühwein-Produkten auszusetzen. Ein Überblick:

  • Weinfehler: Im Glühwein von Netto haben die Tester einen schwerwiegenden Weinfehler gefunden: der sogenannte Schwefelböckser. Der kann während der Gärung entstehen. Wie sich dieser Herstellungsfehler auswirkt? „Öko Test“ beschreibt es so: Das Getränk riecht nach faulen Eiern.
  • Zu wenig Gewürze: In einigen Produkten fehlte der typische Glühwein-Geschmack (Wolfsglut Winzerglühwein und Glühwein Schloss Weineck), finden die Tester. Bei letzterem gab es dafür ein „befriedigend“, der Wolfsglut Winzerglühwein hat noch in anderen Punkten überzeugen können. Deswegen gibt es noch ein „gut“. Grundsätzlich dürfen für den Geschmack Aromastoffe, Aromaextrakte, Würzkräuter und Gewürze eingesetzt werden. Erlaubt sind zum Süßen zudem Zucker, Traubenmost oder auch Honig.
  • Keine echten Aromen: Sie werden zwar beworben mit Sätzen wie „mit traditionellen Glühweingewürzen aus überlieferten Rezepturen“ – drin ist davon allerdings nicht viel. Zu dem Ergebnis sind die Experten bei einigen Produkten jedenfalls gekommen. Anstatt echter Vanille, ist in vielen Produkten wie von Netto, Penny und Lidl nur synthetisches Vanillin. Im Test heißt es dazu: „Dies ist zwar nicht verboten, angesichts der fantasievollen Auslobungen aber alles andere als akzeptabel.“ Grundsätzlich muss nur der Alkoholgehalt bei Glühwein angegeben werden, industrielle Aromen dagegen nicht.

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Künstliche Aromen verderben aber in jedem Fall den Geschmack. Wenn ein Glühwein in diesem Bereich nicht gut abgeschnitten hat, waren genau solche falschen Aromen meist verantwortlich. Das war etwa beim OWK Deutscher Glühwein so. Der hat einen „Kunstgeschmack“, so das Urteil. Die Qualität ist bei diesem Produkt „gemindert“.

  • Kupfer-Gehalt: Ein viel zu hoher Kupfer-Anteil war bei Voelkel Spanischer Glühwein zu finden. Warum Kupfer drin ist? „Öko Test“ glaubt: Damit sollte ein schlechter Grundwein geschönt werden. Gesundheitlich schädlich ist das nicht – erst wenn man größere Mengen davon einnehmen würde, kann es die Leber schädigen.
  • Zu viele Konservierungsstoffe: Damit der Glühwein ja nicht verdirbt, haben es einige Hersteller zu gut mit Konservierungsstoffen gemeint. In mehreren Produkten wurde Sorbinsäure gefunden – der für die Gesundheit zwar unbedenklich ist. Trotzdem: Braucht’s das? Nein, sagen die Experten. Denn der Alkohol und ätherischen Öle, die im Glühwein sind, lassen ihn ohnehin nicht verderben.
  • Mehr Zucker als Cola: Süß, ja. Aber bitte nicht so übersüßt: Der Glühwein von Ikea enthält umgerechnet 48 Stück Würfelzucker pro Liter. Das Problem: Den hohen Zuckergehalt schmeckt man oft gar nicht heraus, weil die Zunge bei heißen und alkoholhaltigen Getränken darauf nicht so stark anspricht.

Das Verbraucher-Magazin „Öko Test“ hat im September 20 Glühweine getestet – deswegen fehlen einige Marken, die damals noch nicht erhältlich waren. Die Produkte wurden von mehreren Experten verdeckt verkostet.Zudem wurden die Gehalte von Alkohol, Zucker, und schädlichen Stoffen getestet. Der Test erscheint in der aktuellen Dezember-Ausgabe.

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