England: Säure-Attacken nehmen dramatisch zu

Die Zahl der Angriffe hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Die Opfer leiden ein Leben lang – und fordern nun eine strengere Gesetzgebung.
| Lisa Marie Albrecht
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Die knapp 21-jährige Resham Khan vor und nach der Säureattacke.
Resham Khan/GoFundme Die knapp 21-jährige Resham Khan vor und nach der Säureattacke.

Es sind herzzerreißende Worte, welche die junge Resham Khan in einem offenen Brief an das Parlament richtet: "Meine Pläne sind zerbrochen, mein Schmerz ist unerträglich und ich schreibe diesen Brief im Krankenhaus, während ich geduldig auf die Rückkehr meines Gesichts warte."

Die junge Frau mit den schönen braunen Augen wird im Juni, kurz vor ihrem 21. Geburtstag, Opfer einer furchtbaren Attacke: Ein Mann schüttet in Beckton, im Osten von London, Säure durch das Fenster ihres Autos auf sie und ihren Cousin. Der Täter wird wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Seitdem kämpft Khan für strengere Vorschriften beim Kauf und Verkauf ätzender Säure.

Fälle nehmen zu

Die Fälle, in denen Menschen andere mit Bleiche, Ammoniak oder Säure überschütten, nehmen in der britischen Hauptstadt zu: Erst am Donnerstagabend sind fünf Menschen bei einer Attacke im Norden Londons schwer verletzt worden.

Die Täter sollen sich zu zweit auf einem Moped ihren Opfern genähert haben, bevor sie ihnen Säure ins Gesicht sprühten. Mindestens in zwei Fällen griffen die Täter offenbar gezielt Mopedfahrer an, um ihnen die Fahrzeuge zu stehlen. Alle Angriffe ereigneten sich innerhalb einer guten Stunde. Die Polizei nahm einen 15- und einen 16-Jährigen fest. Die britische Premierministerin Theresa May verurteilte die Attacken als "entsetzlich".

Eine Petition fordert, die Angriffe als versuchten Mord zu werten

Eines der Opfer ist der 32-jährige Lieferant Jabed Hussain. Der BBC erzählt er: Mein Helm hat mich gerettet." Nach der Attacke habe er seinen Helm abgenommen und "nur um Hilfe geschrien, denn es (die Säure, d. Red.) trocknete und je mehr es trocknete, desto mehr brannte es." Er habe jetzt zu viel Angst, um weiter arbeiten zu können.

Auf eine Anfrage des Nachrichtensenders erklärt die Londoner Polizei, dass sich die Zahl der Säure-Angriffe seit 2012 mehr als verdoppelt habe: In diesem und im letzten Jahr waren es 504. Der Nationalrat leitender Polizeibeamter gehe von mehr als 400 Attacken in England und Wales allein in den sechs Monaten bis zum April 2017 aus. "Das eskaliert in London", sagt Sarah Newton, Ministerin für Verbrechen, Sicherung und Angreifbarkeit.

Säure-Opfer Khan fordert in ihrem Brief strengere Vorschriften und will, dass der Besitz ätzender Substanzen ohne Grund strafbar sein sollte. Eine entsprechende Petition hat bereits über 440.000 Unterstützer. Eine weitere, von der Engländerin Shakeela Riaz ins Leben gerufen, fordert sogar, Säure-Attacken nicht als schwere Körperverletzung, sondern als versuchten Mord zu werten.

Regierung stellt härtere Strafen in Aussicht

Die Regierung hat nun härtere Strafen für die Täter in Aussicht gestellt. "Es handelt sich um ein Delikt, das verändert, wie Menschen aussehen und sich fühlen – manchmal für den Rest ihres Lebens", schrieb Innenministerin Amber Rudd für die "Sunday Times". Mit lebenslanger Haft als Höchststrafe sei die Gesetzeslage in diesem Bereich bereits sehr stark.

Nun wollen die Gesetzgeber die Vorbereitungen von Säure-Anschlägen stärker ins Visier nehmen: Der Maßnahmenplan sieht die Klassifizierung von Säure als "gefährliche Waffe" vor. Zudem soll der Verkauf aggressiver Substanzen besser kontrolliert werden.

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