Ein Haus mit 16 Beinen
Neue deutsche Station in der Antarktis eingeweiht: Sie wächst mit dem Schnee
ANTARKTIS Dort ist richtig Winter: Zwei Monate lang geht die Sonne nicht auf, es hat bis zu 40 Grad minus – in der Antarktis wurde am Freitag die deutsche Forschungsstation Neumayer III eröffnet. Eine technische Meisterleistung im ewigen Eis und die nunmehr modernste Station der Welt.
Zum Kistenschleppen war es für die Forscher mit minus 18 Grad Celsius halbwegs moderat. Ihr altes Quartier in der Neumayer II mussten sie räumen, es liegt bereits 16 Meter unter der Eisoberfläche. Denn in der Antarktis kommt jedes Jahr ein Meter Schnee dazu. Die neue Station dagegen kann mit dem Schnee mitkrabbeln: Dazu hebt sie je eines ihrer 16 hydraulischen StelzenBeine, dann wird Schnee druntergeschaufelt und verdichtet, und schließlich wird das Gebäude neu austariert.
„Ein Meisterstück der Ingenieurskunst und ein Labor mit bislang ungeahnten Möglichkeiten“, pries die live zugeschaltete Forschungsministerin Annette Schavan die Station bei der Eröffnungszeremonie. „Für die Wissenschaftler im Eis beginnt eine neue Ära.“ Schwerpunkte der Forschung dort sind Klimadaten und Treibhausgase, die Untersuchung von Atmosphäre und Ozeanen, aber auch Projekte mit Walen und Robben. Der Bau dauerte sieben Monate und kostete 40 Millionen.
Neun Menschen können in der „Neumayer III“ überwintern, im Sommer ist Platz für 40 Forscher. Die Vorräte an Diesel und Essen sind so üppig angelegt, dass sie auch dann reichen, wenn die Station zwei Jahre lang komplett von der Außenwelt abgeschnitten wäre. Und: Erstmals gibt es auch Fenster. Der Blick ist atemberaubend: rund um das Gebäude bis zum Horizont nur Schnee, hin und wieder laufen Pinguine vorbei.
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- Annette Schavan