Ehemaliger Neonazi outet sich als schwul

Ein britischer Neonazi hat eine mutige, aber auch riskante Entscheidung getroffen: Er kehrte der "White Supremacy"-Bewegung den Rücken, offenbarte seine jüdische Familiengeschichte und outete sich als schwul.
| Sven Geißelhardt
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Kevin Wilshaw im Interview mit dem britischen Sender "Channel 4".
youtube/screenshot Kevin Wilshaw im Interview mit dem britischen Sender "Channel 4".

Kevin Wilshaw (58) war 40 Jahre Teil der britischen Neonazi-Szene. Geprägt von seinem rechtskonservativen Vater entdeckt er bereits mit elf Jahren er seine Begeisterung für diese Welt. Ohne Freunde in der Schule treibt er immer weiter in die Szene. Dass seine Großmutter Jüdin war blendete er einfach aus.

Anfang der 70er tritt er der "British National Front" bei, einer rechtsextremen Partei. Auf seinem Aufnahmeantrag bezeichnet er die Juden als "Feinde der weißen Rasse". Seine eigenen jüdischen Wurzeln spielen dabei keine Rolle. "Man sieht sie (Juden) nicht als Individuen", sagt er gegenüber dem britischen Sender Channel 4, man sehe sie eher als gesichtslose Masse.

Diese Ansicht vertritt er auch jahrelang lautstark auf Demonstrationen und Neonazi-Kundgebungen. Gewalttätig sei er aber nie gewesen. Wenn Gewalt im Spiel war, habe er sich nur selbst verteidigt.

Öffentliches Coming-Out als Beispiel für andere Menschen

Dass Wilshaw schwul ist, hat er Jahrzehnte lang verheimlicht. Dennoch scheinen seine "Kameraden" immer wieder Verdacht zu schöpfen und er wird selbst Ziel des Hasses einer Gruppe, der er eigentlich angehört. "Wenn man schwul ist, ist das in der normalen Gesellschaft akzeptiert. Aber in dieser Gruppe von Menschen ist es inakzeptabel." Aber durch sein Coming-Out will er öffentlich zeigen wie es ist, eine Lüge zu leben und ein "Empfänger dieser Propaganda" zu sein. Er habe zwar Angst vor den Reaktionen seiner ehemaligen Freunde, aber er wolle dieser Bewegung auch bewusst schaden.

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Als schwuler, jüdischer Neonazi dürfte ihm die internationale Aufmerksamkeit sicher sein. 

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