Ehefrau klammerte sich an seine Beine: Passagier fast durch kaputtes Ryanair-Jet-Fenster gezogen

Auf dem Weg von Thessaloniki nach Memmingen musste eine Ryanair-Maschine kurz nach dem Abflug umkehren, nachdem an Bord ein lauter Knall ertönt war und sich anschließend eine Fensterscheibe in der Kabine gelöst hatte. Der Unterdruck saugte den Mann, der unmittelbar neben dem beschädigten Fenster saß in Richtung der Öffnung. Wie ernst die Lage war, schildert eine Augenzeugin dem griechischen Sender ERT: Dem Mann seien Kopf und Schultern zeitweise aus der zerstörten Fensteröffnung hinausgezogen worden, bevor es umsitzenden Fluggästen gelang, ihn zurück in die Kabine zu holen. Zeitgleich fielen im gesamten Flugzeug die Sauerstoffmasken herab – entsprechende Fotos und Videoaufnahmen tauchten kurz danach in sozialen Netzwerken auf.
Die Besatzung brach den Flug nach Memmingen umgehend ab und kehrte nach Thessaloniki zurück. Von dem Zwischenfall bis zur Landung vergingen demnach etwa 20 Minuten. Der verletzte Passagier wurde nach der Landung durch den Rettungsdienst versorgt und in ein Krankenhaus in Thessaloniki gebracht. Er soll aus Serbien stammen. Laut ERT haben griechische Behörden inzwischen Ermittlungen zu den genauen Umständen aufgenommen.
Neue Details aus Flugverfolgungsdaten zeigen zudem, um welches Flugzeug es sich handelte: Eingesetzt war eine Boeing 737-800. Statt der geplanten Abflugzeit von 5:55 Uhr hob die Maschine tatsächlich erst um 6:12 Uhr Ortszeit ab.
Das sagen die griechischen Medien
Griechische Medien zeichnen ein noch anschaulicheres Bild vom Ablauf des Zwischenfalls. Eine Frau, die sich an Bord befand, schilderte dem Lokalsender Radio Thessaloniki 94.5, der Knall habe sich angehört, "als wäre ein Reifen geplatzt". Das Flugzeug hätte schlagartig an Höhe verloren, es sei Panik ausgebrochen. Überall hätten Menschen geschrien und gekreischt. Für einen kurzen Moment habe sie befürchtet, jemand habe versehentlich die Notausstiegstür geöffnet. Selbst das Kabinenpersonal sei zunächst sichtlich überfordert gewesen, so die Zeugin weiter. Zum Zustand des betroffenen Mannes sagte sie, sein Kopf sei komplett aus dem Flugzeug herausgeragt, ehe ihn die neben ihm sitzenden Frauen an den Beinen zurückgezogen hätten.
Mehreren Berichten zufolge klammerte sich die Ehefrau des 61-Jährigen rund fünf Minuten lang an seinen Beinen fest, um ihn im Flugzeug zu halten, bis weitere Passagiere mit anpackten und ihn vollständig zurückzogen. Öffentlich äußerte sich dazu auch Michalis Giannakos, Vorsitzender der griechischen Krankenhausgewerkschaft ΠΟΕΔΗΝ: Er berichtete in einem Beitrag, der Mann stehe zwar unter Schock, sei aber ansprechbar und habe sich Reibungsverbrennungen zugezogen. Behandelt werde er im AHEPA-Krankenhaus in Thessaloniki. Insgesamt sollen laut griechischen Medien vier Menschen vorsorglich in Kliniken gebracht worden sein – drei davon wurden inzwischen bereits wieder entlassen.
Pilot reagierte offenbar sofort
Wie es überhaupt zu dem Fensterschaden kam, lässt Ryanair bislang offen. Mehrere griechische Medien führen den Vorfall auf einen technischen Defekt am Triebwerk zurück.

Nach Angaben der Zeitung "Kathimerini" lief der Vorfall dabei offenbar in einer anderen Reihenfolge ab als zunächst vermutet: Schon während sich das Flugzeug über der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje befand, sollen die Piloten eine ernsthafte Störung an einem der Triebwerke bemerkt und ohne Verzögerung die Rückkehr zum Flughafen Makedonia eingeleitet haben. Im Anflug auf Thessaloniki habe sich demnach ein Teil des Triebwerks gelöst und das Kabinenfenster getroffen – der Pilot hatte also bereits reagiert, bevor es überhaupt zu dem Fensterschaden kam.
Sobald der Kapitän den Notfall gemeldet hatte, wurden am Boden Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei vollständig in Bereitschaft versetzt. Die Landung selbst verlief den Berichten zufolge ohne weitere Zwischenfälle. Weder Ryanair noch die griechischen Luftfahrtbehörden haben die Triebwerkstheorie bislang offiziell bestätigt.
Ryanair räumt Zwischenfall ein
Auf Anfrage der AZ bestätigte Ryanair, dass sich auf dem Flug nach Memmingen kurz nach dem Start ein Passagierfenster gelöst habe und die Maschine deshalb nach Thessaloniki zurückgekehrt sei. Die Landung sei normal verlaufen, die Fluggäste seien anschließend ins Terminal zurückgebracht worden. Um eine größere Verspätung zu vermeiden, habe man kurzfristig ein Ersatzflugzeug organisiert. Dieses sei um 9.53 Uhr Ortszeit in Thessaloniki gestartet und habe die Passagiere schließlich nach Memmingen gebracht.