Nach Flut: In China werden Deutsche vermisst - Neue Warnung

Nach der Sturzflut im Himalaya wurden auch in Tibet zahlreiche Ausländer vermisst. Nun nennt China Details. Unter den Vermissten sind auch Deutsche.
von  dpa
Die Flut hatte ganze Ortschaften verwüstet.
Die Flut hatte ganze Ortschaften verwüstet. © Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

Erstmals seit der Flutkatastrophe im Himalaya-Gebirge im Grenzgebiet zu Nepal haben chinesische Behörden Details zu den auf ihrer Seite vermissten Ausländern bekanntgegeben. Unter den 261 Vermissten seien auch drei Deutsche, teilten Vertreter der Autonomen Region Tibet mit. 

Nach jüngsten Informationen der Behörden in China und Nepal wurden als Folge der Naturkatastrophe bislang 691 Todesopfer registriert. Zuvor hatten die chinesischen Behörden in der Autonomen Region Tibet mitgeteilt, die Zahl der Toten sei von 7 auf 16 gestiegen. Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite ging auf 546 zurück. Zusammen mit den mehr als 2.400 in Nepal noch gesuchten Flutopfern galten damit rund 3.000 Menschen weiter als vermisst - darunter Hunderte Ausländer.

Unklarheit über weitere Details 

Ob sich die Zahl der vermissten Deutschen im Katastrophengebiet in Nepal und Tibet im Zuge der jüngsten Angaben aus China insgesamt erhöht hat oder ob es Dopplungen bei den Angaben der Behörden beider Seiten gibt, war zunächst unklar. Unter anderem befand sich eine Reisegruppe mit einem nepalesischen Veranstalter am Unglückstag noch in Tibet, um den Grenzübergang Gyirong zurück nach Nepal zu überqueren, wie ein Reiseveranstalter auf Anfrage gesagt hatte. 

Das Auswärtige Amt hatte bislang von einer hohen einstelligen Zahl an vermissten Deutschen in der Region gesprochen. In Nepal galten noch acht Deutsche als vermisst, wie Nepals Tourismusbehörde kurz nach der Flutkatastrophe mitgeteilt hatte. 

Vermisste aus 23 Ländern

Die in Tibet vermissten Ausländer stammten aus insgesamt 23 Ländern, die meisten aus Nepal, wie die Behördenvertreter sagten. Weitere Vermisste kamen unter anderem aus den USA (18), Großbritannien (15) und einzelne jeweils aus Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden.

Die Lage in der Krisenregion bleibt am vierten Tag nach dem Unglück angespannt. Am Morgen (Ortszeit) warnte der nepalesische Katastrophenschutz die Menschen in den Regionen Rasuwa, Nuwakot und Dhading vor einer möglichen Flut im Fluss Bhotekoshi. Die Menschen wurden aufgerufen, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten. 

Ein Augenzeuge berichtete, dass in der Region Battar im Bezirk Nuwakot viele Menschen die Berge hinaufliefen, um an sichere Orte zu gelangen. Die Geröll- und Schlammmassen am Mittwoch hatten sich auch durch den Bhotekoshi ihren Weg gebahnt und weitreichende Zerstörung angerichtet.

China nennt Ursache für Sturzflut

Als Auslöser der Sturzflut hielten Experten bislang einen Abbruch an einem Gletscher für wahrscheinlich. Chinas Behörden stellten nun fest, dass am vergangenen Mittwoch um 10.52 Uhr (Ortszeit / 4.52 Uhr MESZ) auf nepalesischem Gebiet am Südhang des Gipfels Langtang Lirung Eis und Gestein in rund 5.200 Meter Höhe abgebrochen waren. 

Unter Berufung auf Ergebnisse von Experten des Bergforschungsinstituts in Chengdu stürzten die Gesteinsmassen bis auf etwa 4.000 Meter Höhe ab und lösten eine Lawine aus. Zwischen dem Abbruch und dem Auftreffen der Lawine am Grenzübergang Gyirong in Tibet vergingen den Angaben zufolge zwischen sechs und sieben Minuten. Die Sturzflut habe 27 Gebäude dem Erdboden gleich gemacht, hieß es weiter. Die Behördenvertreter verwiesen auf die Instabilität der Gletscher als langfristige Folge der Klimaerwärmung. 

Internationale Hilfe für Rettung

In Nepal traf unterdessen internationale Hilfe aus Indien und China ein. Expertenteams sollen vor Ort bei der Rettungsaktion an einem Wasserkraftwerk am Fluss Trishuli unterstützen. In einem Tunnel dort wurden noch vermisste Arbeiter vermutet. 

"Hilfe und Unterstützung werden nicht nur in der Rettungs- und Hilfsphase benötigt, sondern vor allem in der Phase des Wiederaufbaus", hatte Nepals Außenminister Shishir Khanal in der Hauptstadt Kathmandu am Samstag gesagt. Die USA sagten Nepal weitere Hilfe zu.

"Die Vereinigten Staaten stehen der Bevölkerung Nepals zur Seite und stellen lebensrettende humanitäre Hilfe im Wert von mehr als 3,6 Millionen US-Dollar bereit", schrieb das US-Außenministerium auf der Online-Plattform X. Die Hilfe in Höhe von umgerechnet 3,1 Millionen Euro umfasst demnach auch bis zu drei Monate lang Nahrungsmittelhilfe für bis zu 10.000 von der Flut betroffenen Haushalte.

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