Diese KI-Chatbots geben die meisten Daten an Dritte weiter

Wer ChatGPT, Claude oder andere KI-Chatbots nutzt, teilt oft persönliche Informationen. Doch nicht nur die Eingaben selbst können zum Datenschutzrisiko werden, auch andere Nutzungsdaten können an externe Unternehmen übermittelt werden. Wie kann man sich dagegen schützen?
von  teleschau
Beim Chat mit der KI sollten Sie persönliche Angaben möglichst nicht mitteilen.
Beim Chat mit der KI sollten Sie persönliche Angaben möglichst nicht mitteilen. © iStock/hapabapa

Ob bei Fragen zur Gesundheit, bei beruflichen Herausforderungen oder für persönliche Ratschläge: KI-Chatbots sind für viele Menschen zu alltäglichen Begleitern geworden. Dabei vergessen wir leicht, dass unsere Gespräche mit der künstlichen Intelligenz nicht zwangsläufig vertraulich bleiben. Eine wissenschaftliche Untersuchung von Forscherinnen und Forschern des IMDEA Networks Institute in Madrid zeigt, dass neun KI-Dienste in Tracking- und Analyseinfrastrukturen eingebunden sind, die auch Daten an externe Unternehmen übermitteln können.

Welche Daten geben KI-Chatbots weiter?

Für ihre Untersuchung im Mai 2026 analysierten die Forschenden neun bekannte KI-Dienste: ChatGPT, Claude, Grok, DeepSeek, Perplexity, Gemini, Microsoft Copilot, Mistral Le Chat und Meta AI. Dabei untersuchten sie sowohl die Webversionen als auch acht Android-Apps.

Das Ergebnis: Alle neun Dienste kontaktierten mindestens einen externen Werbe- oder Trackingdienst. Insgesamt identifizierte das Forschungsteam 44 Drittorganisationen, darunter 34 Anbieter von Werbe- und Trackingdiensten. Grok ist mit Abstand am auffälligsten. Es gibt dort 7 Tracker, die Artefakte zusammen mit Nutzerkennungen erhalten. Zum Vergleich: ChatGPT, Gemini, Mistral und Perplexity haben je einen Tracker, Claude zwei.

Besonders relevant für den Datenschutz ist, welche Informationen dabei übermittelt werden können. Denn es geht nicht ausschließlich um klassische Nutzungsdaten wie Cookies oder Gerätekennungen. Bei sechs der neun untersuchten Webversionen und drei der acht Android-Apps beobachteten die Forschenden auch die Weitergabe sogenannter Gesprächsartefakte. Dazu gehören beispielsweise Chat-URLs, Gesprächstitel, Prompts und Screenshots.

Warum das problematisch sein kann? Schon ein automatisch erzeugter Chat-Titel kann verraten, womit sich eine Person beschäftigt. Geht es um gesundheitliche Beschwerden, finanzielle Schwierigkeiten oder persönliche Probleme, können solche Informationen Rückschlüsse auf sensible Lebensbereiche ermöglichen.

Wenn sich persönliche Daten miteinander verknüpfen lassen

Besonders kritisch wird es, wenn Informationen über ein Gespräch gemeinsam mit Kennungen wie Cookies, Nutzer-IDs oder gehashten E-Mail-Adressen übermittelt werden. Solche Kennungen können dazu beitragen, Daten einer Person oder einem Nutzerkonto zuzuordnen und Aktivitäten über mehrere Sitzungen hinweg miteinander zu verknüpfen.

Die Studie zeigt, dass entsprechende Kombinationen bei mehreren untersuchten Diensten vorkamen. Damit können Informationen über KI-Interaktionen in bestehende Trackingstrukturen gelangen. Welche Daten tatsächlich gespeichert und für welche Zwecke sie anschließend verwendet werden, lässt sich aus dem Nachweis einer Übertragung allein nicht ableiten.

Sind geteilte Chatverläufe öffentlich zugänglich?

Ein weiteres Risiko betrifft die Funktion, Unterhaltungen über einen Link mit anderen Menschen zu teilen. Die Forschenden stellten fest, dass geteilte Gespräche bei allen untersuchten Diensten ohne Anmeldung abrufbar waren. Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch sämtliche privaten Chats öffentlich sind: Entscheidend ist, ob eine Unterhaltung geteilt wurde und welche Zugriffseinstellungen für den jeweiligen Link gelten.

Darüber hinaus beobachtete das Forschungsteam bei einzelnen Anbietern, dass Gesprächs-URLs oder zugehörige Kennungen an externe Trackingdienste übermittelt wurden. Sind die verknüpften Unterhaltungen ohne zusätzliche Zugriffsbeschränkungen erreichbar, kann dies das Risiko erhöhen, dass Dritte mehr als nur technische Nutzungsdaten zu sehen bekommen.

Bei Grok fanden die Forschenden zudem Hinweise darauf, dass übermittelte Gesprächsressourcen auch nach der ursprünglichen Interaktion wiederholt abgerufen wurden. Auch Perplexity hat Canary-URLs wiederholt abgerufen, sogar bei ausdrücklicher Anweisung, das nicht zu tun. Bei DeepSeek, Copilot, Mistral und Claude gab es je einen Abruf zum Zeitpunkt der Eingabe. Die Ergebnisse unterstreichen, weshalb sich Nutzende vor dem Teilen eines Chatverlaufs genau überlegen sollten, welche Informationen dadurch zugänglich werden könnten.

Schützt ein kostenpflichtiges Abo besser?

Wer für einen KI-Dienst bezahlt, erwartet möglicherweise auch einen besseren Schutz der eigenen Daten. Die Untersuchung liefert dafür jedoch keine allgemeine Bestätigung: Die Tracking-Infrastruktur unterschied sich zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Konten meist nur wenig.

Auch das Ablehnen nicht notwendiger Cookies bot keinen vollständigen Schutz. Laut der Studie blieben 80,8 Prozent der beobachteten Drittanbieter-Tracker trotz einer solchen Ablehnung aktiv. Die Zahl bezieht sich auf die in der Untersuchung erfassten Tracker, nicht auf den Anteil sämtlicher weitergegebener Daten.

Zudem unterscheiden sich Webversionen und Apps: Während im Browser häufig Cookie-Einstellungen angeboten werden, fehlt in mobilen Anwendungen oft eine vergleichbare Auswahl. Auch kostenpflichtige Abos oder Inkognito-Funktionen sollten deshalb nicht pauschal mit vollständiger Anonymität gleichgesetzt werden.

Die Forschenden diskutieren ihre Ergebnisse auch im Zusammenhang mit der Datenschutz-Grundverordnung und der europäischen ePrivacy-Richtlinie. Sie sehen mögliche Konflikte mit bestehenden Datenschutzanforderungen, treffen aber keine abschließende rechtliche Bewertung der untersuchten Praktiken.

Wie können wir unsere Daten besser schützen?

Ganz verhindern lässt sich die Weitergabe von Daten durch eigene Einstellungen nicht immer. Einige Maßnahmen können das Risiko jedoch reduzieren:

  • Persönliche Angaben vermeiden: Namen, Adressen oder andere identifizierende Informationen nur dann eingeben, wenn es wirklich notwendig ist.

  • Sensible Themen bewusst behandeln: Bei Fragen zu Gesundheit, Finanzen oder privaten Problemen möglichst auf Details verzichten, die Rückschlüsse auf die eigene Identität zulassen.

  • Datenschutzeinstellungen prüfen: Nicht notwendige Cookies ablehnen und die verfügbaren Datenschutz- und Trackingoptionen des jeweiligen Dienstes nutzen.

  • Chat-Links mit Bedacht teilen: Vor dem Teilen prüfen, welche Inhalte andere Personen über den Link sehen können.

  • Datenschutzbedingungen lesen: Sich informieren, welche Daten der Anbieter verarbeitet und welche Angaben er zu externen Dienstleistern macht.

Wichtig ist dabei, die Grenzen dieser Maßnahmen zu kennen: Auch wenn Cookies abgelehnt werden, können weiterhin Datenübertragungen stattfinden.

Nicht nur die Eingabe zählt

Die Untersuchung macht deutlich, dass Datenschutz bei KI-Chatbots mehr umfasst als die Frage, ob Nutzereingaben zum Training eines KI-Modells verwendet werden. Auch Daten, die im Zusammenhang mit einer Unterhaltung entstehen, sowie ihre Weitergabe an externe Dienstleister spielen eine Rolle.

Die Ergebnisse beziehen sich auf neun untersuchte Dienste und bilden einen konkreten Untersuchungszeitraum ab. Sie lassen sich nicht pauschal auf sämtliche KI-Angebote oder jede Nutzungssituation übertragen. Dennoch liefern sie einen wichtigen Hinweis: Wer KI für persönliche Anliegen nutzt, sollte sich bewusst machen, welche Informationen er teilt - und dass auch Chat-Titel, Links und andere Metadaten etwas über das eigene Leben verraten können.

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