Der Kampf gegen Panzerknacker

Statt maskiert eine Filiale zu überfallen, jagen Kriminelle immer öfter Automaten in die Luft. Viele Banken wollen jetzt aufrüsten.
| Andreas Hummel
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Hier gibt es erstmal kein Geld mehr zu holen: ein gesprengter Automat im niedersächsischen Hambühren.
dpa Hier gibt es erstmal kein Geld mehr zu holen: ein gesprengter Automat im niedersächsischen Hambühren.

München - Banken lassen ihre Apparate verstärken, schicken zusätzliche Wachleute auf Streife und schließen nachts einzelne Standorte. Mancherorts werden Automaten abgebaut – der Kunde bekommt das Geld stattdessen per Kurier nach Hause gebracht. Automatenknacker treiben seit Monaten in Deutschland ihr Unwesen und jagen Geldautomaten in die Luft. Darum setzen Banken nun auf neue Strategien.

Ein Patentrezept gibt es nach Expertenmeinung jedoch nicht. „Welche Maßnahmen in welcher Form eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen standortbezogenen Gefährdungssituation ab“, erklärt eine Sprecherin des Deutschen Bankenverbandes. Die Schließung von Filialen an Risikostandorten sei das letzte Mittel.

 

Thüringen: Fünf Standorte geschlossen

 

Beispiel Thüringen. Seit November haben Kriminelle drei Geldautomaten der Sparkasse Gera-Greiz gesprengt. „Wir haben daraufhin alle 60 Automaten auf ihre Sicherheit hin untersucht“, sagt Vorstand Frank Emrich. Das Ergebnis: Fünf Standorte wurden dicht gemacht, das Gros der Automaten ist nun von Mitternacht bis 5 Uhr geschlossen, die Video- und Alarmüberwachung wurde erweitert. Weitere Details dazu will Emrich nicht verraten, doch investiere sein Geldhaus einen sechsstelligen Betrag.

Lesen Sie hier: Trotz Festnahmen: Wieder ein Geldautomat gesprengt

Weil mehrere Automaten geschlossen wurden, will die Sparkasse den Kunden künftig per Kurier Bargeld nach Hause bringen. „Wir sehen das als Ergänzungsangebot und werden schauen, wie es angenommen wird“, erklärt Emrich. Nach telefonischer Bestellung soll Ende des Monats erstmals ein Mitarbeiter in zivil bis zu 1000 Euro an die Haustür des Kunden bringen – und auf Wunsch auch Überweisungen mitnehmen. Zunächst gebe es diesen Dienst kostenlos.

Im ganzen Land nehmen Kriminelle immer öfter Geldautomaten ins Visier. Damit Anschläge ins Leere laufen, werden die Automaten aufgerüstet. Dazu gibt es nach Angaben des Herstellers Wincor Nixdorf etwa spezielle Tresore, die einer Sprengung mittels Gas standhalten.

 

Die Nachfrage nach Farbpatronen in den Systemen steigt

 

Außerdem von Fachleuten immer wieder ins Spiel gebracht wird die Nachrüstung mit Einfärbesystemen: Wird die Geldkassette gewaltsam geöffnet, färbt eine Farbpatrone die Geldscheine ein, sodass sie unbrauchbar werden. „Die Nachfrage nach solchen Lösungen steigt stark“, sagt Produktmanager Stefan Leßmann.

Und wie reagieren die Kunden? Größtenteils mit Verständnis, sagt Ludger Braam von der Sparkasse Kleve. Auch seine Sparkasse bietet gegen Gebühr einen Kurier für Bargeld an – was aber wenig genutzt werde. Die meisten Kunden versorgten sich selbst mit Bargeld. Größere Einschränkungen für seine Kunden sieht auch Geras Sparkassen-Vorstand Emrich nicht. Weniger als ein Prozent der Abhebungen entfielen auf die von den Schließungen betroffenen Nachtstunden. „Und die Sicherheitsmaßnahmen dienen auch dem Schutz unserer Kunden.“

Lesen Sie hier: Unbekannter beschädigt Parkautomaten mit Böller

 

2015: 151 Geldautomaten  gesprengt worden

 

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes hat sich die Zahl der Sprengattacken in den vergangenen fünf Jahren von 38 (2011) auf 151 (2015) fast vervierfacht. Zuletzt waren vor allem Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt betroffen. Nach Einschätzung der Ermittler sind häufig Banden am Werk, die aus dem Ausland stammen und überregional agieren. Der angerichtete Schaden übersteigt oft den Wert der Beute. Diese habe in den vergangenen Jahren zwischen 500 und etwa 380 000 Euro gelegen. Der Schaden an Technik und Gebäude betrug dagegen teilweise bis zu einer Million Euro. Die Zahl der herkömmlichen Banküberfälle ist dagegen seit Jahren rückläufig. 2014 waren es 193, zehn Jahre zuvor noch mehr als 600.

 

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