Der Frust mit der Klamotte

Trotz einer groß angelegten Vermessungsaktion gibt es keine einheitlichen Konfektionsgrößen. Eine aktuelle Studie zeigt: Über 90 Prozent der Frauen haben mehrere Kleidergrößen im Schrank.
| Myriam Siegert
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Bitte stillhalten: Bei der Reihenmessung für „Size Germany“ wurden Körpermaße genau erfasst.
dpa Bitte stillhalten: Bei der Reihenmessung für „Size Germany“ wurden Körpermaße genau erfasst.

 

Trotz einer groß angelegten Vermessungsaktion gibt es keine einheitlichen Konfektionsgrößen. Eine aktuelle Studie zeigt: Über 90 Prozent der Frauen haben mehrere Kleidergrößen im Schrank.

Berlin - Wer kennt das nicht – an der Taille sitzt’s, aber am Hintern zu eng. An den Schenkeln passt’s, aber am Bauch zwickt’s. Auch wenn man noch so modeverliebt ist – dank uneinheitlicher Kleidergrößen wird der Klamottenkauf oft zur Qual.

Konfektionsmode wird zum Leidwesen der Normalos für Menschen mit Idealmaßen und – vor allem – idealen Proportionen gemacht. Dazu kommt, dass jeder Hersteller seine eigenen Größen hat. Wer die Generation ab 60 im Blick hat, schneidert anders als jemand, der Teenager-Kundschaft bedient.

Der Verbraucher regiert mit Einfallsreichtum auf das Größen-Kuddelmuddel: Wer einmal ein passendes Teil, in einem bestimmten Schnitt von dem speziellen Hersteller, gefunden hat, bleibt dem meistens treu.

Vor allem Frauen wenden aber noch einen anderen Trick an: Wie eine Studie des Portals TopGutscheinCode.de jetzt belegt, haben satte 93 Prozent der Frauen gleich mehrere Größen im Kleiderschrank, und zwar durchschnittlich drei. Als Grund für die Größenvielfalt nannten 65 Prozent, die je nach Marke unterschiedlich ausfallenden Größen. 46 Prozent rüsten sich damit für Gewichtsschwankungen, 27 Prozent bevorzugen – je nach Kleidungsstück – unterschiedliche Passformen.

Warum aber herrscht überhaupt so ein Durcheinander bei den Kleidergrößen? Vor einigen Jahren, 2007 und 2008, wurde in Deutschland eine groß angelegte Vermessungsaktion durchgeführt. Bei der Studie „Size Germany“ wurden knapp 13400 Männer, Frauen und Kinder zwischen sechs und 87 Jahren in 3D-Körperscanner gestellt und penibel vermessen. Mit den frischen Daten, sollten die Maße der Konfektionsgrößen überarbeitet werden.

Die Ergebnisse zeigten, dass das auch notwendig war: Seit der letzten Messung 1994 sind deutsche Frauen im Durchschnitt um einen Zentimeter gewachsen, haben an der Taille vier und an der Hüfte fast zwei Zentimeter zugelegt. Der Brustumfang wuchs um gute zwei Zentimeter. Bei den Männern fand die letzte Vermessung 1980 statt. Dementsprechend sind die Abweichungen der Körpermaße noch gravierender. Vor allem beim Brustumfang, der um sieben Zentimeter zunahm.

Von einheitlicheren Konfektionsgrößen merkt man trotzdem nichts. In der Umkleidekabine herrscht weiter Frust. Denn, die Ergebnisse gingen nur an die Unternehmen, die das Projekt mitfinanziert haben. Ob und wie sie diese verwenden, war ihnen überlassen.

„Das ist ein stetiger Prozess“, sagt Anke Rissiek vom Bodyscanner-Unternehmen Human Solutions. Die Firma hat gemeinsam mit dem Textilforschungszentrum Hohenstein Institute die Reihenmessung durchgeführt. „Viele Unternehmen haben schon etwas umgesetzt“, sagt sie. Erste Kleidungsstücke wurden angepasst, Online-Unternehmen überarbeiteten ihre Größenberechnungstabellen.

Mittlerweile werden zumindest die grundlegendsten Messergebnisse den Textil-Unternehmen „zu einem sehr günstigen Preis“ zur Verfügung gestellt, erklärt Rissiek. „Die breite Industrie braucht diese Daten.“

Ein anderes Ärgernis sind international unterschiedliche Größen. „Es gibt seit langem eine Arbeitsgruppe in der EU, die sich mit der Angleichung von Konfektionsgrößen beschäftigt“, sagt Rissiek. Sie vermutet, dass langfristig eine einheitliche EU-Größe zusätzlich zu den nationalen Größeneinheiten eingerichtet wird.

 

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