Interview

DDG-Chef Gallwitz: "Wir sind froh über neue Priorisierung"

Der Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft zum Thema Corona-Impfungen.
| Julia Sextl
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DDG-Chef Baptist Gallwitz.
DDG-Chef Baptist Gallwitz. © Uniklinik Tübingen

AZ-Interview mit Baptist Gallwitz: Der 63-Jährige ist Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik IV am Universitätsklinikum Tübingen.

AZ: Herr Professor Gallwitz, als Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft haben Sie bereits Einblick in den Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Änderung der Priorisierung bei den Corona-Impfungen erhalten. Was halten Sie davon?
BAPTIST GALLWITZ: Wir sind sehr froh, dass die Priorisierung überarbeitet wurde. Damit rückt eine sehr, sehr große Zahl von Menschen mit Diabetes in der Priorisierung eine Kategorie nach vorn. Diabetiker ab 65 Jahren zählen dann zur Kategorie "Höchste Priorität". Diejenigen, die jünger sind, stehen an zweiter Stelle, wenn sie einen Blutzucker-Langzeitwert über 7,5 Prozent oder nachweisbare Folgeerkrankungen haben.

Diabetes wird oft verharmlost

Warum sind Diabetiker so gefährdet?
Generell haben Menschen mit schweren Begleiterkrankungen bei Diabetes, wie Gefäßerkrankungen, hoher Blutdruck oder Adipositas, ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Bei Menschen mit stark erhöhten oder stark schwankenden Blutzuckerwerten weiß man, dass das Immunsystem nicht ausreichend gut arbeitet. Deshalb kommt es zu einer schlechteren Abwehr und auch zu mehr Entzündungen vor allem der Gefäße im Körper - und das wiederum begünstigt einen schweren Verlauf bei Covid-19.

Warum waren dann Diabetiker bei der Impf-Priorisierung nicht gleich weiter vorn?
Das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Diabetes generell als chronische Erkrankung - die gleichzeitig immer mehr zunimmt - gern ein bisschen verharmlost und nicht ernst genommen wird.

Man hat diese Gruppe also übersehen?
Genau.

Zu harsche Kritik an der Politik?

Ein Versäumnis der Politik?
Ich möchte mich hier mit Kritik eher zurückhalten. Wir haben es doch mit einer völlig neuen gesundheitlichen Bedrohung zu tun. Da muss man auch sehen, dass vieles sehr gut gelaufen ist: wie schnell es möglich war, das Virus nachzuweisen und damit auch Infektionsketten nachzuverfolgen, wie schnell verschiedene Impfungen entwickelt wurden, die ein gutes Ansprechen zeigen. Ich bin froh, dass im Gesundheitswesen generell auf die Entwicklung der Pandemie schnell und angemessen reagiert wird.

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Das sieht nicht jeder so.
Diese Kritik ist zum Teil überzogen. Ich sehe auch sehr viel Kritik bei der Diskussion, wer zuerst geimpft werden soll - gleichzeitig wird aber sehr wenig darüber diskutiert, wie es mit der Impfstoffverteilung weltweit aussieht. Deutschland steht doch im Grunde genommen relativ gut da.

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