"Das ist sanitär ein Problem": Südtiroler Gemeinden wollen Wildcamper vertreiben
Südtirol ist ein beliebtes Urlaubsziel – auch für Bayern, auch für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der seit Jahrzehnten in der Region Kurzurlaube verbringt. Er ist ein gern gesehener Gast. Ganz anders als Wildcamper, die zunehmend zum Problem in den Tourismus-Hotspots werden. In Wolkenstein im Grödnertal etwa will die Gemeinde mit allen – auch gerichtlichen – Mitteln ihr erst vor einem halben Jahr erlassenes Übernachtungsverbot in Fahrzeugen durchsetzen, wie das Portal stol.it berichtet.
Dabei gehe es um Camper, aber auch um Wohmobile und andere Fahrzeuge, die zur Übernachtung genutzt werden. Das Vorhaben habe aber massive Kritik der italienischen Camper-Vereinigung hervorgerufen. Der Grund: Nach deren Ansicht sei die Verordnung der Gemeinde diskriminierend, "weil sich das Verbot ausschließlich gegen Wohnmobile und Camper richte und damit das Gleichheitsprinzip der Straßenverkehrsordnung verletze", so das Portal.

Dem sei nicht so, wird Gemeindereferent Ernest Cuccarollo zitiert: "Wenn jemand sein Fahrzeug am Straßenrand parkt, um darin zu übernachten, muss er sich abends und morgens waschen und auf die Toilette gehen und möglicherweise nimmt er an Ort und Stelle auch Mahlzeiten ein. Die deutlichen Spuren all dieser verständlichen menschlichen Aktivitäten finden sich dann am Wegesrand und das kann und darf es nicht sein." Seit Inkrafttreten des Verbots seien weniger Camper nach Wolkenstein gekommen, so Bürgermeister Tobias Nocker zu stol.it.

Doch die Camper-Vereinigung hat Beschwerde eingelegt – und die Chancen, dass Wolkensteins Verbot vor dem zuständigen Verwaltungsgericht Bestand hat, sei nur mäßig, berichtet der italienische Sender Rai. Es gebe "haufenweise Urteile, in denen sich die nationale Campervereinigung gegen Gemeinden in ganz Italien durchgesetzt hat”, sagte der Anwalt der Gemeinde, Christoph Perathoner, dem Sender.
"Das ist sanitär ein Problem"
Wolkenstein ist mit der Problematik nicht allein. Auch Kastelruth will mit Verboten Herr der Lage werden. "Grundsätzlich sind die Wildcamper ein Problem, weil sie die öffentlichen Parkplätze blockieren. Dann hinterlassen sie vielfach Müll. Und wenn sie zum Beispiel in die angrenzenden Wälder gehen und dort ihre Notdurft verrichten, ist das sanitär ein Problem" — so schilderte Bürgermeisterin Cristina Pallanch Rai die Situation. Eine Camperin aus Bayern bedauerte dies: "Man ist ja quasi schon drauf angewiesen, dass man wo stehen kann, oder man muss halt den einzigen Campingplatz nehmen, der 58 Euro nur für den Stellplatz kostet", sagte sie Rai.

Am Kalterer See ist man ebenfalls mit dem Wildcampen und seinen Auswüchsen konfrontiert. Auch hier plant man laut stol.it ein nächtliches Parkverbot mit Abschleppung, unter anderem entlang des Seerundwanderweges. Umweltverschmutzung und unerlaubtes Campieren sollten eingedämmt werden.

Die Politik haben die betroffenen Gemeinden schon einmal auf ihrer Seite: Der Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus Luis Walcher (SVP) hat Gemeinden ermuntert, gegen das Wildcampen mit Verordnungen vorzugehen. Wildcampen sei "ein Phänomen geworden, das überhandgenommen hat". 2024 gab es insgesamt auf Camping- und Stellplätzen in Südtirol rund zwei Millionen Übernachtungen.
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