Das hässliche Gesicht des Fußballs
In der englischen Hauptstadt ist es beim Spiel zwischen West Ham und Millwall zu den schwersten Ausschreitungen seit Jahren gekommen. In Bolivien ging brutale Gewalt nicht von den Fans, sondern von einem Spieler aus.
Kaum eine Feindschaft zwischen zwei Fußball-Klubs in Europa reicht so tief wie die zwischen West Ham United und dem FC Millwall. Kein Spiel vergeht, ohne dass sich die berüchtigten Hooligans der beiden Vereine aus dem Osten Londons Auseinandersetzungen liefern. Glücklicherweise kam dies zuletzt selten vor, da die Teams in unterschiedlichen Ligen spielen, die letzte Partie fand 2005 statt.
Nun trafen Erstligist West Ham und Drittligist Millwall am Dienstag in der zweiten Runde des englische Liga-Pokals erstmals wieder aufeinander. Dabei kam es wie befürchtet zu schweren Ausschreitungen zwischen gewalttätigen Fans und der Polizei. Augenzeugen sprachen nach dem Spiel von den schlimmsten Vorfällen der letzten 30 Jahre. «Es war wie im Krieg», sagte ein Millwall-Fans der englischen BBC, «ich war mit meinen Kindern dort und sie mussten unglaubliche Gewalttaten mitansehen.»
«Es war wie im Krieg»
Die Krawalle begannen bereits vor dem Anpfiff. Vor dem Upton Park, dem Stadion von West Ham, lieferten sich hunderte Hooligans Schlägereien und bewarfen die Polizei mit Steinen und Flaschen. Ein 44-jähriger Mann wurde dabei niedergestochen, er ist aber außer Lebensgefahr, wie die Polizei mitteilte. Die Gewalt setzte sich im Stadion fort. Mehrmals musste die Partie unterbrochen werden, nachdem Zuschauer den Rasen gestürmt hatten. Der englische Fußball-Verband FA kündigte am Mittwoch Ermittlungen an. «Wir verurteilen das gesamte Chaos, dass sich im Upton Park ereignet hat», sagte ein Verbandssprecher. «Wir erwarten, dass alle Übeltäter ihr Leben lang vom Fußball ausgeschlossen werden - sie haben keinen Platz in unserem Spiel.»
Kung-Fu-Tritt an den Hals
Ein ebenso schockierender Gewaltausbruch ereignete sich sich am vergangenen Wochenende in Bolivien. Dort sorgte jedoch ein Spieler für entsetzte Gesichter. Beim Erstliga-Spiel zwischen Oriente Petrolero und Blooming streckte Blooming-Verteidiger Sergio Jauregui seinen Gegenspieler Leonardo Medina mit einem Kung-Fu-Tritt an den Hals nieder. Beide Profis waren kurz zuvor wegen unsportlichen Verhaltens des Feldes verwiesen worden.
Auf dem Gang in die Kabinen trat der Urugayer dann plötzlich zu. Medina musste mit einer Quetschung des Zungenbein-Knochens ins Krankenhaus gebracht werden. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Jaregui aufgenommen, ihm drohen wegen schwerer Körperverletzung strafrechtliche Konsequenzen. (nz/dpa)