Brandkatastrophe in Australien: Der Kampf der Koalas

Viele Tiere in Australien haben ihren Lebensraum verloren – oder gar ihr Leben. Ein AZ-Autor erinnert sich an seine Reise, bei der noch alles in Ordnung war.
| Klaus Wiendl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Zu tausenden verbrennen in Australien Koalas, Wombats, Schnabeltiere und Kängurus.
imago/AAP Zu tausenden verbrennen in Australien Koalas, Wombats, Schnabeltiere und Kängurus.

Seit Monaten toben die Feuer in Australien – mit Folgen auch für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Vögel stürzen von der Hitze erschöpft zu Boden. Koalas verbrennen auf den Bäumen, Kängurus in den Drahtzäunen. Als Reisender vor gut einem Jahr erlebt der Autor dieser Zeilen noch intakte Habitate. Ein Rückblick.

Wir durchquerten Australien von Nord nach Süd im Wohnmobil. Immer wieder begeisterten uns Outback und Tierwelt, die so ganz anders als auf anderen Kontinenten sind. Neben dem unwidersprochenen Highlight, dem Uluru, dem gewaltigen rötlichen Sandsteinmassiv mitten in der Wüste, waren es Kängurus und vor allem Koalas, die uns ans Herz wuchsen. Besonders viele von den Beutelsäugern wurden auf der Känguru-Insel (Kangaroo Island) vorhergesagt.

Koalas, Wombats, Kängurus: Die Tierwelt Australiens ist einzigartig

Sie liegt etwa 15 Kilometer vor dem Festland von South Australia, nordwestlich von Adelaide. Mit der Fähre ist sie in gut einer Stunde zu erreichen. Über ein Drittel der 145 Kilometer langen Insel ist Naturschutzgebiet und Heimat für einheimische Wildtiere wie Seelöwen, verschiedene Vogelarten, Koalas und Wombats. Letzterer, dem Koala als Beutelsäuger nicht unähnlich, durchwühlte nachts auf der Suche nach Fressbarem die Abfalltonnen auf den Campingplätzen. Anders dagegen die Koalas, sie hingen meist auf den Eukalyptusbäumen und dämmerten so durch den Tag.

Ein Glücksfall war ein Koala auf der Straße eines Nationalparks. Er bewegte sich nur, wenn man ihm zu nahe kam. Dann verzog er sich wieder in vertrautes Terrain nach oben und ließ sich bewundern. In einer Känguru- und Koala-Farm wurden reihenweise Besuchergruppen zu den in den Bäumen hängenden Koalas geführt.

Koalas sind vom Aussterben bedroht

Sie waren eindeutig die Attraktion. Sie sind durch den Verlust ihrer Lebensräume vom Aussterben bedroht. In manchen Regionen Australiens ging die Population der Koalas zwischen 1990 und 2010 bereits um 42 Prozent zurück.

Und nun seit Monaten dieses Feuerinferno, das auch vor der entlegenen Känguru-Insel nicht Halt macht. Wer dieses Naturparadies jemals gesehen hat, den lassen diese Schreckensmeldungen nicht unberührt.

Die Populationen der Koalas sind massiv betroffen

Erste Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der 50.000 Koalas auf der Insel ums Leben gekommen sind und es über 40 Jahre dauern würde, bis die Habitate wiederhergestellt seien. Den Koalas ist die Nahrung entzogen, ihre Eukalyptusbäume.

Herzzerreißende Fotos und Videos zeigen Koalas mit angesengter Nase, verkohltem Fell und verbrannten Pfoten. Andere trinken gierig aus Wasserflaschen, die ihnen von Helfern gereicht werden, oder werden von Truck-Fahrern gerettet. Koalas können nicht wie Kängurus oder Wallabys weghüpfen. Sie rollen sich während der Brände in den Bäumen zusammen – was verheerend ist.

Ein halbe Milliarde Tiere sind betroffen

Auch Bilder von verkohlten Kängurus treffen schwer. In den Bränden sind seit Beginn im Oktober landesweit mindestens 25 Menschen und etwa 480 Millionen Tiere ums Leben gekommen. Der WWF Australien schätzt gestern sogar, dass insgesamt etwa 1,25 Milliarden Tiere direkt oder indirekt durch die Brände getötet wurden.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich unglaubliche Tragödien. Diese lassen einen nicht kalt, wenn man das Land lieben gelernt hat. Gerade der Koala ist das Symboltier Australiens.

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren