Bollerwagen und Bier: Warum der Vatertag weiter aktuell ist

Feiern, Saufen, Zoff: Am Vatertag ist vielerorts Ausnahmezustand. Was steckt hinter dem Kult um die feuchtfröhlichen Bollerwagen-Touren und warum boomt der Brauch trotz neuer Rollenbilder?
dpa |
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Alkohol gehört für viele zum Vatertag dazu. (Archivbild)
Alkohol gehört für viele zum Vatertag dazu. (Archivbild) © Frank Hammerschmidt/dpa
Potsdam

Saufgelage, Partys und Touren mit dem Bollerwagen: Am Vatertag - oder auch Herrentag - gehören Ausflüge mit Alkohol für viele dazu. Oft ziehen Gruppen von Männern umher, um sich zu feiern, zeitgleich zum Himmelfahrtstag. Rund um das Jahr 1900 entstand der Tag für den Vater - erst mal vor allem im Berliner Raum, heißt es vom Leibniz-Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam. 

In mehr als 100 Jahren hat sich das Familienbild gewandelt. Ist da dieser Tag noch zeitgemäß? Ja, unbedingt, sagt Forscher Christopher Neumaier, der auch außerplanmäßiger Professor an der Universität Potsdam ist. "Die Geschlechterrollen haben sich ein Stück weit gewandelt, aber dieser Ausflugstag, dieses Feiern, das Alkoholkonsumieren, das hat sich gehalten."

Forscher: Rollenbild in vielen Paarbeziehungen bleibt traditionell

Mehr noch: Der Brauch habe sich fester verankert. "Der Vatertag hat als ein traditionelles Element einen großen Boom erfahren." Im Durchschnitt ziehe sich weiter ein traditionelles Rollenbild durch die deutschen Paarbeziehungen - das spiegele sich auch im Blick auf den Vatertag, sagt der Zeithistoriker. Eskapaden gehörten für viele Männer zu "ihrem" Tag dazu. 

Die Polizei hat deswegen am Himmelfahrtstag oft besonders viel zu tun - und muss wegen Prügeleien und Auseinandersetzungen unter Betrunkenen ausrücken. Die Wasserschutzpolizei im Westen von Brandenburg hat zum Beispiel angekündigt, verstärkt zu kontrollieren, wenn Ausflügler auf Flüssen und Seen unterwegs sind.

"Irrelevant, ob die Männer auch Väter werden wollen"

Warum der Tag vielerorts statt Vatertag auch Herrentag oder Männertag heiße? "Es gehen Väter feiern, aber es gehen auch junge Männer oder Jungs feiern, die noch keine Väter sind", erklärt Neumaier. "Aus deren Perspektive ist es irrelevant, ob sie eben auch Väter werden wollen." Das spiele an diesem Tag in ihrer Gruppe keine Rolle - und dann sei auch der Name Vatertag nicht so richtig passend. 

Während etwa Bierbecher symbolisch für den Vatertag stehen, sind es beim Muttertag eher Blumensträuße: Begleitet wird der Tag immer auch von dem Vorwurf, es sei ein Tag, an dem sich der Vater mit feuchtfröhlichen Ausflügen selbst feiere - während am Muttertag vor allem der Dank und die Leistung der Mutter im Vordergrund stehen.

Wird der Vatertag so kommerziell wie der Muttertag?

Geschichtlich habe das seinen Hintergrund in der demografischen Entwicklung, sagt Neumaier, der auch ein Buch über die Rolle der Frau in Ost- und Westdeutschland geschrieben hat. Es sei vor allem um Geburten von Kindern und deren Erziehung gegangen. "Und diese Rahmenbedingungen haben dann auch dazu geführt, dass der Tag im Nationalsozialismus für rassenideologische und bevölkerungspolitische Ziele des NS-Regimes genutzt wurde."

Und wo geht es hin mit dem Vater-, Männer-, Herrentag? Der Wissenschaftler Neumaier geht von einer weiteren Kommerzialisierung des Tages aus. "Was man untersuchen könnte: Gibt es mehr gezielte Angebote für die Väter, die lanciert werden?" Er denkt zum Beispiel an Wirtshäuser, Biergärten und Brauereiunternehmen, die versuchen, die vorbeiziehenden Bollerwagen-Trupps abzugreifen.

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