Bettina Wulff: Die misslungene PR-Kampagne

Vollbremsung in der PR-Offensive: Bettina Wulff sagt alle geplanten Talkshow-Besuche ab. Die Kritik am Buch scheint sie zu überraschen. Statt Mitleid empfinden viele Deutsche Empörung
| V. Assmann
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Wieder zurückgestellt: 94 Prozent der Deutschen wollen Bettina Wulffs Buch "Jenseits des Protokolls" nicht kaufen, ergab eine Umfrage.
dapd Wieder zurückgestellt: 94 Prozent der Deutschen wollen Bettina Wulffs Buch "Jenseits des Protokolls" nicht kaufen, ergab eine Umfrage.

MÜNCHEN Nein, so hatte sich Bettina Wulff das offenbar nicht ausgemalt: Mag sie ihr Buch „Jenseits des Protokolls” noch so profimäßig ins Rampenlicht gehoben haben, die Kritik an dem Werk bleibt massiv. Jetzt zog sie ihre Konsequenzen: Die ehemalige First Lady sagte alle vereinbarten Talkshow-Besuche ab.

Dabei war eigentlich alles so genau geplant: Die PR-Kampagne für das Buch sah mehrere Akte vor. Der Auftakt – Bettina Wulff zieht ins Feld gegen Jauch und Google – glich am vergangenen Wochenende einem Trommelwirbel. Und um die Neugier der potenziellen Buchkäufer wach zu halten, folgten eine Woche lang Titelblätter und Exklusiv-Interviews mit der 38-Jährigen. Sie blickte vom Titel des „Stern” („Jetzt rede ich!”), ebenso wie von der „Gala” („Jetzt kann ich wieder besser leben”).

Diese Woche sollte nun ein weiterer Akt folgen – in Bewegtbildern: Am Dienstag in der ARD bei Sandra Maischberger (im Talk unter anderem mit Medienberater Alice Schwarzer), am Freitag beim NDR-Talk „III nach 9”. Beide Sendungen werden sich nun andere Themen suchen müssen. Der Redaktion „Menschen bei Maischberger” sagte Wulff am Samstagvormittag ab. Wie es auf der Homepage der Sendung heißt: „Bettina Wulff hat sich entschlossen, derzeit keine Medientermine wahrzunehmen.” Das gleiche gilt für Print-Interviews: Ein bereits mit der „Welt am Sonntag” geführtes Gespräch ließ sie nicht veröffentlichen.

Über die Hintergründe für die plötzliche Vollbremsung lässt sich nur spekulieren. Man darf wohl vermuten: Mit der massiven Kritik an ihrem Buch und den „Geltungssucht”-Vorwürfen in Online-Rezensionen hatte sie nicht gerechnet – darüber ist sie erstaunt, vielleicht beleidigt. Auch Ehemann Christian wird wohl ein Wort mitgeredet haben. Es scheint, der PR-Frau ist die Kampagne aus dem Ruder gelaufen.

Sicher hätte sich Wulff mehr Mitleid für die gestreuten Rotlicht-Verleumdungen und die von ihr als belastende Tätigkeit als First Lady gewünscht. Doch das empfinden laut einer Emnid-Umfrage nur 15 Prozent der Deutschen. Das Thema, das die Menschen mehr beschäftigt, ist die öffentliche Ausschlachtung der Beziehung zu Christian Wulff. 54 Prozent der Deutschen glauben, dass Bettina Wulff ihm mit ihrem Buch schadet. Der Grund sind Sätze wie dieser, die nach Ab-, wenn nicht gar nach Berechnung, klingen: „Ich sollte alles mittragen, mit ertragen, alles mit erleiden, aber letztlich, wo es nun zu Ende war, blieb mir nur die Besetzung als stumme Statistin.”

Interesse scheint das nicht zu wecken: 94 Prozent der Befragten gaben an, das Werk nicht kaufen zu wollen.

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