Bankraub mit Inside-Job? Verteidiger weist Vorwürfe zurück
Nach dem millionenschweren Einbruch in eine Sparkasse in Baden-Württemberg hat der Anwalt eines der mutmaßlichen Bankräuber die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurückgewiesen. Es gebe keine Beweise, dass der 23-Jährige im August 2025 mit Komplizen in einer Bank in Güglingen südwestlich von Heilbronn fast 80 Schließfächer ausgeräumt und eine millionenschwere Beute gemacht habe, sagte der Verteidiger zum Prozessauftakt vor dem Heilbronner Landgericht. Den Ermittlern warf der Jurist "Totalversagen" vor.
Die Staatsanwältin ist dagegen überzeugt: Der Deutsche auf der Anklagebank ist im vergangenen Sommer in eine Filiale der Kreissparkasse Heilbronn eingestiegen. Mit der Beute habe er seinen aufwendigen Lebensunterhalt finanzieren wollen. Nach bisherigen Ermittlungen brachen die Täter bei dem nächtlichen Beutezug zahlreiche Schließfächer im Tresorraum auf und klauten Gegenstände wie Schmuck und Geld im Wert von drei Millionen Euro. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur.
Ex-Mitarbeiter soll mit dabei gewesen sein
Ein mutmaßlicher Komplize - ein ehemaliger Auszubildender der Bank - soll die mutmaßlichen Bankräuber mit der Zahlenkombination des Tresors, mit Fotos, Videos und dem Grundriss der Bank versorgt haben. Er wurde bereits im August 2026 zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt.
Der Verteidiger kritisierte zum neuen Prozessauftakt, dass die Vorwürfe gegen seinen Mandanten "einzig und allein" auf dem Geständnis des Auszubildenden beruhten. Es gebe weder Chatverläufe noch Telefonate und auch die Beute sei nicht zu finden. Die Ermittlungen seien einseitig gewesen. "Da stinkt etwas zum Himmel", sagte der Verteidiger in seiner einstündigen Erklärung und zeigte sich überzeugt von der Unschuld seines Mandanten.
Angesichts der Komplexität des Falls und der großen Zahl von mehr als 80 geladenen Zeugen rechnet das Gericht in diesem weiteren Prozess mit Verhandlungen bis mindestens Mitte Dezember.
Kein Einzelfall
Der Fall reiht sich ein in eine Serie aufsehenerregender Bank-Einbrüche der vergangenen Jahre. Erst kurz nach Weihnachten 2025 hatten Unbekannte in einer Sparkasse in Gelsenkirchen filmreif fast alle rund 3.100 Schließfächer aufgebrochen - von den Tätern fehlt bis heute jede Spur, der Schaden könnte in die dreistellige Millionenhöhe gehen.
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