Andere Männer, andere Grills: Die Brutzler-Typologie

Die einen befeuern ihren Hightechgrill, anderen reicht ein Rasenrechen. Was dem Mann ein Grill bedeutet – eine kleine Typologie zum Durchklicken.
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Zu welchem Grill-Typ gehören Sie? Testen Sie es in unserer Bilderstrecke.
fotolia/dpa 13 Zu welchem Grill-Typ gehören Sie? Testen Sie es in unserer Bilderstrecke.
Der Wurstverbrenner:
Qualität ist ihm wurscht: Es geht ihm um Tempo, Feuer und den Geruch von verbranntem Fleisch. Seinen Grill hat er an der Tankstelle erworben, auf einer simplen Dreibein-Konstruktion aus dünnem Blech liegt ein einfacher Rost. Die Kohle entfacht er, indem er einen großzügigen Schuss Brennspiritus zum Beschleunigen verwendet...
dpa 13 Der Wurstverbrenner: Qualität ist ihm wurscht: Es geht ihm um Tempo, Feuer und den Geruch von verbranntem Fleisch. Seinen Grill hat er an der Tankstelle erworben, auf einer simplen Dreibein-Konstruktion aus dünnem Blech liegt ein einfacher Rost. Die Kohle entfacht er, indem er einen großzügigen Schuss Brennspiritus zum Beschleunigen verwendet...
Noch bevor die Kohle Zeit zum Durchglühen hat und weiße Asche zeigen kann, reißt er ein Paket Nürnberger Rostbratwürste vom Discounter auf und schmeißt den glibbrigen Inhalt aufs Metall.
dpa 13 Noch bevor die Kohle Zeit zum Durchglühen hat und weiße Asche zeigen kann, reißt er ein Paket Nürnberger Rostbratwürste vom Discounter auf und schmeißt den glibbrigen Inhalt aufs Metall.
Der Hightechgriller:
Seine Grillstation kostet so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen, seine Briketts kommen aus Ecuador und sind handverlesen, sein Stück Fleisch hat er in der Schweiz beim Spezialisten für Dry-Aging bestellt. Er trinkt Wein, der selbst Peer Steinbrück zu teuer wäre und ist mit sich selbst zufrieden...
dpa 13 Der Hightechgriller: Seine Grillstation kostet so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen, seine Briketts kommen aus Ecuador und sind handverlesen, sein Stück Fleisch hat er in der Schweiz beim Spezialisten für Dry-Aging bestellt. Er trinkt Wein, der selbst Peer Steinbrück zu teuer wäre und ist mit sich selbst zufrieden...
... Dass beim Nachbarn immer mehr und lauter gelacht wird, wenn an den profanen Kugelgrill geladen wird, das ärgert ihn dann aber doch ein wenig.
dpa 13 ... Dass beim Nachbarn immer mehr und lauter gelacht wird, wenn an den profanen Kugelgrill geladen wird, das ärgert ihn dann aber doch ein wenig.
Der Übervorsichtige:
Offenes Feuer ist ihm suspekt und mit Grillgeruch die Nachbarn ärgern mag er auch nicht. Um trotzdem am Spiel teilnehmen zu dürfen, hat er sich einen Elektrogrill gekauft...
dpa 13 Der Übervorsichtige: Offenes Feuer ist ihm suspekt und mit Grillgeruch die Nachbarn ärgern mag er auch nicht. Um trotzdem am Spiel teilnehmen zu dürfen, hat er sich einen Elektrogrill gekauft...
... Aber leider können die Wärmestäbe über der Wasserwanne das echte Grillen nicht ersetzen. Eigentlich weiß er das, und manchmal macht ihn das ein wenig traurig.
dpa 13 ... Aber leider können die Wärmestäbe über der Wasserwanne das echte Grillen nicht ersetzen. Eigentlich weiß er das, und manchmal macht ihn das ein wenig traurig.
Der Alleskönner:
Er kann mit dem Grill umgehen wie ein Meisterkoch mit der Pfanne. Er kennt die besten Rubs, Marinaden und Saucen. Er weiß, was es heißt, wenn „das Huhn ins Brining-Bad“ muss und kennt alles über Mehrzonenglut und indirektes Garen...
dpa 13 Der Alleskönner: Er kann mit dem Grill umgehen wie ein Meisterkoch mit der Pfanne. Er kennt die besten Rubs, Marinaden und Saucen. Er weiß, was es heißt, wenn „das Huhn ins Brining-Bad“ muss und kennt alles über Mehrzonenglut und indirektes Garen...
... Er kauft beim „Metzger seines Vertrauens“ höchstens mal ein bisschen Brät, aber Würstel? Nein, natürlich nicht – er wurstet selbst. Manchmal möchte man ihm raten, er möge sich ein wenig locker machen.
dpa 13 ... Er kauft beim „Metzger seines Vertrauens“ höchstens mal ein bisschen Brät, aber Würstel? Nein, natürlich nicht – er wurstet selbst. Manchmal möchte man ihm raten, er möge sich ein wenig locker machen.
Der Experimentator:
Von Grills aus dem Laden hält er gar nichts. Entweder hebt er ein Erdloch aus, um darin ein Feuer zu entfachen und anschließend ein Lamm zu vergraben oder er macht sich auf die Suche nach Grillrechen und Einkaufswagen. Ein Rasenrechen hält als Grillersatz auf seinen Zinken locker bis zu zwanzig Würstchen...
dpa 13 Der Experimentator: Von Grills aus dem Laden hält er gar nichts. Entweder hebt er ein Erdloch aus, um darin ein Feuer zu entfachen und anschließend ein Lamm zu vergraben oder er macht sich auf die Suche nach Grillrechen und Einkaufswagen. Ein Rasenrechen hält als Grillersatz auf seinen Zinken locker bis zu zwanzig Würstchen...
... Die „Urban-Grilling-Methode“ mit einem Einkaufswagen ist allerdings nicht nur illegal (so ein Einkaufswagen ist mit dem 1-Euro-Stück in der Grillschublade noch lange nicht bezahlt), sondern auch ziemlich ungesund. Die meisten Modelle haben einen Korrosionsschutz aus Zink oder Chrom, der bei hoher Hitze giftige Dämpfe abgibt.
dpa 13 ... Die „Urban-Grilling-Methode“ mit einem Einkaufswagen ist allerdings nicht nur illegal (so ein Einkaufswagen ist mit dem 1-Euro-Stück in der Grillschublade noch lange nicht bezahlt), sondern auch ziemlich ungesund. Die meisten Modelle haben einen Korrosionsschutz aus Zink oder Chrom, der bei hoher Hitze giftige Dämpfe abgibt.
Der Blut-Schweiß-Tränen-Griller:
Er hat mit zwei Freunden den Winter in der Garage verbracht und in stundenlanger Arbeit einen Smoker nach amerikanischer Tradition geschweißt. 
Im Frühjahr wird die Stahltonne, die gut hundert Kilo wiegen kann, nach draußen geschleppt und schon früh morgens angeheizt...
dpa 13 Der Blut-Schweiß-Tränen-Griller: Er hat mit zwei Freunden den Winter in der Garage verbracht und in stundenlanger Arbeit einen Smoker nach amerikanischer Tradition geschweißt. Im Frühjahr wird die Stahltonne, die gut hundert Kilo wiegen kann, nach draußen geschleppt und schon früh morgens angeheizt...
... Mit den Freunden, mit denen er schon ein Schweißgerät teilte, sitzt er nun bis zu acht Stunden vor dem Rohr, wartet, bis die riesigen Spareribs langsam fertig gegart sind und trinkt Bier.
Sehr viel Bier. So viel Bier, dass er am Abend, wenn das Fleisch fertig ist, längst keinen Hunger mehr hat.
dpa 13 ... Mit den Freunden, mit denen er schon ein Schweißgerät teilte, sitzt er nun bis zu acht Stunden vor dem Rohr, wartet, bis die riesigen Spareribs langsam fertig gegart sind und trinkt Bier. Sehr viel Bier. So viel Bier, dass er am Abend, wenn das Fleisch fertig ist, längst keinen Hunger mehr hat.

Und wie es sie jetzt in den Fingern juckt, die Pyromanen unter Münchens Männern. Endlich zündeln, brutzeln, Rauch entfachen – und den Urtrieb der Männer zelebrieren: Grillen!

„Grillen ist die letzte Bastion des Mannes“, sagt der Männerkenner, Autor und AZ-Kolumnist Eduard Augustin („Ein Mann – Ein Buch“). „Kein Mann würde je freiwillig seine Grillzange aus der Hand geben oder seine Feuerstelle übergeben – schon gar nicht an eine Frau!“

Am Grill nämlich „beherrscht er eine Naturgewalt, das Feuer. Da verlässt der Mann die Zwänge der Zivilisation, hängt sein Sakko an den Haken, streift das Fell über und wird wieder Jäger, Fährtenleser und Stammesoberhaupt.“

Und weil Männer für jeden Tipp dankbar sind, der sie am Grillrost besser aussehen lässt, hat Augustin mit seinen Autorenkollegen Matthias Edlinger und Philipp von Keisenberg ein neues Standardwerk für Grilleure verfasst: „Ein Mann – Ein Rost. Das Grillbuch“ (s. Kasten unten). Für die AZ erklärt er, was dem Mann sein Grill bedeutet. Eine kleine Typologie der Grilleure

 

 

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