Als Croissant, mit Spargel oder Erdbeeren: Döner wird zum Food Hype

Er ist Kult-Snack und mittlerweile Projektionsfläche für immer wildere Ideen: Vom Döner-Croissant über Spargel im Fladenbrot bis hin zum Schoko- oder Erdbeer-Döner zeigt sich, wie experimentierfreudig Deutschlands Imbisskultur geworden ist.
von  (dr/jmk/spot)
Der klassische Döner bekommt immer mehr Konkurrenz von neuen Döner-Kreationen.
Der klassische Döner bekommt immer mehr Konkurrenz von neuen Döner-Kreationen. © Lidl

Wie schnell aus einer Idee ein echter Food-Hype entstehen kann, hat am Wochenende Lidl in Berlin gezeigt. Was zunächst als Aprilscherz begann, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem realen Streetfood-Ereignis. Nachdem ein Social-Media-Post zum Döner-Croissant mit zehntausenden Likes und Kommentaren auf starke Resonanz gestoßen war, setzte die Supermarkt-Kette die Idee zusammen mit MuCa Kebap in Berlin-Kreuzberg tatsächlich um. Am Samstag, dem 11. April, wurden dort die ersten 1.000 Kundinnen und Kunden mit einem gratis Döner-Croissant versorgt. Es bildeten sich lange Schlangen, zeitweise warteten hunderte Menschen auf eines der limitierten Exemplare.

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Die Szene machte sichtbar, wie schnell sich virale Food-Ideen inzwischen aus dem Netz in den realen Stadtraum übertragen. Die dynamische Umsetzung vom Gag zur echten Aktion zeigt, wie groß die Lust auf neue Döner-Ideen inzwischen ist. Aus einem augenzwinkernden Social-Media-Gag wurde innerhalb weniger Tage ein Trend, der nicht nur vor Ort, sondern auch in TV und online für Aufmerksamkeit sorgte und von Food-Creators und anderen Social-Media-Kanälen auf TikTok, Instagram und Co. aufgegriffen wurde. Schon kurz nach der Berliner Aktion tauchte das Döner-Croissant auch andernorts auf: Erste Imbisse nahmen die Kombination vorübergehend ins Sortiment auf. Die ungewöhnliche Verbindung scheint also auch geschmacklich zu überzeugen.

Fakt ist: Kaum ein anderer Snack ist in Deutschland so fest im Alltag verankert und zugleich so offen für immer neue Spielarten. Dass solche Ideen auf Resonanz stoßen, überrascht kaum. Der Döner ist trotz deutlich gestiegener Preise weiter ein Massenphänomen. Laut Medienberichten legte die Zahl der Bestellungen zuletzt sogar um 15 Prozent zu. In einer YouGov-Umfrage von Mai 2025 gaben zudem 35 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Monat Döner zu essen. Der Klassiker ist so etabliert, dass er immer häufiger auch als Bühne für kreative Neuinterpretationen und virale Food-Hypes dient.

Döner neu gedacht

Besonders sichtbar wird das an zahlreichen Varianten des türkisch-deutschen Snack-Klassikers. Wie experimentierfreudig das Thema inzwischen geworden ist, zeigt ein Beispiel aus Oldenburg: Dort verkauft Hani Alhay im Winter einen Grünkohl-Döner. Nach Angaben der "Hannoverschen Allgemeinen" ist die Variante als Verbindung von norddeutscher Küche und orientalischem Imbiss gedacht; serviert wird der gewürzte Grünkohl mit Tsatsiki und Salat in der Pitatasche oder als Tellergericht. Schon zuvor hatte Alhay mit einem Kartoffeldöner auf sich aufmerksam gemacht. In dieselbe Richtung zielt auch der Spargel-Döner, der immer wieder als saisonale Sonderform des Klassikers auftaucht.

Noch deutlicher wird die Lust am kalkulierten Tabubruch beim Oktopus-Döner. In Karlsruhe serviert laut "ZDFheute" die Kette Pescobar seit 2025 einen Döner, bei dem statt Fleisch Oktopus-Tentakel mitsamt Saugnäpfen zu einem Spieß geformt, gebraten und dann wie gewohnt ins Fladenbrot geschnitten werden. Die Variante wird mit Salat, Radieschen, Gurken und Aioli angeboten. Im Netz und vor Ort sorgte das für viel Diskussion - auch wegen des Preises von 14 Euro.

Andere Varianten setzen weniger auf Provokation als auf Event-Charakter. So eröffnete Karls Erlebnisdorf in Elstal bei Berlin im April 2025 sogar einen eigenen Erdbeer-Döner-Bereich. Der dort angebotene Döner kommt mit rotem Brot und Saucen mit Erdbeer-Note daher, soll nach Angaben des Unternehmens aber gerade nicht als süße Nachspeise verstanden werden. Die Idee geht ebenfalls auf einen früheren Aprilscherz zurück.

Aber auch im Dessertbereich ist der Snack angekommen. Beim Schoko-Döner wird warmer Biskuitteig mit geraspelter Schokolade, Sahne und verschiedenen Toppings kombiniert; angeboten wird das Streetfood-Produkt unter anderem auf dem Tollwood-Festival in München. Das Prinzip erinnert klar an den herzhaften Klassiker, wird aber komplett ins Süße gedreht. Aus dem herzhaften Imbiss-Gericht wird so sogar ein kleines Show-Produkt.

Wie schnell der Döner aktuelle Food-Hypes aufsaugt, zeigt vor allem der Dubai-Döner. In der Hauptstadt sorgte laut "Berliner Morgenpost Ende 2024 ein Kreuzberger Gastronom mit einer solchen Variante für Aufsehen. Auch im fränkischen Bamberg wanderte wenig später ein Dubai-Döner ins Sortiment. Die Idee dahinter: den Social-Media-Trend um die Dubai-Schokolade kulinarisch auf den Imbiss-Klassiker zu übertragen.

Ganz ähnlich funktioniert der Döner-Taco, wie die "Berliner Zeitung" berichtet. Nur kulinarisch vielleicht etwas eleganter: In Berlin-Wilmersdorf wurde 2025 eine Version bekannt, die Dönerfleisch mit Maistortilla, Limette und Salsa kombiniert - also mexikanisches Streetfood mit Berliner Drehspieß-Twist. Ganz abwegig ist das nicht: Schließlich gilt auch der Taco al pastor als Gericht, das historisch aus der nach Mexiko gebrachten arabischen Shawarma-Technik hervorging - die dem Kebap-Spieß sehr ähnelt.

Wenn aus einem Gag ein Verkaufshit wird

Wie groß die Lust auf Grenzgänge ist, zeigt auch ein Blick ins hessische Nidda. Dort verkaufte die Stadtbäckerei Rank in der Faschingszeit einen Döner-Kreppel - also ein süßes Hefegebäck mit Dönerfleisch, Krautsalat, Tomate und Knoblauchsoße. Laut "Hit Radio FFH" gingen davon bereits in der ersten Woche rund 450 Stück pro Tag über die Theke, in den ersten zweieinhalb Wochen wurden demnach rund 140 Kilogramm Dönerfleisch verarbeitet.

Der Döner ist in Deutschland längst mehr als nur ein Snack. Weil das Gericht so präsent ist, eignet es sich ideal als Bühne für Food-Hypes, die online entstehen und mit etwas Glück auch offline weiterleben. Das Döner-Croissant von Lidl zeigt exemplarisch, wie aus einem Netz-Gag innerhalb weniger Tage ein realer Massenmoment werden kann - inklusive Warteschlangen, Creator-Echo und der nächsten Welle an Nachahmern. So bleibt der Döner auch in Zukunft ein Stück Alltagskultur, das immer neue Formen annehmen wird.

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