Alexa, Siri & Co. im Dialekt-Test: Bei "hinterfotzig" hapert's noch

Heute ist Tag der Muttersprache - für viele bedeutet die auch Dialekt. Wie gut können moderne Sprachsysteme damit umgehen?
| kre, sd, rbe
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Die App Siri beweist beim Thema Dialekt durchaus Humor - aber sie stößt auch an ihre Grenzen.
Lino Mirgeler/dpa Die App Siri beweist beim Thema Dialekt durchaus Humor - aber sie stößt auch an ihre Grenzen.

"Ich arbeite noch an Oachkatzlschwoaf", antwortet Siri - gefragt, ob sie Dialekt spreche. Ganz flüssig klingt die bairische Vokabel für Eichhörnchenschwanz tatsächlich noch nicht. Die Macher der Spracherkennung von Apple haben aber einiges programmiert:

Ein Selbsttest zeigt, dass aus dem bairischen "Buidl" erfolgreich "Bild" übersetzt wird. Der Google Assistant wiederum gibt "Ja leckst mi am Arsch" korrekt wieder - mal großzügig abgesehen von der möglichen Schreibweise "Oarsch".

Wer sich fränkisch mit "Adele" verabschiedet, der wird überrascht

Alexa von Amazon reagiert ebenfalls passend auf die auf Fränkisch gestellte Frage "Wie spät is es edzerdla?" (Wie spät ist es gerade?) . Auf die bairische Grußformel "Habe die Ehre" - wie auch immer schnell dahingenuschelt - antwortet Alexa total entzückt, sie habe auch die Ehre und freut sich dann einen Monolog lang, wie höflich man sich doch ausdrücke.

Gefragt, ob sie Dialekt sprechen kann, sagt sie übrigens: "Es tut mir leid, aber ich habe nur eine Stimme. Mir wurde jedoch gesagt, dies sei einer meiner besten Vorzüge."

Ist Dialekt also gar keine Herausforderung mehr für die Technik von heute? Nun ja . . . "Hinterfotzig" scheut sich Siri offenbar zu übersetzen - und macht daraus wahlweise "hinter 40" oder "Vorzüge". Aus "Kas" (für Käse) macht der Google Assistant "cars", was jede Frage ins Nirwana führt. Wer sich Fränkisch von Alexa mit "adele" im Sinne von tschüss verabschiedet, bekommt nicht wie üblich einen schönen Tag gewünscht, sondern Songtitel der Sängerin Adele vorgeschlagen. Es hapert auch bei "Du bist fei schee" ("Du bist wirklich schön"): Wenn man sie lobt, gibt Alexa eigentlich Komplimente zurück. Doch der Test geht total nach hinten los - sie versteht nämlich immer "Du bist scheiße" und antwortet: "Na, na, na, das ist aber nicht nett von Dir".

"Bei lernenden Systemen gibt es einen Toleranzbereich", sagt Sprachwissenschaftler Lars Bülow von der Universität Passau, der an Tests von Sprach-Dialog-Systemen im Automotive-Bereich mitgewirkt hat. Regional gefärbte Alltagssprache mit rollendem R oder dumpfem A mache der Technik meist keine großen Probleme. Zu berücksichtigen seien aber lexikalische Varianten - also unterschiedliche Wörter für ein- und denselben Begriff - sowie akustische und grammatikalische Variationen. "Wo viele Aspekte zusammenkommen wie in der Schweiz, könnte es komplizierter sein", sagt Bülow.

Allein Deutschland lasse sich bei der Unterscheidung von Dialekten in 40 bis 50 kleinräumige Regionen unterteilen, sagt der Forscher. Hinzu kämen Österreich und die Schweiz. Horst Münzinger vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte sagt, Forderungen nach eigenen Sprachmenüs je nach Dialekt seien kaum umsetzbar. Allein der bayerische Raum umfasse Bairisch, Schwäbisch und Fränkisch.

Zum bairischen Sprachstamm wiederum zählten nicht nur die Dialekte in Niederbayern, der Oberpfalz, Oberbayern, sondern auch in Österreich und Südtirol. "Wienerisch ist ein bairischer Dialekt", so Münzinger.

Aber Münzinger sieht es pragmatisch: "Der allergrößte Teil der Menschen ist zweisprachig." Die Leute im Oberland, in Niederbayern oder in der Oberpfalz könnten ausreichend Schriftdeutsch, schalteten im Zweifel auf Hochsprache und kämen so unfallfrei durch die Menüs.

"Die Frage ist, wie sensibel soll programmiert werden?", sagt Bülow. Interessant wäre natürlich ein Blick hinter die Kulissen. Doch Google möchte sich dazu nicht äußern. Amazon antwortet auf mehrfache Nachfrage nicht. Und auch Apple lässt sich beim Thema Dialekte/Spracherkennung nicht in die Karten gucken.

Bei der Frage nach den Dialekt-Kenntnissen beweist Siri Humor

Ein Sprecher verweist lediglich darauf, dass in den Systemeinstellungen des iPhones Sprachvarianten wie "Deutsch (Österreichisch)" und "Deutsch (Schweiz)" ausgewählt werden können.

Dabei haben sich Programmierer den einen oder anderen Scherz erlaubt: Fragt man Siri, ob sie Dialekt sprechen kann, bekommt man - je nach eingestellter Sprachvariante -

die Oachkatzlschwoaf-Antwort. Alternativ folgen: "Mein Dothrakisch ist gar nicht mal so schlecht", worüber "Game-of-Thrones"-Fans schmunzeln dürften. Oder "Ich darf von mir sagen, dass mein Hochvogonisch ganz okay ist", was mutmaßlich nur Freunde von "Per Anhalter durch die Galaxis" verstehen. Oder ein "Ich hab mal einen Crashkurs in Pfälzisch gemacht" - was auch immer das über Pfälzisch aussagt.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren