Ärger bei der Arbeit: So gehen Sie mit nervigen Kollegen um

Sie lästern, schieben Arbeit auf andere ab, reagieren nicht auf Kritik: Wie man richtig kontert – und wann man den Chef einschaltet.
| Verena Wolff
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Wenn der Büro-Segen schief hängt: Kollegen streiten sich im Konferenzraum.
imago Wenn der Büro-Segen schief hängt: Kollegen streiten sich im Konferenzraum.

München - Es gibt berufliche Teams, in denen geht es überwiegend friedlich zu – und in anderen fliegen immer wieder die Fetzen. Denn die Arbeit dreht sich oft nicht nur um Aufgaben und Projekte. Wenn man mindestens acht Stunden pro Tag zusammen verbringt, geht es auch ums Zwischenmenschliche.

Dass nicht zwischen allen Menschen Sympathie herrscht, ist klar – es wird immer Reibungspunkte geben, wo verschiedene Charaktere auf engem Raum zusammenarbeiten. Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Nerverei und echtem Fehlverhalten.

Wann sind Kollegen nicht mehr nur nervig? "Die Grenze ist überschritten, wenn einer sich auf Kosten der anderen profiliert oder durchsetzt: Zum Beispiel schnappt er sich beim Urlaub immer die Brückentage oder schreibt sich Arbeiten auf seine Fahnen, während er den Anteil des Teams verschweigt", sagt Martin Wehrle, Karriereberater und Autor des Ratgebers "Der Klügere denkt nach".

Was unterscheidet Nervensägen von richtigen Querulanten? "Nervige Kollegen kann man in der Regel stoppen", sagt der Diplom-Psychologe Jörg Berger, der ein Buch über "Stachelige Persönlichkeiten" geschrieben hat. "Dazu muss man sich über die Höflichkeitsregeln hinwegsetzen und jemanden einfach unterbrechen, wenn er unaufhörlich redet."

Nervige Kollegen gehen dann nicht in die Eskalation, sondern lassen sich korrigieren, sagt er.

"Wer sich drückt, hat meist Angst vor Überforderung"

Anders sieht das bei echten Querulanten aus: "Sie fahren erst richtig hoch, wenn man ihnen eine Grenze setzt, und kämpfen zäh darum, dass ihr Fehlverhalten von anderen toleriert wird."

Was tut man dann am besten? Wehrle rät, Quertreiber zur Rede zu stellen, "nach Möglichkeit nicht allein, sondern mit anderen Teammitgliedern". Der Gruppendruck und das Gespräch darüber, wie die ungeschriebenen Regeln der Zusammenarbeit aussehen, können sie auf Kurs bringen. Schwieriger wird es, wenn Kollegen lästern, mobben, Ideen klauen, die Stimmung verpesten, absichtlich gegen andere arbeiten und sich vor Aufgaben drücken.

Der Managementberater Johannes Thönneßen empfiehlt, solche Querulanten möglichst neutral anzusprechen und zu sagen, was man beobachtet hat: "Der andere sollte verstehen, wo das Problem liegt und warum mich das ärgert, stört, irritiert, frustriert oder enttäuscht." Oft wird ein schwieriger Kollege durch eine solche Ansprache überrascht – und ist wider Erwarten zum Gespräch bereit. "Wer das Gespräch wirklich sucht, wird oft Erfolg damit haben."

Was hilft etwa bei Kollegen, die sich vor Aufgaben drücken? Psychologe Berger rät, den wunden Punkt von schwierigen Kollegen herauszufinden: "Wer sich zum Beispiel drückt, hat meist eine Angst vor Überforderung. Wer lästert oder stänkert, reagiert damit meistens auf eine Situation, die er als ungerecht empfindet." Manchmal genüge eine kleine Unterstützung, und die schwierigen Verhaltensweisen hören erst einmal auf. "Ängstlichen Kollegen kann man Verantwortung in kleinen Portionen übertragen", sagt Berger. Denjenigen, die wiederum sensibel auf Ungerechtigkeit reagieren, sollte man viel Transparenz und Mitbestimmung einräumen.

Das sollte man bei Mobbing tun

Wie kann man auf Mobbing reagieren? Wenn jemand vorsätzlich mobbt, ist es nach Wehrles Worten ganz wichtig, dass sich die Gruppe und der Chef hinter das Opfer stellen. "Der Mobber muss merken: Nicht das Opfer büßt seinen Ruf ein, sondern er selbst."

Was hilft gegen schlampiges Erdledigen von Aufgaben? Wehrle sagt: "Wenn jemand schlampig arbeitet, ist es die beste Methode, seine Fehler nicht auszubügeln, sondern sie zurück auf seinen Schreibtisch oder seine Werkbank zu delegieren – so lange, bis die Qualität stimmt."

Ab wann sollte man den Chef einschalten? Manches Fehlverhalten ist nicht Sache der Kollegen, gibt Berater Thönneßen zu bedenken: Wenn jemand zu lange in der Raucherpause ist oder die Mittagspause regelmäßig überzieht, zum Beispiel. Anders sieht es aus, wenn es ins Persönliche geht, Kollegen anzügliche Witze oder Bemerkungen machen, die unter die Gürtellinie zielen. "Dann sollte man eingreifen."

Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass man sofort den Chef involvieren muss. "Faire Konfliktführung beginnt immer mit dem sanftesten Mittel", sagt Berger. "Das kann eine sachliche Bitte sein oder ein offenes Gespräch unter vier Augen."

Man sollte ankündigen, dass man den Chef informieren wird

Nutzt ein solches Gespräch nichts, können sich in einem zweiten Schritt mehrere Teammitglieder zusammentun und eine gemeinsame Position vertreten, so Wehrle.

Der nächste Schritt besteht laut Berger in der Ankündigung von Konsequenzen, falls sich nichts ändert. "Manchmal hat man selbst die Macht, Konsequenzen zu ziehen, zum Beispiel, jemanden beim nächsten Projekt nicht mehr in ein Team aufzunehmen." Erst wenn das alles zu nichts führt, sollte man den Vorgesetzten hinzuziehen. "Aber das sollte man vorher ankündigen und mit offenen Karten spielen", sagt Thönneßen.

Wie kommt man gegen Kollegen an, die tun und lassen, was sie wollen? Besonders schwierig ist es mit Kollegen, die sich in einem Unternehmen unkündbar fühlen oder es tatsächlich sind – etwa, weil sie als Beamte in einer Behörde arbeiten. Laut Wehrle hilft auch in diesem Fall sozialer Druck: "Man muss dem Kollegen deutlich machen, dass er als Teil der Gemeinschaft auch Pflichten hat – und dass er, wenn er die nicht erfüllt, unten durch ist."

Allerdings hat das nicht immer Erfolg. "Um unkorrigierbare Menschen zu stoppen, muss sich ein Vorgesetzter gut ins Arbeitsrecht einarbeiten", sagt Berger. Denn auch Beamte können nicht tun und lassen, was sie wollen. Doch der Weg hin zu Konsequenzen ist aufreibend: Gespräche und Maßnahmen müssen rechtssicher dokumentiert werden. "Aber diese Mühe ist trotzdem besser als jahrelange Nervereien und Produktivitätsverluste."


Bücher zum Thema: Jörg Berger: Stachlige Persönlichkeiten: Wie Sie schwierige Menschen entwaffnen, 12,95 Euro | Martin Wehrle: Der Klügere denkt nach, 15 Euro.

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