ADHS bei Frauen ab 40: Symptome erkennen und was dagegen hilft

Gedankenrasen, innere Unruhe und chronische Erschöpfung: ADHS bei Frauen bleibt häufig lange unerkannt. Besonders ab 40 können hormonelle Veränderungen die Symptome verstärken. Doch woran lässt sich ADHS erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
von  teleschau
Durch hormonelle Veränderungen können ADHS-Symptome wie Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und innere Unruhe stärker hervortreten.
Durch hormonelle Veränderungen können ADHS-Symptome wie Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und innere Unruhe stärker hervortreten. © iStock/Dima Berlin

Jahrelang funktionieren, den Alltag organisieren und beruflich alles unter einen Hut bekommen - und trotzdem ständig erschöpft sein, Dinge vergessen oder innerlich nicht zur Ruhe kommen. Was viele Frauen für persönliche Schwächen halten, kann eine bislang unerkannte ADHS sein. Besonders ab 40 können sich die Symptome verstärken. Doch woran erkennt man ADHS bei Frauen, warum unterscheidet sich das vom Beschwerdebild bei Männern und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Was ist ADHS und warum betrifft es Frauen anders?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die sich vor allem durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität äußert. Dabei müssen nicht alle Symptome gleichermaßen auftreten.

Bei Jungen und Männern fällt ADHS häufig durch sichtbare Hyperaktivität und impulsives Verhalten auf. Mädchen und Frauen zeigen dagegen öfter die sogenannte unaufmerksame Ausprägung. Typisch sind Gedankenrasen, innere Unruhe, Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und emotionale Schwankungen. Weil diese Symptome nach außen weniger auffällig sind, bleibt ADHS bei Frauen häufig lange unerkannt.

ADHS bei Teenagerinnen und Frauen ab 40: Welche Unterschiede gibt es?

Schon im Teenageralter können sich erste Anzeichen zeigen: Mädchen mit ADHS gelten häufig als verträumt, unorganisiert oder besonders sensibel. Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten in der Schule und emotionale Intensität werden dabei nicht immer als mögliche ADHS-Symptome erkannt.

Im Erwachsenenalter verändern sich die Beschwerden oft. Statt äußerer Hyperaktivität steht oft eine innere Getriebenheit im Vordergrund. Die Hormone verstärken eine vorhandene ADHS, sie lösen sie nicht aus. Viele Frauen entwickeln Strategien, um ihre Schwierigkeiten zu verbergen. Dieses sogenannte Masking kostet allerdings viel Energie und kann langfristig zu Erschöpfung und Selbstzweifeln führen.

Ab 40 kommt ein weiterer Faktor hinzu: hormonelle Veränderungen. Östrogen beeinflusst das Dopaminsystem, das bei ADHS eine wichtige Rolle spielt. Sinkt der Östrogenspiegel während der Perimenopause und Menopause, können sich Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und emotionale Beschwerden verstärken. Manche Frauen erhalten deshalb erst in dieser Lebensphase ihre Diagnose.

Warum sich ADHS unterschiedlich zeigt

ADHS zeigt sich nicht bei allen Betroffenen gleich. Während manche Frauen vor allem mit Unaufmerksamkeit kämpfen, stehen bei anderen Impulsivität, emotionale Dysregulation oder innere Unruhe im Vordergrund. Auch die Stärke der Symptome und ihre Auswirkungen auf den Alltag unterscheiden sich. Deshalb spricht man von unterschiedlichen Ausprägungen. Eine Frau kann beruflich sehr erfolgreich sein und dennoch im Alltag stark unter ADHS leiden.

Was hilft bei ADHS im mittleren Alter?

Die Behandlung richtet sich nach der individuellen Symptomatik und dem persönlichen Leidensdruck. Häufig kommt ein multimodaler Therapieansatz infrage. Dazu gehören:

  • Medikamente: Bestimmte ADHS-Medikamente können helfen, Konzentrationsprobleme, Impulsivität und Hyperaktivität zu reduzieren. Die Behandlung erfolgt ärztlich begleitet. Dabei kann es sich auch um Stimulanzien handeln. Gerade im mittleren Alter sollten Blutdruck und Herz-Kreislauf-Risiken beachtet werden, da Stimulanzien beides beeinflussen können.

  • Psychotherapie: Insbesondere Verhaltenstherapie kann dabei unterstützen, den Alltag besser zu organisieren und mit emotionalen Belastungen umzugehen.

  • Psychoedukation und Coaching: Das Wissen über ADHS und das Erlernen individueller Strategien können helfen, die eigenen Schwierigkeiten besser zu verstehen und zu bewältigen.

Bei Frauen mittleren Alters sollten außerdem hormonelle Veränderungen und mögliche Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen berücksichtigt werden.

Wer sich in den Symptomen wiedererkennt, sollte eine fachliche Abklärung in Betracht ziehen. ADHS ist keine Frage mangelnder Disziplin. Auch Frauen, die jahrzehntelang erfolgreich funktioniert haben, können betroffen sein. Eine Diagnose kann helfen, die eigene Lebensgeschichte neu zu verstehen und passende Unterstützung zu finden. Auch eine Nicht-Diagnose Klarheit kann Klarheit verschaffen und auf andere, behandelbare Ursachen hindeuten.

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