Zwölf Grad kühler? München soll Klimastein nach Nürnberger Vorbild testen

Kann ein spezieller Pflasterstein die Münchner Hitzeinseln abkühlen und zugleich die Kanalisation entlasten? Die ÖDP-Fraktion will nach Nürnberger Vorbild Klimasteine testen, die Regenwasser wie ein Schwamm speichern.
von  Guido Verstegen
Baustelle vor den Riem Arcaden: Auf stark versiegelten Flächen wie hier könnten künftig Klimasteine verlegt werden, die Regenwasser speichern und die Umgebung abkühlen sollen.
Baustelle vor den Riem Arcaden: Auf stark versiegelten Flächen wie hier könnten künftig Klimasteine verlegt werden, die Regenwasser speichern und die Umgebung abkühlen sollen. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

München soll sich Nürnberg zum Vorbild nehmen und auf den sogenannten Klimastein setzen, der im Zentrum der Frankenmetropole bereits verbaut wurde. Das fordert die Stadtratsfraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München-Liste und beauftragt die Stadtverwaltung in ihrem Antrag, den speziellen Pflasterstein im Rahmen eines Pilotprojekts auch hier zu testen.

"Unser großes Ziel bleibt es, dass München möglichst viele Flächen entsiegelt. Dort, wo wir aber nicht entsiegeln und begrünen können, sollten wir wenigstens dafür sorgen, dass Regenwasser nicht sofort im Gully verschwindet und dass die Umgebung möglichst kühl bleibt", sagt der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff.

"Einfache Idee mit großem Potenzial"

Wenn ein Stein Wasser speichern und damit seine Umgebung kühlen könne, "ist das eine einfache Idee mit großem Potenzial", findet der umweltpolitische Sprecher seiner Fraktion, die offenbar bereits besonders dicht versiegelte Bereiche wie zum Beispiel in Laim im Blick hat. Also Flächen, auf denen eine Entsiegelung durch viel Grün aufgrund der intensiven Nutzung oder anderer Anforderungen nur eingeschränkt möglich ist.

Wichtig für die gelungene Umsetzung der Idee sind geeignete Bodenverhältnisse, die es ermöglichen, dass Niederschlagswasser versickert. Die ÖDP schlägt vor, bei Sanierungen und Umgestaltungen von Fußgängerzonen, Straßenräumen oder Plätzen wie zum Beispiel am Willy-Brandt-Platz zu prüfen, ob sich geeignete Flächen für den Einsatz des Klimasteins anbieten.

Stein besteht aus drei Schichten

Das Pilotprojekt solle hinsichtlich folgender Punkte ausgewertet werden:

  • Gesicherte Versickerung
  • Hitzeminderung
  • Praxistauglichkeit
  • Barrierefreiheit
  • Unterhalt
  • Kosten  

Der Klimastein besteht laut ÖDP – sie bezieht sich auf Hersteller-Angaben – aus drei Schichten. Regenwasser gelangt demnach über die Fugen "in eine offenporige Speicherschicht". Dort wird es wie in einem Schwamm zurückgehalten. Eine Kapillarschicht sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit länger im Stein verfügbar bleibt und später wieder verdunsten kann.

Bei einer Steindicke von acht Zentimetern könnten so bis zu zehn Liter Wasser pro Quadratmeter gespeichert werden. Das hilft: In den Sommermonaten verdunsten bis zu 70 Prozent des aufgenommenen Niederschlags wieder.

Nürnberg setzt auf Prinzip Schwammstadt

Die Oberfläche der Klimasteine soll bis zu zwölf Grad kühler sein als bei herkömmlichem Pflaster; und entlastet die Kanalisation. Nürnberg setzt die Klimasteine bei der Neugestaltung der Breiten Gasse als tragende Säule des Prinzips der Schwammstadt ein. Es geht darum, möglichst viel Regen- bzw. Oberflächenwasser vor Ort aufzunehmen und zu speichern.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.