Zwischen Haidhausen und Lehel: Warum alle zum Kabelsteg kommen

Ein beliebter Spazierweg, ein Aussichtsort, ein Badestrand – der Kabelsteg zwischen Haidhausen und dem Lehel ist all das.
Die reine Fußgänger- und Radlbrücke führt vom Isarufer hinter dem Muffatwerk hinüber auf die Praterinsel. Von dort spaziert man weiter in Richtung Lehel, zum Alpinen Museum oder über den Wehrsteg auf der Isarinsel entlang zum Vater-Rhein-Brunnen und dem Deutschen Museum.
Vom Kabelsteg aus lässt es sich wunderbar Richtung Süden in die Sonne blinzeln. Hier hat man nämlich quasi immer Sonne, wenn sie scheint – und kann aufs Müller’sche Volksbad und die Ludwigsbrücke oder die prachtvolle Kirche St. Lukas schauen, Münchens protestantischen Dom. Oder in die andere Richtung, die Isar hinunter zur Maximiliansbrücke nebenan, aufs Maximilianeum und auf den Friedensengel, der gold-glänzend und mit wehendem Gewand aus dem grünen Blätterdach der Maximiliansanlagen herausragt.
Sonnenplatz, Badeplatz, Fotospot: der Kabelsteg
Irgendwie fesselnd, gerade wenn die Isar viel Wasser führt, ist auch der Blick auf das Wehr VI und den darüber verlaufenden Wehrsteg – da rauscht es teilweise mit ganz schöner Wucht heraus. Durch zehn Wehröffnungen kann hier Wasser von der Großen Isar in die Kleine Isar abgelassen werden.

Weil das hier alles so idyllisch ist und zugleich mitten in der Stadt kommt hier jeder mal vorbei. An-der-Isar-Spaziergänger, Familien mit Kindern im Wagerl oder auf dem Laufrad, Radler, Jogger auf der Morgen- oder Feierabendrunde, schlendernde Pärchen, Gassigeher oder auch einfach Touristen – für ein stimmungsvolles Selfie für Social Media ist man hier an einem guten Platz.
Manchmal macht am Brückenanfang auf der einen oder anderen Seite jemand Musik, und die Sonnenbader und Isarschwimmer steigen auf der Praterinselseite zu den weitläufigen Kiesbänken hinab.

An heißen Tagen wird es an diesem Haidhauser Hausstrand richtig voll. Das Wasser ist an den Rändern meist flach, nur ein Strömungskanal in der Mitte lässt einen schneller treiben, und die Jungen, Mutigen werfen sich am gegenüberliegenden nördlichsten Eck der Museumsinsel in die Strömung des Wehrs, um am Kabelsteg wieder auszusteigen.
Der Name Kabelsteg geht zurück auf eine frühere Nutzung
Aber nicht nur vom Kabelsteg aus hat man schöne Aussichten, auch der Steg selbst ist ein beliebtes Fotomotiv. In zwei sanften Bögen überspannt er die kleine Isar – sowohl der Steg als auch sein wunderschönes Eisengeländer sind im Jugendstil gehalten. Der Steg gilt als ein frühes Beispiel einer Stahlbetonbrücke und steht unter Denkmalschutz.
Der Name Kabelsteg geht zurück auf eine frühere Nutzung als Übergang für die Wasser- und Elektrizitätsversorgung vom Muffatwerk über die Isar. Die Kabel lagen in drei Kanälen in der Brücke.

1898 wurde die 76,50 Meter lange Brücke eröffnet. Adolf Schwieling und Aquilin Altmann, beide städtische Baubeamte, entwarfen die Bogenbrücke als Eisenbetonbauwerk.
Der Kabelsteg hielt stand
Das Bauunternehmen Wayss & Freytag führte den Bau aus. Die Brücke war ursprünglich mit Muschelkalksteinen verkleidet, dies wurde aber später bei einer Sanierung entfernt. Die flachen Bogen haben jeweils eine Spannweite von je 37 Metern. Über dem Mittelpfeiler ist eine Öffnung zu erkennen, die die geschwungene Linie der gesamten Brücke aufgreift – vor allem hat sie aber eine Funktion. Sie reduziert das Gewicht der Brücke und ihre Widerstandsfläche im Fall eines sehr hohen Hochwassers.
1899, am 14. September, gab es ein verheerendes Isar-Hochwasser, dem die Luitpoldbrücke am Friedensengel und die Max-Joseph-Brücke in Bogenhausen zum Opfer fielen. Der Kabelsteg hingegen hielt stand.