Zwei Schläge und viele Lacher: So überzeugt Finanzminister Füracker beim Maibock-Anstich

Der Finanzminister hat Talent: Erst zapft er mit nur zwei Schlägen an, dann rockt er mit einer sehr launigen Rede den Saal im Hofbräuhaus.
von  Franziska Hofmann, Natalie Kettinger
Albert Füracker überrascht das Publikum beim Maibock-Anstich mit lustigen Pointen und Einlagen.
Albert Füracker überrascht das Publikum beim Maibock-Anstich mit lustigen Pointen und Einlagen. © Felix Hörhager (dpa)

Das Wichtigste zuerst: Der Ministerpräsident hat den Weg zurückgefunden ins Hofbräuhaus. Nachdem CSU-Chef Markus Söder im vergangenen Jahr mitten in den Koalitionsverhandlungen steckte, nahm er heuer wieder beim traditionellen Maibockanstich Platz. Und kann sich noch entspannt zurücklehnen, denn bevor Django Asül sich in seiner Rede die bayerischen Politikerinnen und Politiker vornimmt, bekommt erstmal ein Mann aus dem eigenen Hause seinen Auftritt. Und was für einen!

Finanzminister Albert Füracker bringt mit seiner Rede den Saal auf Touren – und das noch bevor er in routiniert-souveräner Manier mit zwei Schlägen das Maibockfassl anzapft. Ein Mann, der’s kann.

So bringt Finanzminister Füracker das Publikum zum Lachen

Kleine komödiantische Kostprobe des Finanzministers? Bitte sehr: „Es ist wissenschaftlich belegt: Steuern zahlen hilft gegen Einsamkeit“, ruft Füracker von der Bühne. „Wirklich einsam ist der Mensch erst, wenn er vom Finanzamt vergessen wird“. Der ganze Saal tobt vor Vergnügen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Füracker bewiesen, dass – wie es bayerische Tradition hat – ein Finanzminister offenbar von Natur aus lustig ist. Was ja auch gute Tradition ist in Bayern. Schon der legendäre Finanzminister Kurt Faltlhauser und natürlich auch Markus Söder in selbiger Position wussten am Platzl als Redner zu glänzen. Und so zündet der Oberpfälzer eine Pointe nach der anderen: „Meine Verfügung in meinem Testament lautet: 1. Wenn ich tot bin, will ich verbrannt werden. 2. Die komplette Asche ist anschließend dem Finanzamt zu überbringen und 3. Mit folgenden Worten: Das war der letzte Rest, jetzt habt ihr endlich alles.“

Markus Söder (v.l.n.r.), Albert Füracker und Jörg Lehmann, Direktor des Staatlichen Hofbräuhauses beim Maibock-Anstich.
Markus Söder (v.l.n.r.), Albert Füracker und Jörg Lehmann, Direktor des Staatlichen Hofbräuhauses beim Maibock-Anstich. © Felix Hörhager (dpa)

Ein bisserl, vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Buhrufe, erntet Füracker nur, als er den Saal auffordert, sich doch auch mal bei den Finanzbeamten zu bedanken: „Man möchte gar nicht glauben, was Menschen für Freibier so alles machen....“ – die Lacher sind ihm sicher.

Auch den sich noch im Krankenstand befindlichen, abgewählten Oberbürgermeister Dieter Reiter und seinen noch nicht offiziell ins Amt eingeführten Nachfolger Dominik Krause von den Grünen – der ebenfalls mit Abwesenheit glänzt – thematisiert der Minister äußerst gekonnt. Über Reiter sagt Füracker: „Ich habe mich wirklich gefragt, warum ist das passiert? Ich weiß es nicht genau, aber ein Grund könnte sein, dass er nie zum Maibock-Anstich kam.“ Auch Krause sei nicht da.

Reiter und Krause sind nicht anwesend: "Wer den Maibock negiert, bald nicht mehr regiert!“

Füracker schlussfolgert süffisant: „Ich kann also nur als Warnung aussprechen: Wer den Maibock negiert, bald nicht mehr regiert!“ Das wirklich einzige Manko des Auftritts: Mit der Technik hakt’s ein bisserl, was Asül freilich gleich spontan verwandelt: „Wie der Albert da mit dem Mikrofon gekämpft hat, hab ich mir gedacht: So geht’s dem Klingbeil mit dem Sondervermögen...“

Warme Worte findet der Finanzminister dann auch noch für den neuen Hofbräuhaus-Chef Jörg Lehmann, der den Maibockanstich heuer zum ersten Mal eröffnet. Seine neue Position führe wahrscheinlich dazu, „dass Sie niemals in den Himmel kommen“. Denn: Hofbräu-Chef zu sein „ist ja schon der Himmel auf Erden.“ Das sieht Lehmann sicher auch so, der in seiner Eröffnungsrede zumindest für einen unfreiwilligen Lacher sorgte, als er die „Verräterinnen der Kirchen“ begrüßt.

Ein wenig gewurmt scheint ihn zu haben, dass man bei Bekanntgabe seiner Personalie ganz besonders oft thematisierte, dass er ja Berliner sei – in Bayern! Lehmann: „Auch der erste Maibock-Braumeister von HB kam aus dem Norden nach München – so wie ich. Offenbar hat München seit jeher ein gutes Händchen darin, norddeutsche Fachkräfte gut zu integrieren.“

Dem Ruf des Maibocks zum Festsaal am Platzl folgten neben zahlreichen Landespolitikerinnen und -politikern wie Landtagspräsidentin Ilse Aigner auch Alt-Bundesfinanzminister Theo Waigel, Kardinal Reinhard Marx, der evangelische Landesbischof Christian Kopp, BR-Intendantin Katja Wildermuth, „Mama Bavaria“ Luise Kinseher, Schlagerstar Patrick Lindner sowie eine ganze Heerschar von Wirtinnen und Wirten wie etwa Bräurosl-Chef Peter Reichert oder die Hofbräuzelt-Wirte Margot und Günter Steinberg sowie auch Bayern-Legende Paul Breitner mit seiner Frau Hildegard.

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