Zwei Münchner Traditionsgeschäfte vor dem Aus

Er gehört zu den ältesten Traditionsgeschäften der Stadt, nun heißt es Abschied nehmen: Nach 94 Jahren schließt der Haushaltswaren- und Eisenwarenhändler Suckfüll in der Türkenstraße sein Geschäft. Das hat Firmenchef Wolfgang Suckfüll bekannt gegeben. In den kommenden Tagen bleibt das Geschäft wegen Umbaus geschlossen, am 6. Mai startet der Räumungsverkauf.
17 Mitarbeiter und 30.000 Artikel in der Türkenstraße
"Der Suckfüll, der hat ois, was ma braucht", lautet einer der Werbesprüche des Geschäftes, das in dritter Generation von Wolfgang Suckfüll geführt wird. "Suckfüll, dann klappt’s", war ein anderer. Auf zuletzt 560 Quadratmetern bot der Laden wirklich so ziemlich alles, was im Haushalt benötigt wird: von der Gardinenstange nach Maß, über Küchenartikel bis hin zu Werkzeug und Picknickdecken.
Mehr als 30.000 Artikel umfasste das Sortiment, 17 Mitarbeiter gab es zuletzt. Sie deponierten bestellte Ware auch mal – sofern sie nicht zu groß war – für die Kunden in einem Automaten draußen, wenn diese es nicht rechtzeitig zu den Öffnungszeiten ins Geschäft schafften.
Nun wird der Laden Ende Juni schließen. Das Unternehmen reagiere damit auf "die tief greifenden strukturellen Veränderungen im deutschen Einzelhandel sowie steigende Kosten und das geänderte Käuferverhalten", so Wolfgang Suckfüll.
Gegend mit Feiercharakter statt Viertel mit Handwerkern
Konkret begründet er die Entscheidung unter anderem damit, dass es Hausrat und Eisenwaren heute auch bei Discountern, Möbelhäusern, Baumärkten und sogar im Lebensmittelhandel zu kaufen gibt. Zudem habe das Geschäft darunter gelitten, wie sehr sich die Türkenstraße und das Viertel verändert haben. Aus einer "florierenden Geschäftsstraße" sei eine "gastronomiedominierte Gegend mit Feiercharakter" geworden.
Fast alle Handwerker im Viertel seien verschwunden – aber auch viele Parkplätze. "Außerdem gab es in der direkten Nachbarschaft über die letzten 26 Jahre fast ohne Pause eine Baustelle nach der anderen", so Wolfgang Suckfüll. Er dankte seinen Kunden für ihre Treue. Das Geschäft mit Schließ-, Briefkasten- und Klingelanlagen soll fortgeführt werden.

Anders gelagert ist der Fall bei dem Münchner Traditionshaus Hieber Lindberg. Dessen Anfänge gehen sogar bis 1884 zurück. Am 30. April 2026 musste das Musikhaus vorläufige Insolvenz anmelden. Die 44 Mitarbeiter bekommen nun bis Ende Juni erst mal Insolvenzgeld, das Geschäft bleibt bis dahin geöffnet. Derweil ist Insolvenzverwalter Max Liebig auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. Er bezeichnet das Geschäft als "Leuchtturm für eine lebendige Innenstadt". Hieber Lindberg war erst kürzlich in kleinere Räume auf der Sonnenstraße gezogen.