"Zutiefst bestürzt": So berichten Polizeibeamte von dem Anschlag auf die Verdi-Demo

Zwei Menschen starben bei dem Anschlag in München vor einem Jahr. Der Angeklagte schweigt – nun berichten Polizeibeamten von der Horrortat.
AZ/dpa |
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Ein Auto rast am 13. Februar 2025 in der Innenstadt von München in eine Menschenmenge bei einer Verdi Demo.
Ein Auto rast am 13. Februar 2025 in der Innenstadt von München in eine Menschenmenge bei einer Verdi Demo. © IMAGO/Michael Bihlmayer (www.imago-images.de)

Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München wurde am Montag der Prozess um den tödlichen Anschlag auf eine Verdi-Demonstration fortgesetzt. Nachdem am ersten Verhandlungstag die Anklage verlesen worden ist, will der Senat nun in die Beweisaufnahme eintreten.

Ein weiterer Polizeibeamter schilderte die erschreckenden Minuten vor Gericht. Auch er hätte eines der Schlussfahrzeuge der Demo gefahren. Kurz vor der Kreuzung Seidlstraße/Karlstraße habe der 26-Jährige dann etwas wahrgenommen: "Ich konnte irgendetwas in meinem linken Außenspiegel sehen."

Polizist schildert: "Die Menschen sind durch die Luft geschleudert worden"

Einen kurzen Moment später sei dann ein Fahrzeug an ihm vorbei und in den Demonstrationszug gerast. Er schätzte die Geschwindigkeit auf 50 bis 70 km/h. Wie schnell der Wagen tatsächlich war, als er auf das Ende des Demozuges traf, wird im weiteren Verfahren noch zu klären sein. Der Wagen übte solch eine Wucht aus, dass zwei Menschen starben und 44 weitere teils lebensgefährlich verletzt wurden.

An den schrecklichen Anblick, als das Auto in die Menschenmenge fuhr, könne sich der 26-jährige Zeuge "leider recht lebhaft" erinnern. "Die Menschen sind durch die Luft geschleudert worden", schilderte der junge Beamte vor Gericht. Dann seien sie verdreht am Boden liegen geblieben.

Ein Kinderwagen liegt nach dem Anschlag auf der Straße, ein zweijähriges Kind starb. (Archivbild)
Ein Kinderwagen liegt nach dem Anschlag auf der Straße, ein zweijähriges Kind starb. (Archivbild) © Christoph Trost/dpa

Er habe dann erst einmal versucht, so viel Erste Hilfe wie möglich zu leisten. Danach habe er neue Anweisungen bekommen. Er und seine Einheit sollten den zu diesem Zeitpunkt bereits festgenommenen Farhad N. in die Notaufnahme begleiten. Dort habe er N. zum ersten Mal gesehen. Viel gesprochen oder gewehrt habe dieser sich nicht. Später sei er von ihm und weiteren Kollegen ins Präsidium in der Ettstraße gebracht worden.

Seit den erschütternden Stunden vor knapp einem Jahr soll kein Tag vergangen sein, an dem er nicht daran gedacht hätte, sagte der Beamte zum Schluss. "Ich bin zutiefst bestürzt."

Angeklagter zeigte deutliche Geste

Der 25 Jahre alte Afghane, der unter Terror-Verdacht und wegen zweifachen Mordes und 44-fachen versuchten Mordes vor Gericht steht, hatte Aussagen zur Tat und auch zu seiner Person zum Prozessauftakt verweigert. 

Dafür äußerte er sich ohne Worte: Er hob für die Kameras den rechten Zeigefinger nach oben – eine verbreitete Geste unter Muslimen weltweit, die den Glauben an den einen und einzigartigen Gott symbolisieren soll und die zuweilen auch als Erkennungszeichen unter Islamisten gilt.

Zum Prozessbeginn äußerte der Angeklagte sich nur mit einer Geste.
Zum Prozessbeginn äußerte der Angeklagte sich nur mit einer Geste. © Peter Kneffel/dpa

Der Angeklagte war vor knapp einem Jahr, am 13. Februar 2025, noch am Tatort festgenommen worden, nachdem er mit seinem Kleinwagen in die Menschenmenge gerast war. In wenigen Wochen jährt der Anschlag sich zum ersten Mal. Auch am Jahrestag will das Gericht verhandeln – allerdings ohne Betroffene als Zeugen zu laden, damit diese an den Gedenkveranstaltungen teilnehmen können.

Der angeklagte Afghane soll das Auto gezielt in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern gelenkt haben. Eine Mutter und ihre erst zwei Jahre alte Tochter starben, 44 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. 

So schildern die Polizisten den Tathergang

Um den Tathergang zu rekonstruieren, wurden heute zunächst Polizeibeamte als Zeugen vor Gericht befragt. Unter anderem ein 32-jähriger Verkehrspolizist, der aus dem Schlussfahrzeug des Demozugs heraus die Tat beobachtet hat. Der Mini sei demnach am Tattag vor ihm eingeschert und habe Gas gegeben. Mit 30 bis 40 Stundenkilometer sei der Mini dann in den Demozug gefahren.

Bei der Festnahme sei ein Polizeischuss gefallen. Den habe der Polizist gehört. Der Täter sei danach sehr ruhig gewesen. Und habe keinen Widerstand geleistet. Er habe auch die schwer verletzten Mutter und Kind gesehen. Die Mutter war bei Bewusstsein trotz einer schweren Verletzung durch ein Fahrzeugteil im Kopf, so der Bericht  des Beamten. Die Ersthelfer waren schnell zur Stelle.

Die Betroffenen selbst sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt gehört werden. Bis in den Sommer hinein sind Verhandlungstermine am OLG München angesetzt, das Urteil könnte am 25. Juni fallen.

 

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  • GrauWolf vor einer Stunde / Bewertung:

    @ der wahre Tscharlie
    Du hast auch das Recht in diesem Forum endlich mal zu schweigen - insbesondere wenn Du nichts substantielles beiträgst

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  • Knoedel vor einer Stunde / Bewertung:

    Ich finde auch das ein Prozesstag reicht.
    Was gibt es denn da zu besprechen bzw. aufzuklären.
    Ob jetzt ein Tag oder viele Tage, jeder weiß doch das es nur ein Urteil geben kann.

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  • Arslan vor 2 Stunden / Bewertung:

    Ich kann sowieso nicht nachvollziehen, weshalb man für die Urteilsfindung so viele Prozesstage braucht und dadurch unnötig Geld verschwendet. Die Tat und der alleinige Täter stehen fest, das Motiv auch. Also ab in den Bau mit ihm, und zwar lebenslang mit anschließender Sicherhritsverwahrung.

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