Zukunft des Münchner Ratskellers: Immer neue Fragezeichen

Wie geht es mit dem historischen Ratskeller am Marienplatz weiter? Nach 150 Jahren schloss das Traditionslokal Ende 2025 – aufgrund hoher Renovierungskosten entschied sich die Familie Wieser, die Pacht aufzugeben. Auch eine zukünftige Nutzung als Musikclub wurde diskutiert. Jetzt beantwortet das Kommunalreferat eine Anfrage der Stadtratsfraktion CSU/Freie Wähler und wirft neue Probleme auf.
Zukunft des Ratskellers: CSU/Freie Wähler fordern Aufklärung, Kommunalreferat reagiert spät
In ihrem Antrag vom 13. Mai 2025 hatten CSU/FW angeregt, einen neuen Pachtvertrag über den Betrieb einer Gaststätte in den Räumlichkeiten des Ratskellers mit einem anderen, neuen Pächter bis Ende 2032 abzuschließen. Das Ziel sollte es demnach bleiben, weiter einen gastronomischen Betrieb unter dem Rathaus zu behalten – bis zu dessen Generalsanierung.
Mitte November ließ die Fraktion dann einen Fragenkatalog zu dem Sachverhalt folgen, um herauszufinden, was das Kommunalreferat in den zurückliegenden sechs Monaten unternommen habe. Wegen der laufenden Gastronomienutzung, des nicht im Detail bekannten Bauzustands des Pachtgegenstandes, aber auch bedingt durch die fehlende Finanzierung habe bis dato keine Ausschreibung vorgenommen werden können, heißt es in der Stellungnahme des Kommunalreferenten Edwin Grodeke.
Was kostet die Sanierung der zu verpachtenden Fläche im Ratskeller?
"Eine eingehende Bestandsuntersuchung" erfolge jetzt parallel zu den Räumungsarbeiten des Pächters. Auf dieser Basis schätze das Baureferat anschließend die für eine Sanierung der Fläche zur Neuverpachtung als verkleinerte, gastronomische Zwischennutzung mindestens erforderliche Summe.
"Das Kommunalreferat wird sodann voraussichtlich noch vor der Sommerpause den Stadtrat mit einem Finanzierungsbeschluss und einem Konzept für die Ausschreibung der Pachtfläche im Sinne einer reduzierten Gastronomienutzung befassen", wird Grodeke in der Mitteilung der Stadt zitiert.
Die Prüfung möglicher Interimsnutzungen des Ratskellers bis zur Generalinstandsetzung des Neuen Rathauses sei "angesichts der baulichen Herausforderungen im Rathaus und der aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen sehr aufwändig und bislang nicht abgeschlossen", entschuldigte sich der Leiter des Kommunalreferats für die späte Reaktion.
Letzte umfangreiche Sanierung des Ratskellers erfolgte in den Jahren 1972 bis 1975
Der Stadtrat habe bereits im Sommer 2024 entschieden, die Generalsanierung des Neuen Rathauses in den Zeitraum ab dem Jahr 2032 zu verschieben. Bereits damals sei klar gewesen, dass auch für den Ratskeller Sanierungsbedarf bestehe.
Laut Grodeke erfolgte die letzte umfangreiche Sanierung in den Jahren 1972 bis 1975: "Aufgrund der komplexen baulichen und technischen Infrastruktur, die sich unter anderem im Kellergeschoss des Rathauses befindet und für die Versorgung des gesamten Rathauses relevant ist, kann eine von der Generalinstandsetzung des Rathauses losgelöste Vorabsanierung des Ratskellers bzw. des Kellergeschosses nicht erfolgen."
Interimskonzept fand beim bisherigen Pächter zunächst "großen Anklang"
Es sei daher angedacht gewesen, den Pachtvertrag mit dem bisherigen Pächter für eine verkleinerte Zwischennutzung noch bis 2032 zu verlängern – mit dem Fokus auf eine mögliche Umstrukturierung.

Zu diesem Zweck seien Mittel in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro vom Kommunalreferat angemeldet worden – und eine "Refinanzierung" über die voraussichtlichen Mieteinnahmen bis zur Generalsanierung im Jahr 2032 als realistisch erschienen. Grodeke: "Die beantragten Mittel wurden jedoch nicht genehmigt."
Das erarbeitete Interimskonzept habe zunächst beim bisherigen Pächter "großen Anklang" gefunden, dann habe er doch entschieden, das Pachtverhältnis nicht zu verlängern. Laut Grodeke müssen die Räumlichkeiten "nach 50-jährigem durchgängigen Betrieb" geprüft und die Infrastruktur zumindest in Teilbereichen gegebenenfalls saniert werden. Die Sicherstellung von Grundfunktionalitäten wie Brandschutz, Ver- und Entsorgung, Heizung, Lüftung obliege einem neuen Verpächter.
Baudenkmal Neues Rathaus weist "sehr komplexe Infrastruktur" auf
Eine Instandsetzung mit den notwendigen Eingriffen in die Bausubstanz müsse durch die Stadt selbst erfolgen, argumentierte Grodeke: "Weil gerade im herausgehobenen Baudenkmal Neues Rathaus eine über Jahrzehnte gewachsene sehr komplexe Infrastruktur vorliegt, die nicht nur dem Ratskeller, sondern dem gesamten Gebäude dient." Eine Verschiebung der geplanten Generalinstandsetzung des Neuen Rathauses über das Jahr 2032 hinaus ist demnach nicht geplant.