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"Zoo-Skandal mit Ansage": Tierschützer reagieren auf Münchner Panda-Pläne

Hat der Münchner Tierpark Hellabrunn demnächst eine Attraktion mehr? Nach Medienberichten über eine Panda-Leihe aus China hält sich der Zoo bedeckt. Es hagelt aber schon Kritik.
von  AZ/dpa
Riesenpandas sind eine Seltenheit. Bald könnten zwei in München zu sehen sein.
Riesenpandas sind eine Seltenheit. Bald könnten zwei in München zu sehen sein. © Chan Long Hei/AP/dpa

Update, 20. Januar, 15.03 Uhr: Der Tierpark Hellabrunn will für reichlich Geld zwei Pandas ausleihen. Die Pläne werden vermutlich am Mittwoch (21. Januar) im Tierpark Hellabrunn gemeinsam mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Münchens Dritter Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) offiziell verkündet. Die Stadt spricht in ihrer Mitteilung von einem "wegweisenden Neubauprojekt", Pro Wildlife und Peta kritisieren das Vorhaben scharf. 

Pro Wildlife:  China nutzt Panda-Diplomatie zur Stärkung diplomatischer Beziehungen"

"Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere", sagt Laura Zodrow, Sprecherin der Münchner Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Über 60 Pandas lebten derzeit in Zoos außerhalb Chinas – alle als Leihgaben gegen eine Jahresgebühr von etwa einer Million Euro pro Paar, so Pro Wildlife. Hinzu kämen Millionengelder für den Bau spezieller Gehege. Über den Verleih der Tiere entscheide die chinesische Regierung nach politischen und wirtschaftlichen Kriterien, nicht nach Tierschutz- oder Artenschutz-Erwägungen.

Pro Wildlife: "Auch die Zoos profitieren massiv vom Panda-Hype"

"Diese umstrittene Panda-Diplomatie nutzt China zur Stärkung diplomatischer Beziehungen", argumentiert man bei Pro Wildlife. Außerdem würden Pandas seit Jahrzehnten in chinesischen Zuchtstationen wie am Fließband produziert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten 126 Große Pandas in Gefangenschaft gelebt, mittlerweile seien es mehr als 700. 

Statt nur Panda-Plüschtieren wird es in Bayern bald lebendige Riesenpandas geben.
Statt nur Panda-Plüschtieren wird es in Bayern bald lebendige Riesenpandas geben. © Peter Kneffel/dpa

Weil Pandas in Gefangenschaft selten auf natürlichem Weg Nachwuchs bekämen, werde die Fortpflanzung häufig durch künstliche Befruchtung erzwungen – eine Prozedur, die laut Recherchen der New York Times mit erheblichem Tierleid verbunden sei. "Die in Gefangenschaft gezüchteten Pandas haben mit ihren wilden Artgenossen nur noch das Aussehen gemein. Sie haben in Freiheit kaum Überlebenschancen”, erklärt Laura Zodrow: "Auch die Zoos profitieren massiv vom Panda-Hype. Pandas sind Besuchermagneten und steigern Einnahmen aus Ticketverkauf, Sponsoring und Merchandising."

Peta-Kritik: "Was sich hier anbahnt, ist ein Zoo-Skandal mit Ansage"

Auch bei der Tierrechtsorganisation Peta geht davon aus, dass es sich bei der angekündigten Pressekonferenz um eine Leihgabe von Riesenpandas aus China dreht. "Was sich hier anbahnt, ist ein Zoo-Skandal mit Ansage: Nach Berlin will nun offenbar auch München mit dem 'Panda-Effekt' Kasse machen", sagt Yvonne Würz, Biologin und Peta-Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche.

Sie fügt hinzu: "Markus Söder wirbt medienwirksam für teure Pandas in Hellabrunn, obwohl die Tiere in Zoos ein leidvolles Dasein fristen. Auch die Zucht in Gefangenschaft hat nichts mit echtem Artenschutz zu tun, sondern nur mit politischem Kalkül und Prestige. Jeder Euro, der in die Panda-Zoohaltung fließt, fehlt dort, wo er wirklich wirkt: beim Schutz von Lebensräumen und den freilebenden Wildtieren."

Erstmeldung, 19. Januar: Bekommt der Münchner Tierpark bald Riesenpandas? Nach Medienberichten über eine Leihe aus China nach Bayern hat der Zoo ein "wegweisendes Neubauprojekt" angekündigt – und eine Pressekonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch. Weder die Stadt München noch die Staatskanzlei oder der Zoo wollten sich auf Nachfrage zu weiteren Details äußern.

"Münchner Merkur" und "tz" hatten vergangene Woche berichtet, dass der Tierpark zwei Riesenpandas per Leihe aus China bekommen soll. Hellabrunn wäre nach Berlin erst der zweite Tierpark in Deutschland, in dem Riesenpandas leben. Während Pandas für Zoos und Tierparks in der Regel ein Besuchermagnet sind, gelten sie auch als Politikum. China verleiht seit über 50 Jahren Pandabären in andere Länder, um die diplomatischen Beziehungen zu stärken. Auch Frankreich bekam kürzlich zwei Pandas von China zugesagt.

Söder posierte mit Plüschpandas

Der Organisation Pro Wildlife zufolge leben derzeit rund 56 Pandas in Zoos außerhalb Chinas, sie gehören aber weiter der Volksrepublik. Für die Leihgaben werden demnach aber Gebühren von rund einer Million Euro pro Elternpaar fällig. 

Dem Berliner Zoo zufolge ist in diesen Leihverträgen auch festgelegt, dass alle Nachkommen der Pandas, unabhängig davon, wo sie geboren werden, ebenfalls zu China gehören und meist nach einigen Jahren in ihre Heimat zurückkehren.

Söder liebäugelt Medienberichten zufolge seit seiner Chinareise 2024 mit einer Pandaleihgabe. Damals hatte Bayerns Ministerpräsident medienwirksam mit Plüschpandas posiert.

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