Zeuge auf Verdi-Demo: "Mir war sofort klar, das ist ein Anschlag"

Der 13. Prozesstag: Opfer des Anschlags auf eine Verdi-Demo am 13. Februar 2025 berichten von den dramatischen Momenten, die sie in der Seidlstraße erlebt haben.
John Schneider
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Ermittler am Tatort: Der Mini Cooper, der  am 13. Februar 2025 bei einer Verdi-Demonstration in eine Menschengruppe gefahren war.
Ermittler am Tatort: Der Mini Cooper, der am 13. Februar 2025 bei einer Verdi-Demonstration in eine Menschengruppe gefahren war. © IMAGO/Maximilian Eberl

Es habe "Bum, Bum, Bum" gemacht, erinnert sich ein Demo-Teilnehmer (57) an die dumpfen Geräusche, die er am 13. Februar 2025 plötzlich hinter sich hörte. Er habe sich noch gewundert: "Wir haben doch keine Trommel dabei." Sekundenbruchteile später wurde er von dem weißen Mini Cooper erfasst und zu Boden geschleudert.

Einige der Demo-Teilnehmer hatten anfangs noch gedacht, dass der Fahrer des Autos vielleicht einen Herzinfarkt erlitten hatte. Nicht so der 57-Jährige: "Mir war sofort klar, das ist ein Anschlag." Er habe sich hochgerappelt und nach Deckung gesucht.

In diesem Zusammenhang mag er es nicht, wenn von einem Unfall die Rede ist: "Das war ein Mord-Anschlag. Das war ein Attentäter, kein Unfall."

25-Jähriger auf der Anklagebank

Beschuldigt wird der 25-jährige Farhad N. Er soll seinen Mini Cooper in den Demo-Zug gelenkt haben. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter erlagen ihren Verletzungen. 44 weitere Demo-Teilnehmer wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Die Generalstaatsanwaltschaft geht von Mord in zwei und versuchtem Mord in 44 Fällen aus.

Der 57-Jährige im Zeugenstand erlitt selbst unter anderem einen Bruch des Sprunggelenks. Aber vor allem psychisch macht ihm der Auto-Anschlag noch zu schaffen. Er sei ein leidenschaftlicher Wiesn-Gänger gewesen, doch jetzt meidet er große Menschenmengen.

Er nutze inzwischen auch lieber sein Rad oder gehe zu Fuß und meide den ÖPNV, vor allem zu Stoßzeiten. Der 57-Jährige hat Schlafprobleme und Angstzustände. Er ist sich sicher: "Das werde ich nie mehr vergessen." Im Unterschied zu der Zeit vor dem Anschlag sei er sehr emotional geworden, sei plötzlich nahe am Wasser gebaut bei rührenden Momenten. Was früher nicht so seine Art gewesen sei, erklärt er.

Mit einem Bein eingeklemmt

Mehrere Zeugen hatten beobachtet, wie sich eine Frau im vorderen linken Radkasten des Mini zwischen Rad und Karosserie mit einem Bein eingeklemmt hatte. Am Donnerstag kam die Frau jetzt selber zu Wort. Die 62-Jährige berichtet, dass sie bis heute unter starken Schmerzen leide.

Bei dem Vorfall hatte sie sich Frakturen, massive Hämatome und Prellungen zugezogen. Fast zwei Monate blieb sie in stationärer Behandlung, musste in dieser Zeit zwei Mal operiert werden, gehe immer noch an Krücken.
Wie sie sich an den Vorfall erinnert, will der Senatsvorsitzende Michael Höhne wissen. "Ich habe mich schreien hören, konnte mich aber nicht bewegen. Ich war eingeklemmt." Der Prozess wird fortgesetzt.

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3 Kommentare
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  • Kritischer Beobachter am 13.03.2026 15:17 Uhr / Bewertung:

    Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb man den Opfern zumutet, alles noch einmal zu durchleben. Die Tat steht doch in allen Einzelheiten fest. Da mehrere Personen tot sind und kein Versehen vorliegt, war es Mord oder Totschlag. Es müsste doch reichen, die schwierige Kindheit des Täters und die Motive seiner Tat zu ermitteln, um zu prüfen, ob es "lebenslang" (15 oder 20 Jahre) werden wird oder ob diese Gründe eine zeitige Freitheitstrafe oder die Unterbingung in einem psychiatrischen Sanatorium rechtfertigen. Anstatt hier zeitnah zu einem Urteil zu kommen, nimmt die Justiz hier keine Rücksicht auf die Opfer.

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  • Sani Bonani am 13.03.2026 12:01 Uhr / Bewertung:

    Der Täter war und ist immer-noch traumatisiert.

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  • Himbeer-Toni am 13.03.2026 14:28 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Sani Bonani

    Die Traumatisierung des Täters interessiert mich einen Dreck.
    Die Opfer und deren Angehörige haben lebenslang Trauma!

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