Zecken-Check am Flaucher: Treffer schon beim ersten Versuch

Am Münchner Flaucher zeigt ein Testfang des Biologen Olaf Kahl: Zecken lauern direkt am beliebten Grillplatz. Die Blutsauger können Borreliose und FSME übertragen – und selbst fehlende Dixi-Klos könnten das Risiko für einen Zeckenbiss erhöhen.
von  Hüseyin Ince
Olaf Kahl auf Streifzug. Mit der weißen Flagge fängt er Zecken. Sie krallen sich fest, weil sie denken, es könnte ein Wirt zum Blutsaugen sein.
Olaf Kahl auf Streifzug. Mit der weißen Flagge fängt er Zecken. Sie krallen sich fest, weil sie denken, es könnte ein Wirt zum Blutsaugen sein. © Hüseyin Ince

Der promovierte Biologe Olaf Kahl (72) könnte schon längst in Rente leben. Aber er scheint seinen Job zu lieben. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens Tick Radar. Auf Englisch heißt "Tick" Zecke – ein bekanntlich nicht ganz ungefährliches Tier, weil es Borreliose-Bakterien und FSME-Viren übertragen kann.

Derzeit untersucht Kahl die Zeckenpopulation im Auftrag des Pharmariesen Pfizer an zehn Orten in ganz Deutschland. Acht Stopps hat er hinter sich, bevor er sich nun am Donnerstag in München den idyllischen Grillplatz zwischen Flaucher und der Isar-Alm vornimmt. Als Kahl gegen 10.30 Uhr dort ankommt, räumen städtische Bedienstete noch leere Flaschen und Partyreste vom Vorabend auf.

Fast ganz Bayern ist inzwischen FSME-Risikogebiet

Kahl könnte stundenlang Vorträge über Zecken halten. Aber heute hat er seine weiße Flagge dabei, die er an einem Bambusstock über den Boden zieht. Die Tiere krallen sich daran fest. "Die meisten Zecken, die in Deutschland vorkommen, haben keine Augen", sagt er. Nur drei Mal brauche eine Zecke in ihrem ganzen Leben (sie werden bis zu sechs Jahre alt) Blut zu saugen und suche sich dann einen Wirt.

Pinsel hinterm Ohr, weiße Fahne in der Hand: Olaf Kahl macht sich bereit für den Zecken-Streifzug.
Pinsel hinterm Ohr, weiße Fahne in der Hand: Olaf Kahl macht sich bereit für den Zecken-Streifzug. © Hüseyin Ince

"Sie sitzen eher auf höheren Halmen oder auf Laubstreu", sagt Kahl, bevor er die Stoff-Fahne über den Boden streift. Er geht dafür in einem 20-Meter-Radius rund um die Waldlichtung, wo das Gras etwas höher wird. Siehe da: Kahl hat sechs Zecken auf der Fahne. "Es sind Nymphen", sagt er, als er den schmalen Pinsel hinter seinem Ohr hervorholt und die Tiere in eine Art Reagenzglas mit Deckel schiebt. 43 fand er insgesamt.

Nymphen nennt man die Zecken in der zweiten ihrer drei Entwicklungsstufen. "Gerade das Weibchen ist faszinierend", sagt Kahl, "es krallt sich zwei bis vier Tage an seinem Wirt fest und saugt so viel Blut, dass es sich um das Hundert- bis Zweihundertfache vergrößert. Gigantisch". Dabei gebe das Tier seinen Speichel ab, damit das Blut nicht verklumpe.

Mit bloßem Auge kaum großer als schwarze Punkte: Da sind sie, die Nymphen. So heißen Zecken im mittleren von drei Entwicklungsstadien. Sechs Stück krallten sich gleich beim ersten Versuch von Olaf Kahl auf seiner weißen Stoff-Fahne fest.
Mit bloßem Auge kaum großer als schwarze Punkte: Da sind sie, die Nymphen. So heißen Zecken im mittleren von drei Entwicklungsstadien. Sechs Stück krallten sich gleich beim ersten Versuch von Olaf Kahl auf seiner weißen Stoff-Fahne fest. © Hüseyin Ince

Borreliose-Bakterien werden langsam übertragen, FSME-Viren sehr schnell

Gerade im Speichel sei eben das Problem für Menschen, so Kahl. Darin können sich Viren oder Bakterien befinden. Gegen FSME kann man sich impfen lassen. "Wenn das Tier Viren in sich trägt, werden sie sofort übertragen. Bei Borreliose-Bakterien dauert es zehn bis zwölf Stunden", sagt Kahl. Dann blickt er nochmal auf den Grillplatz. "Eigentlich sollten hier Dixi-Klos stehen, sie können Zeckenbiss verhindern", sagt er, denn: "Wohin gehen die Leute, wenn sie mal müssen? Eben, an den Rand." Und hier seien oft die meisten Zecken.

Erst nach dem zehnten Deutschland-Stopp wird eine Auswertung von Kahls Streifzügen stattfinden. Einen Tipp hat er zum Schluss. "Die Leute machen sich viel zu viele Gedanken, wie man Zecken entfernt", sagt er, "wichtig ist, so schnell wie möglich raus". Er hat da eine eigene Methode. "Ein bisschen Speichel auf den Finger, die Zecke auf der Haut sachte im Kreis drehen, dann lässt sie zuallermeist selbst los", sagt Kahl.

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