Zahlen ohne geparkt zu haben: Abzocke auf dem Tierpark-Parkplatz
Es ist nicht wenig Geld, um das es geht in Zeiten der Inflation, nachdem man ohnehin schon den Tierpark-Eintritt gezahlt hatte. 47,80 Euro sollte die Landshuter Familie Mittendorfer (Name geändert) für den Parkplatz P2 an der Siebenbrunner Straße begleichen. Etwa zehn Tage nach ihrem Ausflug nach Hellabrunn am 8. April erreichte sie die Zahlungsaufforderung.
"Es war ein Mittwoch", sagt Marcus Mittendorfer (37). Ein schöner Tag in der zweiten Woche der Osterferien sei es gewesen. Seine Eltern waren an Bord, ebenso zwei Kinder, acht und drei Jahre alt. "Nicht falsch verstehen", sagt der 37-Jährige. "Der Eintritt für den Tierpark ist okay, für das, was da alles geboten wird". Doch fast 50 Euro extra im Nachgang? "Wir haben ja auf P2 überhaupt nicht geparkt", sagt er, "diese Gebühr schmälert den Spaß schon enorm".
Wegen Stau in der Parkplatzanlage: Strafzahlung ohne geparkt zu haben
Mittendorfer schrieb per Mail der Firma Mobility Hub Parkservice GmbH (MHP), ansässig in Grünwald. Sie betreibt den Parkplatz P2 am Tierpark. "Wir sind in die Parkplatzanlage P2 gefahren, ja", sagt Mittendorfer. Die Familie hat sich 17 Minuten durch den Parkplatzsuchverkehr auf der Fläche P2 gequält. "Es staute sich, ging nicht vor und nicht zurück", sagt er. Also verließen sie P2 und fanden außerhalb einen Stellplatz.
Das Problem: Die automatische Kennzeichenerfassung des MHP registrierte bei der Ausfahrt, dass sich das Fahrzeug länger als die gebührenfreien 15 Minuten auf P2 befunden hatte. Bei der Einfahrt und der Ausfahrt wird das Kennzeichen erfasst. Alles höchst datenschutzkonform ohne Videoaufzeichnung, betont MHP.
Weil dann laut den Regeln des Betreibers sechs Euro fällig seien und Mittendorfer diese sechs Euro Tagesgebühr nicht am Automaten gezahlt hatte, sei der sogenannte "penalty charge" fällig gewesen: 47 Euro, plus Bearbeitungsgebühr.

Hoffen auf Kulanz der Parkplatzbetreiber
Die Familie aus Landshut empfand das als Abzocke. Auf die Mail von Mittendorfer kam nur eine standardisierte Antwort. Also schrieb Mittendorfer zwischen 18. und 19. April ins Serviceportal der MHP, um auf Kulanz zu hoffen. Er hatte die Dienstleistung, nämlich auf dem Parkplatz P2 zu parken, ja nie in Anspruch genommen.
Die Firma betont auch auf Anfrage der AZ, dass man dieses Portal in solchen Fällen unbedingt nutzen solle: "Sollte es hier zu Missverständnissen oder Unklarheiten kommen, können Nutzer sich online mit ihrem Aktenzeichen und Kennzeichen auf einem Service-Portal einloggen und ihr Anliegen digital einreichen: service.mh-parkservice.de." Man reagiere bei Unstimmigkeiten kulant, versichert MHP.
Eine schriftliche Antwort bekamen die Mittendorfers bis heute nicht. "Immerhin kam keine Mahnung", sagt Mittendorfer. Betreiber MHP betont, dass solche Fälle wie bei den Mittendorfers die absolute Ausnahme seien. "Nur 0,2 bis 0,5 Prozent aller Vorgänge führen überhaupt zu einem potenziellen Verstoß. Das liegt im Verhältnis zum Gesamtvolumen im unteren Promillebereich", schreibt MHP per Mail.
Automatische Kennzeichenerkennung seit 2023
Seit April 2023 bewirtschaftet die Grünwalder Firma die Fläche P2 am Tierpark. Davor gab es hier ein Schrankensystem. Und wer online nach den Bewertungen des MHP schaut, hat eher das Gefühl, dass deutlich mehr als die genannten 0,5 Prozent der Bezahlvorgänge nicht ganz reibungsfrei verlaufen.
In Dutzenden Bewertungen auf Google Maps etwa geht es deutschlandweit um Vertragsstrafen bis zu 57 Euro auf Parkflächen, die an Hunderten Standorten von MHP mit automatischem Kennzeichenerfassungssystem betrieben werden.
Auf P2 in München registriert kaum jemand die Regel mit der Karenzzeit. Und kaum jemand könnte es nachvollziehen, dass man an der Siebenbrunner Straße die volle Tagesgebühr von sechs Euro zahlt, auch wenn man sich länger als 15 Minuten durch die Parkfläche schlängelt – und dort nie geparkt hat.
Der Tierpark Hellabrunn bestätigt auf Anfrage der AZ, dass es bei P2 vor allem in den Osterferien vereinzelt zu Problemen gekommen sei und "Parkplatzsuchende nach Überschreitung der Karenzzeit eine Rechnung erhielten. Dies bedauern wir sehr. Wir stehen daher derzeit in engem Austausch mit der Betreiberfirma, um hierfür eine Lösung zu finden."

Storniert ohne Benachrichtigung
Grundsätzlich sei das Modell mit automatischer Kennzeichenerfassung des MHP ein erprobtes System, das die massiven Rückstaus von früher gut vermeide, als es hier noch ein System mit Schranke gegeben habe. Die Verbraucherzentrale hingegen sieht eher potenzielle Mängel.
Es müsse bei automatisierter Kennzeichenerfassung schon möglich sein, dass man die Zeiten dahingehend vergleicht, ob ein Fahrzeug z.B. eine Stunde oder länger dort stand, oder nur durchgefahren ist und keinen Parkplatz gefunden hat. Das scheint hier nicht geschehen zu sein", schreibt die Münchner Verbraucherrechts-Referentin Simone Bueb. Grundsätzlich aber sei eine Karenzzeit eine sinnvolle Methode.
Der Familie Mittendorfer empfiehlt Bueb, hartnäckig zu bleiben. Zur Not solle man Zeugen benennen, die die Stausituation vom 8. April bestätigen können und dass man dort eben nicht geparkt habe, sondern auf der Suche nach einem Parkplatz nur einmal durchgefahren sei.
Auf AZ-Anfrage heißt es in einer weiteren Antwort des Betreibers MHP dann vor einigen Tagen, die Zahlungsaufforderung an Marcus Mittendorfer sei am selben Tag storniert worden, als er ans Serviceportal geschrieben habe. Mittendorfer checkt das Portal. Bislang hatte er keine Reaktion registriert. Und tatsächlich steht hier nun unkommentiert "Bezahlstatus storniert".
Mittendorfer ist zwar erleichtert, aber auch verwundert. "Ich hatte hierzu keine Benachrichtigung bekommen", sagt er. Ob MHP diese Zahlungsaufforderung tatsächlich noch am selben Tag storniert hat, bleibt für ihn nicht nachvollziehbar.



